Israel/Libanon

Kommt Bewegung in die Waffenstillstandsgespräche?

Präsident Bidens Sondergesandter Amos Hochstein Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS

In Beirut könnte umgehend eine Waffenstillstandsvereinbarung zwischen der vom Iran finanzierten Terrororganisation Hisbollah und Israel geschlossen werden. Garantien gibt es offensichtlich nicht, aber erstmals sind Anzeichen dafür vorhanden, dass die Terroristen einlenken könnten.

Daher ist Amos Hochstein, US-Präsident Joe Bidens Sonderbeauftragter für den Nahen Osten, nach Beirut gereist. Mehrere Aspekte könnten sich positiv auf seine Mission auswirken, eine Waffenruhe zu erlangen.

Dazu gehört die Tatsache, dass die israelischen Streitkräfte (IDF) der Hisbollah in den vergangenen Wochen massive Schläge zugefügt haben. Fast die gesamte Führungsriege der Terroristen, von Chef Hassan Nasrallah abwärts, wurde bei Luftschlägen getötet – ebenso wie zahlreiche bewaffnete Mitglieder der Terrortruppe. Die IDF zerstörten viele Waffenlager und andere Hisbollah-Ziele.

Einziger Weg

Neben dem massiven militärischen Druck ist der Faktor Donald Trump ausschlaggebend. In Teheran, aber auch in Beirut scheint den Akteuren klar geworden zu sein, dass der als unberechenbar geltende nächste Präsident noch weitaus mehr Druck ausüben könnte – direkt oder indirekt. Dies scheint ihnen Angst zu machen.

Zeitungen in den Vereinigten Staaten und Israel schreiben, der Libanon und die Hisbollah hätten dem vorliegenden amerikanischen Vorschlag für eine Waffenruhe zugestimmt. Allerdings wollten sie zugleich »Anmerkungen« dazu machen.

Hassal Khalil, ein Helfer von Parlamentssprecher Nabih Berri, erklärte einigen Berichten zufolge, der Libanon habe seine Antwort dem amerikanischen Botschafter in Beirut übergeben. Nach der Ankunft Hochsteins sollten die Gespräche weitergehen. Berri spricht laut der »Times of Israel« offenbar auch für die Hisbollah, die Israel seit 13 Monaten täglich mit Raketen angreift.

Lesen Sie auch

Zentrales Kriegsziel

Selbst die UNO-Resolution 1701 von 2006, die es der Hisbollah verbietet, südlich des Litani-Flusses zu agieren – was sie bisher dennoch tat, unbehelligt von der UNFIL, die eben dies verhindern sollte –, soll laut Khalil plötzlich umgesetzt und eingehalten werden.

Dies ist genau, was Israel will. Ein Ende der Angriffe und der Gefahr würde eine Rückkehr von 60.000 Bewohnern Nord-Israels in ihre Heimat ermöglichen. Es handelt sich um das zentrale Kriegsziel der Israelis.

Amos Hochstein soll zusätzlichen Druck ausgeübt haben, indem er seine Abreise in Richtung Beirut zunächst verzögerte. Zwei Stunden später hatte er laut »Axios« die Antworten, die er wollte und flog daher ab. Sollten die Gespräche erfolgreich sein, wird Hochstein morgen nach Israel weiterreisen, um die Vereinbarung festzuklopfen.

Fünfzigprozentige Chance

Die Amerikaner sehen trotz der eindeutig klingenden Statements aus Beirut laut »Ynet« eine nur fünfzigprozentige Chance für einen Durchbruch.

Die vorliegende Vereinbarung schreibt neben der Umsetzung der UNO-Resolution 1701 offenbar fest, dass sich die IDF innerhalb von 60 Tagen aus dem Libanon zurückziehen muss, während die reguläre libanesische Armee näher an die Grenze herankommen darf.

Ministerpräsident Benjamin Netanjahu wurde mit den Worten zitiert, eine Vereinbarung auf Papier sei nicht der wichtigste Aspekt. Selbst mit einem solchen Dokument müsse Israel weiterhin in der Lage sein, in »systematischen Operationen« gegen die Hisbollah vorzugehen. Dabei gehe es um Reaktionen auf eventuelle Angriffe und präventive Maßnahmen mit dem Ziel, neue Attacken der Terroristen zu verhindern. im

Rüstung

Israel beschleunigt Produktion von Arrow-Abfangraketen

Israel will die Produktion seiner Arrow-Abwehrraketen deutlich steigern. Ziel ist es, den Vorrat zu erhöhen und die Verteidigungsfähigkeit angesichts ständiger Angriffe auszubauen

 06.04.2026

Krieg

Angriffe von drei Seiten auf Israel

Koordinierte Angriffe aus dem Iran, dem Libanon und dem Jemen treffen Israel

 06.04.2026

Krieg

Weiterer Raketenangriff auf Großraum Tel Aviv

Nach neuen Raketenangriffen auf Tel Aviv gibt es Berichte über mehrere Einschläge und Verletzte. Bilder zeigen zerstörte Hausfassaden

 06.04.2026

Krieg

Zwei weitere Tote nach Raketenangriff in Haifa geborgen

Nach einem iranischen Raketenangriff in der israelischen Hafenstadt Haifa wurden zwei weitere Tote geborgen. Insgesamt sterben vier Menschen, darunter Angehörige zweier Generationen einer Familie

 06.04.2026

Standpunkt

Die Militäroperation gegen das Mullah-Regime ist eine historische Chance

Ein Gastbeitrag von Roderich Kiesewetter, Bundestagsabgeordneter (CDU) und Mitglied des Auswärtigen Ausschusses

von Roderich Kiesewetter  06.04.2026 Aktualisiert

Die israelische Raketenabwehr hat eine aus dem Libanon anfliegende Terror-Rakete im Visier.

Kriegsverbrechen

Iran greift Großraum Tel Aviv erneut mit Streumunition an

Der Iran setzt laut Medien erneut Streumunition bei Angriffen auf Tel Aviv und Haifa ein. Human Rights Watch sieht dadurch eine langfristige Gefahr für Zivilisten

 06.04.2026

Debatte

Antisemitismus und Israel-Hass: Auswärtiges Amt rügt Goethe-Institut für Ausstellung

Um die palästinensisch-amerikanische Künstlerin Basma al-Sharif gab es wegen Social-Media-Posts zuletzt Wirbel. Das gilt auch für die Teilnahme an einer Ausstellung in Vilnius

 04.04.2026

Modschtaba Chamenei

Wo ist der neue Ayatollah?

Der »Oberste Führer« des Iran ist seit seiner Wahl nicht öffentlich aufgetreten. Ist er noch am Leben?

von Sabine Brandes  04.04.2026

Beirut

Israel: Hochrangiger Hisbollah-Kommandeur getötet

Im Krieg zwischen Israel und der libanesischen Terrororganisation ist keine Deeskalation in Sicht. In der Nacht trifft ein heftiger israelischer Angriff erneut Ziele in Beirut

 01.04.2026