Diplomatie

Kein US-Visum für extremistische jüdische Siedler

Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS

Keine Einreise für Gewalttäter: Die USA wollen extremistische jüdische Siedler, die in die jüngsten Angriffe auf Palästinenser im Westjordanland verwickelt sind, auf eine schwarze Liste setzen. Ebenso sollen Palästinenser, die an Angriffen auf Israelis beteiligt sind, kein Visum erhalten. US-Außenminister Antony Blinken kündigte diesen Schritt am Dienstag an, nachdem er Israel in der vergangenen Woche gewarnt hatte, dass das Weiße Haus angesichts der ansteigenden Gewalt in der Gegend Maßnahmen ergreifen werde.

»Heute führt das Außenministerium eine neue Richtlinie für die Visumbeschränkung ein, die sich an Personen richtet, von denen angenommen wird, dass sie an der Untergrabung von Frieden, Sicherheit oder Stabilität im Westjordanland beteiligt waren«, so Blinken. Der Außenminister führte aus, dass die USA »der israelischen Regierung klargemacht haben, sie müsse mehr tun, um Siedler zur Rechenschaft zu ziehen, die im Westjordanland gewalttätige Angriffe auf Palästinenser verübt haben.

Biden kündigte Visumverbot in einem Artikel an

Wie Präsident Biden wiederholt gesagt habe, seien diese Angriffe inakzeptabel. Die Idee eines Visumverbots wurde im vergangenen Monat erstmals in einem von Biden verfassten Leitartikel in der «Washington Post» angekündigt.

«Sowohl Israel als auch die Palästinensische Autonomiebehörde haben die Verantwortung, die Stabilität im Westjordanland aufrechtzuerhalten.»

us-aussenminister antony blinken

Blinken unterstrich: «Sowohl Israel als auch die Palästinensische Autonomiebehörde haben die Verantwortung, die Stabilität im Westjordanland aufrechtzuerhalten.» Er erläuterte nicht, welche Kriterien zur Feststellung eines solchen Verbots herangezogen würden und ob eine Anklage oder Verurteilung dafür notwendig wäre.

Die Namen derjenigen, denen die Einreise in die Vereinigten Staaten verwehrt wird, werden nicht veröffentlicht, hieß es aus dem Außenministerium. Die Ungewissheit werde als Taktik zur Abschreckung benutzt, damit sich kein Gewalttäter in Sicherheit wiegen kann, weil sein Namen nicht auf der Liste sieht.

Für betroffene Israelis bedeutet dies wahrscheinlich, dass sie erst wenige Tage vor ihrer geplanten Reise in die USA über das gegen sie verhängte Einreiseverbot informiert werden, da sie jetzt eigentlich kein Visum mehr bei der Botschaft im Vorfeld beantragen müssen. Denn der Schritt am Dienstag erfolgt nur einen Monat, nachdem Israel dem US-amerikanischen «Visa Waiver Program» beigetreten ist, das seinen Bürgern eine visumfreie Einreise in die USA ermöglicht. Sollte eine betreffende Person noch über ein aktuelles US-Visum verfügen, werde es entzogen.

Wahrheit werde ans Licht kommen

Schlomo Ne’eman, Vorsitzender der Dachorganisation für Siedlungen, der sogenannte Jescha-Rat, kritisierte die USA für die Entscheidung. Seiner Meinung nach würden diese «versuchen, eine Gleichsetzung zwischen israelischer und palästinensischer Gewalt herzustellen». Die Wahrheit werde ans Licht kommen, behauptete er, «dass es kein Phänomen der ‚Siedlergewalt‘ gibt und es nie gegeben hat».

Auf die Entscheidung Washingtons angesprochen, sagte Verteidigungsminister Yoav Gallant in einer Pressekonferenz am Dienstagabend, dass Israel eine Nation mit Gesetzen sei und niemand außerhalb der Sicherheitskräfte das Recht habe, irgendeine Form von Gewalt anzuwenden. «Es gibt Extremisten. Wir können uns nicht wie unsere Feinde verhalten, die uns vertreiben und töten wollen.» Allerdings brauche man «keine anderen, die uns das erklären».

Terror

Netanjahu würdigt angegriffenen Piloten: »Ein wahrer Held«

Die israelischen Fluggäste von Dubai nach Tel Aviv sind nur knapp einer Katastrophe entronnen. Israel spricht von einem versuchten Terroranschlag. Nun werden immer mehr Details darüber bekannt, was sich im Cockpit abspielte

 01.10.2026

Terror

Was an Bord des Flydubai-Flugs nach Tel Aviv wirklich passierte

Ein Überblick

 30.09.2026

Flug FZ1073

So reagiert Wadephul auf den versuchten Terroranschlag

»Ich bin zutiefst erleichtert darüber, dass die versuchte Entführung und womöglich noch weit Schlimmeres verhindert werden konnte«, sagt der Bundesaußenminister

 30.09.2026

Israel

»Wir haben die Terroristen überwältigt«

Es sind Szenen wie im Thriller, die sich in einem Flydubai-Flug abspielen. Passagiere berichten von Blut im Cockpit – und Panik in der Kabine

 30.09.2026

Hamas-Massaker

Wurde Netanjahu vor dem 7. Oktober gleich dreimal gewarnt?

Berichte aus Ägypten und den Emiraten schildern mehrere Warnungen vor dem Angriff aus Gaza. Der israelische Premier bestreitet dies kategorisch

von Sabine Brandes  30.09.2026

Jerusalem

Eklat wegen Aussagen von Ministerin: Israel bestellt spanische Diplomatin ein

Spaniens Jugendministerin Sira Rego von der Linkspartei hatte erklärt, die spanische Gesellschaft unterstütze einen palästinensischen Staat »vom Fluss bis zum Meer«. Jetzt protestierte Israel gegen die Aussagen

 30.09.2026

Tel Aviv

Festnahme eines Hamas-Funktionärs verschaffte Israel entscheidende Informationen über Terrorziele

Mu’in al-Arabid, ein ranghoher Hamas-Terrorist wurde am 2. September gefangen genommen. Seither sind mehrere Terror-Kommandeure getötet worden

 30.09.2026

Grenzübergang Taba/Eilat zwischen Ägypten und Israel

Mysteriöser Fall

Drei Israelis in Ägypten verschollen

Die jungen beduinischen Männer seien zum Urlaub ins Nachbarland gereist und dort angeblich aus Gründen der »inneren Sicherheit« festgenommen worden

von Sabine Brandes  29.09.2026

Die Chefs der Oppositionsparteien

Tel Aviv

Israels Opposition schließt Pakt

Eisenkot, Bennett, Lapid, Lieberman und Golan wollen während des Wahlkampfs auf gegenseitige Angriffe verzichten und planen eine »zionistische staatsmännische Regierung«

von Sabine Brandes  29.09.2026