Maccabiah

Kein Heimspiel

Die 19. Maccabiah ist seit vergangenem Donnerstag in vollem Gange. Ob bei Benjamin Netanjahus Ansprache während der Eröffnungszeremonie in Jerusalem oder den Begrüßungsreden der anderen Sprecher, die allseitige Freude über die Wiedervereinigung der jüdischen »Mischpacha« im Teddy‐Stadion ist immer wieder klar und deutlich aus aller Munde zu hören.

»Higher! Faster! Stronger! Sound Jewish Minds in Healthy Jewish Bodies« – schreit auch der Slogan auf der Maccabiah‐Website. Und tatsächlich scheint das Konzept der »Jüdischen Olympiade« erfolgreich aufzugehen: Noch nie haben sich so viele internationale Athleten an den Sportfestspielen beteiligt. Rund 9000 Amateur‐ und Leistungssportler aus fast 80 Ländern – darunter mehr als 200 Deutsche – und 21 neue Teilnehmerstaaten. Es ist klar: Der Startschuss zur diesjährigen Maccabiah war laut, deutlich und wurde überall vernommen. Doch hier in Israel ist die Nachricht vom wichtigsten jüdischen Sportereignis nicht bei allen angekommen.

Zufall »Ich habe es nur zufällig mitbekommen, da ich direkt neben dem Teddy‐Stadion arbeite«, sagt Shai Genish, der angibt, sich sonst immer für Sport‐ und Kulturevents zu interessieren. »Ich habe erst gerade eben erfahren, dass die Maccabiah vor Kurzem angefangen hat«, gesteht auch Liat Cohen, 24. »Wir Israelis wissen nicht so viel darüber.«

»Ich weiß auch nie, wie oft und wann das stattfindet. Ich kenne diesen Wettbewerb leider vorwiegend im Zusammenhang mit der Katastrophe von 1997«, gibt auch Roman Zovits zu. Damals waren australische Sportler von einer einstürzenden Fußgängerbrücke in den Jarkon‐Fluss gestürzt. Der 28‐Jährige aus Holon ist der Ansicht, es liege an den vielen aufregenden internationalen Sportevents, dass die Maccabiah in der israelischen Berichterstattung viel zu kurz kommt.

Nach diversen ähnlichen Gesprächen mit einheimischen Freunden und Passanten auf israelischen Straßen wird das Diaspora‐produzierte feierliche Bild der Jüdischen Olympiade in wenigen Stunden erheblich getrübt. Trotz der aufwendigen Zeremonien, der 20.000 erwarteten Touristen und der fast stündlichen Ergebnis‐Updates auf internationalen jüdischen Webseiten scheint das jüdische Sportevent schlechthin viele Israelis kaum zu interessieren. Denn die Welt der Diaspora ist ihnen oft nicht so nahe.

Diaspora »Ich habe erst während meines Auslandsstudiums in Kanada verstanden, was die Maccabiah eigentlich ist«, berichtet Matan Levanon. Der 33‐jährige Accountmanager aus Herzliya erklärt, dass die Sportveranstaltung in der Diaspora, »wo die Leute einen viel stärkeren Drang nach einer jüdischen Community verspüren«, eine zusätzliche Verbindung zu Israel schaffen. »Die Israelis interessieren sich überhaupt nicht dafür. Ich habe mich dieses Jahr nur damit beschäftigt, weil ein Freund von mir im US‐Basketballteam mitspielen wird. Als ich dann online nach Infos dazu gesucht habe, hat nicht einmal die offizielle Website funktioniert, und ich konnte weder die genauen Daten der anstehenden Spiele noch Tickets für die Eröffnungsfeier finden.«

Im Ausland sind die Makkabi‐Wettspiele etwas Außergewöhnliches, da die meisten Sportler jüdisch sind. In Israel ist das wiederum nichts Besonderes, weshalb der Wettbewerb als zweitrangiges Medienereignis behandelt wird.

Zusammenkunft »Die Spiele kommen nicht im Fernsehen oder im Radio. Man erhält nur am Ende des Tages eine allgemeine Zusammenfassung aller Ergebnisse. Ich habe auch erst in diesem Jahr zum ersten Mal ein bisschen Fernsehwerbung und ein paar Plakate dazu gesehen«, erinnert sich der Projektmanager Eliezer Weiss. »Ich wünsche mir aber mehr Berichterstattung, denn für mich wird die Maccabiah immer eine ganz besondere Bedeutung haben. Ich bin vor 20 Jahren als zehnjähriger Junge mit meinem Vater bei der Eröffnungszeremonie in Ramat Gan gewesen.«

Auch Shai Tirosh, der 36‐jährige Mitbegründer von »ConnectTLV«, einem Netzwerk für Neueinwanderer, kann das Desinteresse an den Spielen nicht nachvollziehen: »Viele wissen nicht, dass die Maccabiah zu den größten Sportevents auf der Welt gehört: Auf jeden Sportler, der mitmacht, kommen noch weitere fünf bis zehn Leute wie Organisatoren, Freunde, Familie und so weiter.

Es stimmt, dass die Israelis das Ganze nicht so sehr mitverfolgen, aber sie freuen sich total, wenn sie Maccabiah‐Leute auf der Straße sehen. Viele Hotels, Restaurants und vor allem Clubs in Tel Aviv reißen sich um die Maccabiah‐Touristen und bieten Themeparties, Discounts und andere Besonderheiten an.« An diesem Freitag organisiert Tirosh eine große Maccabiah‐Strandparty in Tel Aviv.

An der nimmt womöglich auch die 28‐jährige Noa Klerman aus Beer Sheva teil. »Die Maccabiah hat etwas sehr Schönes an sich, und ich finde, wir Israelis sollten mehr einbezogen werden«, sagt sie und fügt schmunzelnd hinzu: »Ich könnte mir schon vorstellen, etwas aktiver zu sein, denn schließlich ist es etwas ganz Besonderes, wenn sich die bestaussehenden Juden aus der ganzen Welt für zwei Wochen in Israel versammeln.«

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