Gedenken

Johan Cruyffs jüdische Verwandtschaft

Johan Cruyff hat Israel besucht. Der frühere Weltklassefußballer und -trainer aus den Niederlanden schaute bei Sohn Jordi vorbei, der seit vergangenem Sommer als Sportdirektor bei Maccabi Tel Aviv arbeitet. Der Club ist neuer israelischer Fußballmeister. Grund genug, seinem Sohn persönlich zu gratulieren.

Doch Johan Cruyff nutzte seine Visite im Heiligen Land auch, um Yad Vashem zu besuchen. Er wollte so drei jüdische Verwandte ehren, die von den Nazis umgebracht wurden.

Alija Dass Cruyff vielen Fußballfans fälschlicherweise als jüdisch gilt, hängt damit zusammen, dass er in der Tat einige jüdische Familienmitglieder hat. Seine Schwägerin etwa heiratete einen Juden, und ihr Sohn, Pascal Shlomo Pop, konvertierte zum Judentum. Zunächst nahm Pop als guter Sportler an der Makkabiade teil und gewann in den Karate-Wettbewerben sogar eine Medaille. Später machte er Alija, studierte an einer Jeschiwa in Jerusalem und wurde zum orthodoxen Rabbiner ordiniert. Gleichzeitig arbeitet Pop gemeinsam mit Cruyffs Tochter Chantal im Management von Johan Cruyff.

Pop hatte Cruyff auch geraten, dass es an der Zeit sei, seiner in der Schoa ermordeten Verwandten zu gedenken. Zum israelischen Onlinedienst Ynet News sagte Pop: »Die Schwester von Johans Mutter hatte einen Juden geheiratet, Jonas de Metz. Der hatte drei Schwestern, die von den Nazis während des Zweiten Weltkrieges getötet wurden.« Die Gedenkstätte Yad Vashem hatte diese drei Frauen bislang nicht in ihren Unterlagen verzeichnet. Nun überbrachten Johan Cruyff und Pascal Shlomo Pop gemeinsam die Dokumente der drei Frauen: Judith und Regina waren 44 Jahre alt, Rozette 42 Jahre, als sie ermordet wurden.

Aufmerksamkeit
Cruyffs Besuch wurde von der israelischen Öffentlichkeit mit großer Aufmerksamkeit verfolgt. Das liegt zum einen daran, dass Cruyff als großer Freund Israels gilt. Der Club, bei dem seine fußballerische Karriere begann, Ajax Amsterdam, gilt in den Niederlanden als jüdischer Verein. Und der FC Barcelona, bei dem er seine Weltkarriere fortsetzte und später legendär als Trainer wirkte, stand im Widerstand zum faschistischen Franco-Regime in Spanien.

Zudem war der Umstand, dass Cruyff Verwandte hatte, die während der Schoa ermordet wurden, bislang kaum bekannt. Mitchell Goldhar, der Besitzer von Maccabi Tel Aviv und selbst Sohn einer Schoa-Überlebenden, sagte zur Tageszeitung Yedioth Ahronoth: »Johan hat uns sehr überrascht, als er uns seine besondere Beziehung zum Holocaust mitgeteilt hat.« Er sei bei der Zeremonie in Yad Vashem sehr aufgeregt gewesen. »Auch wir waren sehr bewegt.«

Gazastreifen

Hamas gräbt »unter der Nase der IDF« nach letzter Geisel

Die Öffnung des Grenzübergangs Rafah ist an die Rückführung der Leiche von Ran Gvili geknüpft

von Sabine Brandes  07.01.2026

Wirtschaft

Israel-Tourismus erholt sich langsam

Zwar ist die Branche noch weit vom Rekordjahr 2019 entfernt, doch in 2025 tourten 1,3 Millionen Besucher durchs Land

von Sabine Brandes  07.01.2026

Diplomatie

Gideon Sa’ar besucht Somaliland

Vor Ort bezeichnete der israelische Außenminister die Entscheidung seines Landes, Somaliland anzuerkennen, als »moralisch richtig«

 07.01.2026

Dialog

Israel und Syrien vereinbaren Kommunikationskanal unter US-Vermittlung

Mit US-Unterstützung nehmen Israel und Syrien ihren Dialog wieder auf. Ein neuer Kommunikationsmechanismus soll künftig Streit zwischen den beiden verfeindeten Ländern verhindern

 07.01.2026

Jerusalem

Massenprotest gegen Wehrpflicht - Bus überrollt Menschen

Bei einem Protest Ultraorthodoxer gegen den Militärdienst in Jerusalem wurden mehrere Menschen von einem Bus erfasst. Die Polizei spricht von »gewalttätigen Unruhen«

 07.01.2026

Be'eri

Nach dem 7. Oktober

Daniel Neumann hat den Kibbuz Be’eri besucht und fragt sich, wie es nach all dem Hass und Horror weitergehen kann. Er weiß, wenn überhaupt, dann nur in Israel

von Daniel Neumann  06.01.2026

Wissenschaft

Israels Forscher erzielen Erfolg in Alzheimerforschung

Ausgerechnet ein zelluläres »Entsorgungssystem«, das eigentlich schädliche Proteine beseitigen soll, könnte zur Weiterverbreitung der Krankheit beitragen

 06.01.2026

Sexualisierte Gewalt

Romi Gonen: »Der Hamas-Chef schlug mir einen Deal vor«

Die ehemalige Geisel der Terrororganisation berichtet in Teil zwei ihres Interviews, was nach den Übergriffen geschah

von Sabine Brandes  06.01.2026

Jerusalem

Netanjahu attackiert Opposition in hitzigem Knesset-Duell

Die Aufklärung des 7. Oktobers, die Wehrpflicht für Ultraorthodoxe und »Katargate« wurden auf Druck der Opposition im israelischen Parlament diskutiert

 06.01.2026