Nach einer Äußerung von US-Präsident Donald Trump über das Raketenabwehrsystem Iron Dome ist in Israel eine Debatte über Urheberschaft und Finanzierung des Systems entbrannt. Trump hatte beim Weltwirtschaftsforum in Davos erklärt: »Bibi, hör auf, dir die Lorbeeren für den Dome zu holen. Das ist unsere Technologie, das ist unser Zeug.« Gemeint war Ministerpräsident Netanjahu.
Wie die »Jerusalem Post« berichtet, stieß Trumps Aussage in Israel auf erhebliches Erstaunen. Der Iron Dome gilt seit Jahren als eines der erfolgreichsten Luftabwehrsysteme der Welt und als technologisches Vorzeigeprojekt der israelischen Rüstungsindustrie. Fachleute widersprechen der Darstellung, es handle sich um eine amerikanische Entwicklung.
Die Entscheidung für Iron Dome fiel dem Bericht zufolge bereits 2005 im israelischen Verteidigungsministerium. Unter Leitung von Brigadegeneral Danny Gold wurde das Projekt gestartet und später von Verteidigungsminister Amir Peretz zur höchsten Priorität erklärt. Ministerpräsident Ehud Olmert hatte damals betont: »Wir können die Umsetzung nicht einmal um einen einzigen Tag verzögern.« 2009 wurde das System an die israelischen Streitkräfte übergeben, 2011 erfolgte der erste erfolgreiche operative Einsatz.
Keine technologische Grundlage
Die technische Entwicklung lag vollständig bei israelischen Unternehmen. Der Rüstungskonzern Rafael entwickelte Abfangraketen und Startsysteme, das Radar stammt von Elta (Israel Aerospace Industries), das Kommando- und Kontrollsystem von mPrest Systems. »Ohne jede Ausnahme wurde Iron Dome mit israelischem Geld entwickelt, und die Technologie ist vollständig israelisch«, sagte der frühere Rafael-Manager Yossi Druker laut »Jerusalem Post«.
Die USA seien erst in einer späteren Phase eingebunden worden – vor allem finanziell. Amerikanische Experten hätten das Projekt zwar begutachtet, jedoch keine technologische Grundlage geliefert. »Wir haben das System in drei Jahren entwickelt – in den USA hätte das mindestens 15 Jahre gedauert«, wird Druker zitiert.
Auch der Sicherheitsforscher Yehoshua Kalisky vom Institut für Nationale Sicherheitsstudien in Tel Aviv weist Trumps Darstellung zurück. Die entscheidende Systemintegration sei eine israelische Leistung gewesen. Iron Dome sei daher »per Definition eine israelische Entwicklung«, sagte Kalisky laut Bericht.
Umfangreicher finanzieller Beitrag
Unbestritten ist jedoch der umfangreiche finanzielle Beitrag der Vereinigten Staaten. Seit der Einsatzfähigkeit von Iron Dome im Jahr 2011 stellt Washington Milliardenbeträge zur Verfügung. Bis 2014 belief sich die US-Unterstützung auf rund eine Milliarde Dollar. Allein 2022 wurden weitere eine Milliarde Dollar bewilligt, 2024 – im Zuge des Krieges – sogar rund vier Milliarden Dollar für Iron Dome, David’s Sling und entsprechende Abfangmunition.
Ein Teil der Abfangraketen wird inzwischen in den USA produziert, unter anderem mit Beteiligung des Rüstungskonzerns Raytheon. Dies ist Bestandteil der bilateralen Militärhilfeabkommen. Fachleute sprechen daher von einer klaren Arbeitsteilung: Israel liefert Technologie und operative Erfahrung, die USA finanzieren einen Großteil der Produktion. im