Fussball

»Israels Hauptstadt heißt Jerusalem«

Israels Kulturministeriin Miri Regev bei der Pressekonferenz am Mittwoch zur Absage des Länderspiels in Jerusalem Foto: Flash 90

Nach der großen Enttäuschung der Fußballfans in Israel wegen der Absage des ausverkauften Länderspiels gegen Argentinien an diesem Samstagabend haben sich Regierungschef Benjamin Netanjahu und Kulturministerin Miri Regev (beide Likud) gegenseitig für die Entscheidung verantwortlich gemacht, das Spiel von Haifa nach Jerusalem zu verlegen.

Unterdessen sagte Regev am Donnerstagmorgen im israelischen Rundfunksender »Kan«, sie werde ihrer Regierung empfehlen, dass sich Israel von der Ausrichtung des Eurovision Song Contest 2019 zurückziehen solle, falls dieser nicht in Jerusalem stattfinde. »Der Staat Israel hat eine Hauptstadt, sie heißt Jerusalem, und wir sollten uns dafür nicht schämen«, erklärte Regev.

Kollek-Stadion
Zuvor hatte die argentinische Fußball-Nationalmannschaft ihr Test-Länderspiel gegen Israel nach palästinensischen Drohungen gegen Nationalspieler Lionel Messi abgesagt. Der palästinensische Fußballverband behauptete, die Ansetzung im Jerusalemer Teddy-Kollek-Stadion diene als »Mittel zur Normalisierung der illegalen Annexion des besetzten Ost-Jerusalem«. Das Stadion liegt allerdings im Westteil der Stadt.

Bei einer Pressekonferenz am Mittwoch betonte Regev, das Spiel sei ausschließlich wegen der Drohungen gegen Messi und seine Teamkollegen abgesagt worden – und nicht wegen der Entscheidung, das Spiel nach Jerusalem zu verlegen. Der Chef des palästinensischen Fußballverbandes, Dschibril Radschub, hatte Fußballfans dazu aufgefordert, Messi-T-Shirts und Messi-Trikots zu verbrennen.

Netanjahu Netanjahu sagte am Mittwoch nach seinem Treffen mit der britischen Premierministerin Theresa May in London laut der Nachrichtenseite »ynet«, die Entscheidung, das Spiel von Haifa nach Jerusalem zu verlegen, sei nicht seine gewesen: »Ich habe niemand darauf angesprochen oder darum gebeten, dass das Spiel nach Jerusalem verlegt wird. Ich weiß nicht, welcher Druck ausgeübt wurde.« Es sei vielmehr seine Parteikollegin Miri Regev gewesen, die »darum gebeten, aber nicht gefordert hat, das Spiel nach Israel zu verlegen«.

Regev wiederum äußerte sich im israelischen TV-Sender Channel 2: »Der Ministerpräsident ist derjenige, der vor drei Monaten einen Brief an den (argentinischen Präsidenten Mauricio) Macri geschrieben hat, und er ist auch derjenige, der gestern mit Macri gesprochen und ihm erklärt hat, wie wichtig es ist, dass das Spiel in Jerusalem stattfindet«, sagte die Kulturministerin.

Todesdrohungen »Aus einem einzigen Grund wurde das Spiel abgesagt – wegen der Todesdrohungen gegen Messi und seine Familie«, unterstrich Regev. Es handele sich um »alt-neuen Terrorismus, der Sportler einschüchtert, abschreckt und terrorisiert. Das ist derselbe Terrorismus, der das Massaker von München 1972 erzeugt hat«. Es gebe »keine größere Lüge« als zu behaupten, dass der Wunsch, das Spiel von Haifa nach Jerusalem zu verlegen, zu der Absage des Länderspiels geführt habe.

Der argentinische Außenminister Jorge Faurie twitterte, das Level der Drohungen gegen die Fußballer seines Landes habe noch »das überstiegen, was ISIS (die Terrormiliz Islamischer Staat) in der Vergangenheit gegen Messi« angeführt habe. Der Chef des argentinischen Fußballverbandes betonte, die Entscheidung zur Absage sei im Sinne der physischen Sicherheit des Teams gefallen.

Der World Jewish Congress (WJC) äußerte Besorgnis über die Absage des Freundschaftsspiels. Drohungen gegen argentinische Spieler und ihre Familien seien »eine Angelegenheit, mit der wir sofort und ernsthaft umgehen müssen. Politik hat keinen Platz auf dem Fußballfeld, und Terror hat keinen Platz in unserer Gesellschaft«, unterstrich der WJC. ag

Gesellschaft

Erste Frau in IDF-Eliteeinheit Sayeret Matkal

Seit 2024 dürfen auch Frauen in die geheimnisvolle Einheit aufgenommen werden. Nun hat erstmals eine Israelin die harte Aufnahmeprüfung bestanden

von Sabine Brandes  11.06.2026

Jerusalem

Bericht: Regierung will Hunderte Millionen für 61 Siedlungen bereitstellen

Nach Informationen des Journalisten Barak Ravid will das Kabinett noch heute über einen Plan abstimmen, der die praktische Umsetzung vder Projekte im Westjordanland ermöglichen würde

 11.06.2026

Meeressäuger

Pottwale vor der Küste Ashdods gesichtet

Der Fund gelingt einem Wisschenschaftlerteam, kurz bevor es seine Forschungsfahrt wegen iranischer Angriffe abbrechen muss

 11.06.2026

Berlin

Dieter Nuhr erhält den Leo-Baeck-Preis

Der Kabarettist ist mit dem Leo-Baeck-Preis ausgezeichnet worden. Zentralratspräsident Josef Schuster würdigte den Kabarettisten für seinen entschiedenen Einsatz gegen Antisemitismus

von Detlef David Kauschke  10.06.2026

Leo-Baeck-Preis

»Seine Arbeit hat rettende Relevanz«

Ahmad Mansour lobte in seiner Laudatio auf Dieter Nuhr den Mut und die intellektuelle Unbestechlichkeit des Kabarettisten. Eine Dokumentation

von Ahmad Mansour  10.06.2026

Rede

»Sie beweisen Zivilcourage und folgen mit ihrem Mut dem Beispiel von Leo Baeck«

Zentralratspräsident Schuster hob bei der Vergabe des Leo-Baeck-Preises Dieter Nuhrs ebenso fairen wie kompetenten Blick auf den jüdischen Staat hervor

von Josef Schuster  10.06.2026

Berlin

»Ich bin stolz! Sehr stolz«

Dieter Nuhr ist mit dem Leo-Baeck-Preis des Zentralrats der Juden geehrt worden. Wir dokumentieren hier exklusiv seine Rede im Wortlaut

von Dieter Nuhr  10.06.2026

Nahost

Sexuelles Fehlverhalten

Strafgerichts-Chefankläger Karim Khan wurde suspendiert

von Sabine Brandes  10.06.2026

Iran

Angeblicher Israel-Spion: Mullahs beschlagnahmen Vermögen von Fußballheld Karimi

Der frühere Kapitän der Nationalmannschaft lebt im Exil in den USA und gehört zu den bekanntesten Kritikern des Regimes

von Sabine Brandes  10.06.2026