Literatur

Israel-Preis in Gefahr

Benjamin Netanjahu legte ein Veto gegen zwei Professoren ein. Foto: Flash90

Die renommierteste Auszeichnung des Landes, der Israel-Preis für Literatur, läuft Gefahr, in diesem Jahr nicht verliehen zu werden. Grund ist der Rücktritt des gesamten Juroren-Panels. Die Mitglieder hatten sich zu diesem drastischen Schritt entschlossen, nachdem sich Ministerpräsident Benjamin Netanjahu in die Besetzung des Gremiums eingemischt hatte.

Der Israel-Preis wird bereits seit mehr als 60 Jahren für besondere Leistungen in verschiedenen Bereichen verliehen. Noch nie mischte sich eine Regierung in das Auswahlverfahren der Juroren ein. Bis jetzt. Netanjahu legte ein Veto gegen zwei Professoren ein, die als Preisrichter im Bereich Literatur dienen sollten: Avner Holtzman und Ariel Hirschfeld. Woraufhin die fünf verbleibenden Mitglieder des Gremiums kollektiv ihren Hut nahmen.

Sabotage Sie wollten damit »gegen die eindeutige Politisierung des Preises demonstrieren«, sagte einer der zurückgetretenen Literaturexperten, Nissim Calderon. Darüber hinaus zog der Anwärter für den Preis im Bereich Literaturrecherche, Yigal Schwartz, Professor an der Ben-Gurion-Universität, seine Kandidatur zurück. »Es ist ein unvergleichlicher Skandal«, schimpfte er im Armeeradio. »Dies ist kein Fehler, sondern ein weiterer Schritt in Netanjahus absichtlicher Politik, die Elite Israels zu unterlaufen, um Stimmen von anderen Gruppen zu erhalten. Es ist eine Sabotage, gegen die man aufbegehren muss.« Er forderte andere auf, ihre Kandidatur ebenfalls zurückzuziehen.

Kurz darauf wurde bekannt, dass der Premier auch Chaim Scharir als Juror im Bereich Film ablehnte. Auch hier kam es aus Protest zu einem Rücktritt.

Radikale Die Opposition hat derweil den staatlichen Kontrolleur angerufen, um den Fall auf Manipulation zu untersuchen. Nach Meinung von Isaac Herzog und Zipi Livni liegt in Netanjahus Intervention eine unrechtmäßige Einmischung in das Auswahlgremium vor. Das Büro des Kontrolleurs gab an, den Vorfall prüfen zu wollen.

Verschiedenen Medienberichten zufolge hatte das Bildungsministerium das Büro des Regierungschefs zuvor gewarnt, einen derartigen Schritt zu unterlassen, da es so gut wie unmöglich sei, einen Ersatz für die Juroren zu finden und der Preis somit nicht verliehen werden kann. »Denn die Größen der Literatur werden das Gremium nun meiden.«

Der Regierungschef jedoch verteidigte seine Entscheidung auf Facebook: »Mit den Jahren haben immer mehr Radikale, darunter auch Antizionisten, Einzug in das Gremium gehalten. Stattdessen gibt es zu wenig authentische Repräsentanten anderer Teile der Nation.« Hirschfeld, einer der Betroffenen von Netanjahus Einmischung, konterte: »Diese Botschaft ist eine Beleidung des Zionismus und zeugt von Hass auf die literarische Welt.«

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