Aus Sicherheitsgründen hatte die Europäische Rabbinerkonferenz (CER) ihre für November in Baku, der Hauptstadt Aserbaidschans, geplante 33. Generalversammlung kurzfristig abgesagt. Diese Woche nun wird sie in Jerusalem nachgeholt.
Von Montag bis Mittwoch werden dort rund 400 Rabbiner und deren Ehefrauen, religiöse Führungspersönlichkeiten, Vertreter jüdischer Gemeinden sowie politische Repräsentanten aus Europa, Israel und den USA erwartet, wie die seit 2023 in München ansässige Rabbinerkonferenz mitteilte. In diesem Jahr begeht die CER ihr 70-jähriges Bestehen.
Die Generalversammlung diene als zentrale Plattform für den Austausch über die drängendsten Herausforderungen jüdischen Lebens in Europa und weltweit, hieß es. Im Mittelpunkt stünden vor allem die Bekämpfung des zunehmenden Antisemitismus, die Sicherheit jüdischer Gemeinden und die Stärkung des interreligiösen Dialogs. Teile der Tagung sind an der Klagemauer geplant.
Treffen mit Isaac Herzog
Am Montagvormittag traf sich die CER-Spitze bereits mit Israels Staatspräsident Isaac Herzog zu einem Meinungsaustausch. Am Nachmittag beginnt dann das offizielle Programm in der »Hall behind the Wall« an der Klagemauer. Als Gastredner werden unter anderen Israels Kulturminister Amichai Eliyahu, die beiden israelischen Oberrabbiner David Yosef und Kalman Meir Bar und der ehemalige Vizepräsident der EU-Kommission, Margaritis Schinas, erwartet.
Auch aus Deutschland nehmen zahlreiche Rabbiner an der Tagung teil. Ebenso in Jerusalem erwartet wird Bischof Thomas Schirrmacher, der Präsident des Internationalen Rates der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte. Auch Vertreter anderer Religionsgemeinschaften in Israel nehmen an der Generalversammlung teil.

»Wir leben in einer Zeit tiefgreifender politischer, gesellschaftlicher und religiöser Unsicherheiten. Israel nimmt dabei eine zentrale Rolle für Jüdinnen und Juden weltweit ein, nicht nur als historische und spirituelle Heimat, sondern auch als Schutzmacht für die Werte, die unsere Gemeinschaften tragen: Freiheit, Sicherheit und Identität«, erklärte CER-Präsident Pinchas Goldschmidt.
Wegen »konkreter Bedrohungen durch das Terrorregime im Iran« habe sich die CER gezwungen gesehen, ihre für November in Baku geplante Generalversammlung zu verlegen, erklärte Goldschmidt. Er sprach von brutaler Repression, die sich im Iran gegen eine Bevölkerung richte, die nichts anderes als grundlegende Menschenrechte und Würde fordere. Die Rabbiner forderten Staaten auf, alles in ihrer Macht Stehende zu tun, »um die unterdrückte iranische Bevölkerung zu unterstützen und diesem blutigen Regime ein Ende zu setzen«. Dieses missbrauche und entweihe den Namen Gottes.
Mit Blick auf Europa nannte Goldschmidt wachsende Herausforderungen für jüdisches Leben: »Angesichts des besorgniserregenden Erstarkens rechtsextremer Parteien in Europa, des zunehmenden Antisemitismus vonseiten der extremen Linken sowie islamistischer Extremisten erweist sich Israel als unverzichtbarer Bezugspunkt für unseren Zusammenhalt.«
Die CER vertritt nach eigenen Angaben rund 1000 Mitglieder und 800 aktive Rabbiner. Sie wurde 1956 in Großbritannien gegründet. CER-Präsident ist der ehemalige Oberrabbiner von Moskau, Pinchas Goldschmidt, der 2024 auch Träger des Aachener Karlspreises war.
Die CER tritt für die religiösen Rechte von Jüdinnen und Juden in Europa ein. Sie engagiert sich für Religionsfreiheit und den interreligiösen Dialog. Das Ziel ist demnach, einer Radikalisierung in Politik und Gesellschaft entgegenzutreten, Antisemitismus und politisch sowie religiös motivierten Extremismus besser zu bekämpfen und die Sicherheit der Religionsgemeinschaften zu erhöhen. kna/mth