Wirtschaft

Investitionen aus Fernost

Himmel voller Sterne: israelisch-chinesische Wirtschaftspartnerschaft Foto: Getty Images / istock

Von wegen Handelskrieg! Während sich die Amerikaner mit den Chinesen eine erbitterte Auseinandersetzung um die wirtschaftliche Vormachtstellung in der Welt liefern, setzen viele israelische Firmen auf besonders starke Verbindungen mit dem Reich der Mitte. Eine Delegation von etwa 100 Vertretern verschiedener Unternehmen reiste vor einigen Tagen aus Israel nach China, um die Beziehungen noch enger zu zurren.

Es geht um Geld. Die Vertreter der israelischen Firmen, viele von ihnen Start-ups, waren in die Finanzhauptstadt Jinan gereist, um an einer gemeinschaftlichen Konferenz teilzunehmen. Dort sind sie vor allem auf der Suche nach Investoren, die in der Lage und willens sind, Geld in ihre Ideen oder aufstrebenden Unternehmen zu stecken.

einfluss Die generelle Stimmung gegenüber dem wirtschaftlichen Einfluss des Riesenreiches in der Welt deutet derzeit eher weniger auf eine regelrechte Einladung an China hin, im Land zu investieren. Die Sorgen um Handelsdefizite, Wirtschaftsspionage, Diebstahl von geistigem Eigentum sowie Chinas globale Ambitionen weiteten sich in den vergangenen Monaten in westlichen Ländern immer weiter aus. Dennoch sind viele Unternehmer aus Israel offenbar bereit, das Risiko einzugehen. Sie empfangen die Chinesen mit offenen Armen.

Eine Delegation von 100 Geschäftsleuten reiste kürzlich nach China.

Nach Angaben der Organisatoren trafen die rund 100 Israelis auf mehr als 1000 chinesische Investoren. Die meisten Firmen stammen aus den Bereichen Grüne und Wassertechnologie, Landwirtschaft, Gesundheitswesen und Ähnlichem. Das Angebot ist da, das Interesse auch – es wartet ein riesengroßer vielversprechender Markt im Reich der Mitte. Gleichzeitig sind die Dinge derzeit nicht so simpel.

KÄLTE Denn dass zwischen den Regierungen der USA und China eisige Kälte in den Wirtschaftsbeziehungen herrscht, hat auch Auswirkungen auf den kleinen Nahoststaat. Die Vereinigten Staaten sind der engste und wichtigste Verbündete Israels, auch in wirtschaftlicher Hinsicht. Viele Experten sind sicher, dass es für israelische Unternehmen, besonders jene in der Hightech-Branche, negative Folgen haben könnte, wenn sie Investitionen aus China erhalten.

Der Leiter der Abteilung für Asien-Pazifik innerhalb der israelischen Investitionsbehörde, Avi Luwton, ist sicher, dass diese Tatsache den einheimischen Geschäftsleuten bewusst ist. »Es gibt Sensibilität in diesem Zusammenhang. Denn der Widerhall dieser Politik ist der, dass israelische Firmen, die Verbindungen in die USA haben, diese nicht durch ein Joint-Venture mit Chinesen riskieren wollen.«

Allerdings wisse er von keinem Unternehmen, das wegen des Handelskrieges China gänzlich umgehen würde. Beim Thema des geistigen Eigentums rät Luwton zum »gesunden Menschenverstand«. Wie alle Firmen in der ganzen Welt, so würden auch hiesige daran denken, ihr geistiges Eigentum in jedem Fall gut zu schützen. »Und das gilt auch für chinesische Investitionen.«

investition Der Medizingerätehersteller HIL Applied Medical tat genau das. Geschäftsführer Sagy Brink-Dahan schlug eine bedeutende Investition eines chinesischen Investors aus ebendiesem Grund aus. »Der Geldgeber wollte, dass wir unsere Abteilung für Forschung und Entwicklung nach China verlegen und erst dann die Investition erhalten. Doch das haben wir nicht getan. Denn wir sind sehr vorsichtig mit unserem Know-how und dem geistigen Eigentum.« Am Ende erhielt HIL Applied Medical Geld von einem westlichen Fonds, der keine derartigen Ansprüche stellte.

Besondere Vorsicht müssen Unternehmen walten lassen, die Produkte für die Cybersicherheit herstellen oder solche, die einen militärischen Nutzen haben können. Denn das würde mit großer Wahrscheinlichkeit Verbindungen mit den Amerikanern gefährden. Darin sind sich alle Experten einig.

Trotz der langen Liste an Bedenken sprechen die Zahlen eine eindeutige Sprache: Die bilateralen Wirtschaftsbeziehungen sind in den vergangenen Jahren stetig um ein Vielfaches gewachsen. Waren es Anfang der 90er-Jahre insgesamt etwas mehr als 50 Millionen Dollar jährlich, so belaufen sie sich heute auf mehr als elf Milliarden Dollar. Das einzige Land, mit dem Israel eine höhere Handelsbilanz hat, sind die USA.

boykottaufrufe Außerdem schert sich Peking recht wenig um Boykottaufrufe, den Nahostkonflikt oder Anliegen der Palästinenser. Das macht es für viele israelische Firmen leicht, mit Chinesen in Kontakt zu treten, ohne Sorgen haben zu müssen, dass die Geschäftsbeziehung politisiert wird.

»Es ist so, dass wir Israelis in China oft den roten Teppich ausgerollt bekommen«, sagt Meir, der Vertreter einer Softwarefirma aus dem Zentrum des Landes, der seinen vollen Namen wegen der Sensibilität des Themas nicht nennen möchte.

»Die Interessenten stehen bei den Konferenzen Schlange, um unsere Produkte oder unser Know-how kennenzulernen. Israel steht für Innovation und herausragende Produkte. Niemandem dort würde es in den Sinn kommen, zu fragen, wie wir zum Konflikt mit den Palästinensern stehen, oder es wagen, über einen Boykott zu sprechen. Sie haben nur ein Interesse – ihr eigenes.« Meir weiß es aus eigener Erfahrung: »Es mag sich vielleicht ein wenig abgebrüht anhören, aber für eine Geschäftsverbindung ist das sehr gesund.«

KONTROLLE Dennoch ist es kein Geheimnis, dass viele Unternehmen und Regierungen den Einfluss Chinas in anderen Ländern über die wirtschaftliche Schiene als regelrechte Existenzbedrohung ansehen. Auch manche Israelis. Ein Zeichen dafür ist der Aufschrei, der ertönte, als das Management des Hafens in Haifa von der Shanghai International Port Group übernommen wurde. Auch Behörden und Politiker äußerten sich zur Gefahr, die Kontrolle über eine derart bedeutende Einrichtung der Infrastruktur des Landes zu verlieren.

Die chinesischen Partner interessieren sich nicht für den Nahostkonflikt und Boykotte.

Auch in den USA ist dieser Vorgang offenbar nicht positiv aufgenommen worden. »Dies trägt zu der Besorgnis bei, die die Amerikaner in Anbetracht unserer Verbindungen mit den Chinesen haben«, sagte damals ein Regierungsvertreter unter Berufung auf Anonymität. »Ihre Ängste sind sehr verständlich.« Angeblich will die Regierung jetzt eine formale Stelle einrichten, die vorab ausländische Investitionen untersucht – mit Fokus auf China. Außenhandelsexperten warnen allerdings, dass dies einen sehr abkühlenden Effekt auf die chinesische Investitionslust haben könnte.

proteste »Made in China« hat oft noch immer einen schlechten Ruf. So gab es massive Proteste, als 2014 Bright Food aus China den kontrollierenden Aktienanteil an der heimischen Lebensmittelmarke Tnuva für 2,5 Milliarden Dollar kaufte. »Was passiert jetzt mit unserem geliebten Hüttenkäse«, fragten aufgebrachte Demonstranten und pappten voller Wut Aufkleber »Made in China« mit einem roten Strich durch die Mitte an Wände im ganzen Land. Dass Tnuva bereits zuvor einem britischen Konglomerat gehört hatte, tat der Entrüstung keinen Abbruch.

Die Chinesen waren offensichtlich bei der Akquise mehr an der ausgetüftelten Technologie bei der Herstellung von Milchprodukten interessiert als daran, den Israelis ihren heiß geliebten Cottage wegzunehmen. Den können sie sich nach wie vor aufs Brot schmieren – immer noch schneeweiß und ganz nach israelischem Rezept.

Ariel

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