Interview

»Immer mehr Investitionen«

Hildegard Müller Foto: Mike Minehan

Interview

»Immer mehr Investitionen«

Hildegard Müller über deutsch-israelische Wirtschaftsbeziehungen, schlechtes Image und ein Qualitätssiegel

von Philipp Peyman Engel  12.06.2012 06:51 Uhr

Frau Müller, einer aktuellen Umfrage zufolge stufen zwei Drittel aller Deutschen Israel als »aggressiv« und »unsympathisch« ein. Wie beeinflusst das die Wirtschaftsbeziehungen zwischen beiden Staaten?
In Gesprächen mit israelischen Investoren nehme ich in Bezug auf solche Umfrageergebnisse Enttäuschung und Unverständnis wahr. Sie fragen sich, warum so viele Deutsche Israel derart kritisch sehen. Bisher ist es aber noch nicht so, dass deswegen Investitionen unterlassen werden. Wir Deutsche sollten uns gleichwohl bewusst sein, dass die politische Situation hierzulande in Israel genau verfolgt wird.

Auch die aktuelle Debatte über deutsche U-Boote für Israel?
Die Israelis sind zu Recht überrascht, wie einseitig die Wahrnehmung in Deutschland ist. Jerusalem fühlt sich schließlich nicht aufgrund einer Paranoia durch Teheran existenziell bedroht, sondern weil sich das iranische Regime explizit immer wieder entsprechend äußert. Wenn die Bedrohungslage nicht so wäre, bräuchte Israel diese U-Boote nicht. Ursache und Wirkung dürfen hier nicht verwechselt werden.

Wie gestalten sich derzeit die Wirtschaftsbeziehungen?
2011 war das erfolgreichste Jahr seit Aufnahme der wirtschaftlichen Kontakte beider Länder. Mehr als 6.000 israelische und deutsche Unternehmen pflegen Geschäftsbeziehungen miteinander. Das Handelsvolumen beträgt 5,3 Milliarden Euro. Zwei Drittel davon sind deutsche Exporte nach Israel. Damit ist Deutschland für Israel der drittwichtigste Handelspartner nach den USA und China.

Früher waren Jaffa-Orangen Israels größter Exportschlager. Welche Produkte sind es heute?
Das Gros der israelischen Exporte machen spätestens seit den 90er-Jahren höchst innovative Produkte aus der Pharma-, Bio-, Computer- und Energieindustrie aus. Deutschland kann von der Nanotechnologie über die Medizintechnik bis hin zu biotechnischen Innovationen vom Know-how Israels profitieren.

Welche Produkte aus Deutschland sind umgekehrt in Israel am meisten gefragt?
Die Israelis sind vor allem an Produkten aus dem technischen Bereich interessiert: Maschinen, Züge und energieeffiziente Produkte – »Made in Germany« ist immer noch ein Qualitätssiegel. Insbesondere deswegen kaufen die Israelis gerne deutsche Produkte und investieren auch immer mehr in der Bundesrepublik.

Wie wichtig ist israelischen Investoren eine funktionierende jüdische Infrastruktur?
Meiner Erfahrung nach wird das immer wichtiger. Es reicht von Besuchen in der Synagoge bis hin zu koscherem Essen. Das ist bei israelischen Investoren in den vergangenen Jahren ein wesentlicher Faktor geworden, zum Beispiel nach Berlin zu kommen. Dies alles ergänzt aber nur das beiderseitig gute Investitionsklima.

Mit der Präsidentin der Deutsch-Israelischen Wirtschaftsvereinigung (DIW) sprach Philipp Peyman Engel.

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