Fernsehen

Im Land des Feindes

Die hochbegabte Hackerin und Mossad-Agentin Tamar Rabinyan (Niv Sultan) wird auf eine gefährliche Mission nach Teheran geschickt. Foto: Screenshot JA / Youtube

Eine junge Frau mit schwarzem Kopftuch und Nasenverband steht in der Schaltzentrale eines iranischen Elektrizitätswerks. Eilig verbindet sie ihren Laptop mit dem Steuerungssystem. Tamar Rabinian (gespielt von Niv Sultan) ist israelische Mossad-Agentin und Hackerin. Immer wieder schaut sie nervös über ihre Schulter. Ihr Ziel: Die iranische Luftabwehr lahmlegen, damit israelische Kampfjets die Atomanlagen des feindlichen Landes bombardieren können. Action und aktuelle Politik sind in der israelischen Streaming-Serie »Teheran« eng verbunden.

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Rabinian bekommt Hilfe von dem iranischen Hacker »Sick Boy«, der im eigenen Land gegen das System kämpft, ihre wahre Identität jedoch nicht kennt. Doch ihre Mission gerät in Gefahr, als ihr ein Kommandeur der iranischen Revolutionsgarden auf die Spur kommt. Er wird verkörpert von dem iranisch-amerikanischen Schauspieler Shaun Toub, der schon in der US-Serie »Homeland« einen iranischen Bösewicht spielte.

WURZELN Auf der abenteuerlichen Flucht kehrt die junge Frau, die in Teheran geboren, aber in Israel aufgewachsen ist, auch zu ihren kulturellen und familiären Wurzeln zurück. Außerdem kommt es zu romantischen Verwicklungen mit dem befreundeten Hacker, den sie im Darknet kennengelernt hat.

Die Zeitung »Haaretz« schrieb: »Teheran ist noch besser als «Fauda».«

In Israel ist »Teheran« bereits seit Längerem zu sehen. Die Realität hat die Zuschauer dort zuletzt eingeholt: Eine Reihe mysteriöser Explosionen hat den Iran erschüttert. Dies wirkt auf absurde Weise fast wie Werbung für den Aktualitätswert von »Teheran« - obwohl es von Seiten der iranischen Führung zunächst keine direkte Schuldzuweisung gegen Israel gab.

Zuerst zeigte der israelische Sender Kan die Serie, bei Apple TV+ läuft sie nun auch in Deutschland. Zu den Schöpfern von »Teheran« gehört Mosche Zonder, Drehbuchautor der erfolgreichen israelischen Serie »Fauda«. Produktionspartner ist die kanadische Firma Cineflix Studios. Die Zeitung »Haaretz« schrieb: »Teheran ist noch besser als «Fauda».« Der Stil ist dabei ähnlich und erinnert auch an die US-Serie »Homeland«.

KAMPF In »Teheran« geht es um »den geheimen Kampf des Mossad und der Luftwaffe gegen eine nukleare Aufrüstung des Irans«, erklärte Zonder dem Magazin »Time Out«. Er habe versucht, »den israelisch-iranischen Konflikt in neuem Licht zu zeigen«. Themen sind dabei »die universelle Auseinandersetzung mit Emigration, Identität und Patriotismus, und die Frage, ob man sich von diesen Begrenzungen lösen kann«.

Der Iran gilt Israel als Feindesland, da die Mullahs dem jüdischen Staat immer wieder mit Auslöschung drohen, und wird meist mit großem Misstrauen, aber auch großer Neugier betrachtet. Auch die iranischen Protagonisten der in Athen gefilmten Serie werden als »runde« Charaktere mit menschlichen Seiten dargestellt. Die Dialoge sind auf Hebräisch, Persisch und Englisch.

Die Serie ist »sehr gut gemacht«, sagt die Leiterin der Iran-Abteilung des Instituts für Nationale Sicherheitsstudien (INSS) in Tel Aviv.

Wie realistisch ist aber die Darstellung der Agentenarbeit? Sima Shine, ehemalige Mossad-Mitarbeiterin, lacht. »Alle meine Freunde fragen mich das.« Die Serie ist »sehr gut gemacht«, sagt die Leiterin der Iran-Abteilung des Instituts für Nationale Sicherheitsstudien (INSS) in Tel Aviv. »Es wird viel Spannung aufgebaut, es gibt schnelle Sequenzen.«

Für ihren Geschmack sei es aber zu sehr im amerikanischen Stil. Das Vorgehen der Agentin sei teilweise nicht sehr authentisch. »Eine Agentin in Teheran entscheidet, auf eigene Faust vorzugehen, weil jemand einen Freund im Elektrizitätswerk hat«, sagt sie. »Das ist ein bisschen zu viel Hollywood.« Trotzdem sei die Serie »nicht schlecht«, sagt sie und lächelt.

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