Interview

»Ich werde Pessach nicht feiern«

Alon Nimrodi ist 53, sein Sohn Tamir war 18, als die Hamas ihn verschleppte. Foto: REUTERS/Guglielmo Mangiapane

Herr Nimrodi, wie geht es Ihnen heute? Haben Sie etwas Neues über die Situation Ihres Sohnes Tamir erfahren können?
Leider gibt es nichts Neues zu berichten. Nichts! Es ist unverändert. Ich lebe im gleichen Stress, jeden einzelnen Tag.

Sie haben gerade den israelischen Justizminister Yariv Levin getroffen. Konnte der Ihnen Hilfe anbieten?
Nein, bedauerlicherweise auch nicht. Es gibt im Augenblick keine wirklichen Verhandlungen mehr, niemanden, der für die Geiseln kämpft. Da ist einfach nichts.

Niemandem in der ganzen Regierung?
Genau. Es ist unglaublich, aber so ist es.

Lesen Sie auch

Sie haben jüngst auch den Papst getroffen ...
Ja, ich und drei andere Familien, die Angehörige von Geiseln sind, waren in Rom, im Vatikan. Er hat uns 40 Minuten lang Fragen gestellt und zugehört, wenn wir von unseren Kindern und Angehörigen erzählt haben. Er hat uns sein Mitgefühl gezeigt und versprochen, alles zu tun, um uns zu helfen. Er will versuchen, den jordanischen König zu treffen, um mit ihm über die Geiseln zu sprechen.

Verstehe ich Sie richtig: Der Papst verspricht Hilfe, und die israelische Regierung nicht?
Ja, es ist verrückt.

Die regelmäßigen Demonstrationen am Platz der Geiseln in Tel Aviv sind vorbei, und die Angehörigen nehmen nun an den Protesten gegen die Regierung teil. Sie auch?
Ich habe davon gehört, aber ich gehe dort nicht hin. Mein Protest ist es, im Fernsehen, im Radio, in Zeitungen über meinen Sohn zu sprechen und so viele Menschen wie möglich zu treffen.

Sie reisen weiterhin um die Welt, wie Sie es seit dem 7. Oktober tun?
In der Hoffnung, jemanden zu finden, der uns helfen kann.

Lesen Sie auch

Wenn Ihnen die Frage zu nahe geht, sagen Sie bitte Stopp: Sie müssen das erste Mal ohne Ihren Sohn Pessach feiern. Was bedeutet das für Sie? Und was bedeutet Pessach Ihrem Tamir?
Ich werde dieses Pessach nicht feiern. Es ist wirklich sehr schwer und sehr hart für mich, es ohne ihn zu verbringen, ohne auch nur ansatzweise zu wissen, wie es ihm geht. Ich kann Pessach nicht in Israel sein, es ist zu sehr mit ihm verbunden. Feiertage sind generell sehr schwierig. Aber vor allem Pessach, denn er liebt es besonders. Ich kann einfach nicht hier sein und werde verreisen. Wie kann es ein Fest der Freiheit geben, wenn er nicht hier ist?!

Tamir Nimrodi war als Bildungsoffizier an der Grenze zum Gazastreifen stationiert und wurde am Morgen des 7. Oktober 2023 als einer der ersten von Hamas-Terroristen verschleppt. Im vergangenen November wurde er 19 Jahre alt.
Sein Vater Alon Nimrodi tut seitdem alles, damit sein Sohn und alle anderen Geiseln freikommen.

Westjordanland

Schin-Bet-Chef streitet mit Rechtsradikalen

David Zini fordert von Ministerin Orit Strock eine klare Verurteilung jüdischer Siedlergewalt – und droht mit der Rückkehr zur Verwaltungshaft

von Sabine Brandes  06.10.2026

Jahrestag

Israel warnt vor Angriffen auf Juden am 7. Oktober

Am 7. Oktober jährt sich das Massaker von Hamas-Terroristen in Israel. Bei dem Überfall 2023 wurden rund 1.200 Menschen getötet. Israel warnt nun Israelis im Ausland und Juden weltweit vor Angriffen

 06.10.2026

Gedenken

»Berlin steht fest an Israels Seite«

Regierender Bürgermeister Kai Wegner besucht zum Jahrestag des 7. Oktobers den Geiselplatz in Tel Aviv und erhält die Medaille der Stadt

von Sabine Brandes  06.10.2026

Grausamer Plan

Der Professor, der Massenmörder werden wollte

Der Akademiker plante, Hunderte Araber zu töten und viele Unterstützer zu gewinnen. Die Bar-Ilan-Universität zeigt sich »zutiefst entsetzt«

von Sabine Brandes  06.10.2026

Gaza

Hamas: Sinwars »rechte Hand« überlebt israelischen Angriff

Bei einem israelischen Luftangriff in dem Palästinensergebiet sollen am Wochenende mehrere Menschen getötet worden sein. Israel zielte auf den ranghöchsten Hamas-Führer in dem Küstenstreifen ab – doch der hat wohl überlebt

 06.10.2026

Be’eri

»Ich musste ihre Geschichte erzählen«

Dafna Gerstner hat die Hamas-Massaker überlebt und wagt einen vorsichtigen Blick in die Zukunft

von Geneviève Hesse  06.10.2026

Geiseln

Überlebt

505 Tage war Omer Shem Tov in der Gewalt der Hamas in Gaza. Seine Schilderungen zeigen, wie leicht es sich all jene machen, die bei der Bewertung des Krieges die perfide Taktik der Terroristen ausblenden

von Sabine Brandes  06.10.2026

Interview

»Wir haben Angst, dass Shani und Carolin vergessen werden«

Sonja Bohl-Dencker und Ricarda Louk leben seit dem 7. Oktober mit einer unvorstellbaren Wunde – dem Tod ihrer Töchter, die von Hamas-Terroristen ermordet wurden

von Sophie Albers Ben Chamo  06.10.2026

7. Oktober

»Ich hatte keine Ahnung, wie sehr wir gehasst wurden«

Unsere Autorin ist an der Grenze zu Gaza aufgewachsen und lebt heute in Berlin. Hier beschreibt sie, wie das Hamas-Massaker ihr Leben verändert hat – und was es mit ihr macht, dass sie und ihr Land plötzlich weltweit als genozidal verleumdet werden

von Adi Kaslasy-Way  06.10.2026