Gespräch

»Ich werde die Lebensfreude vermissen«

Harald Kindermann Foto: Flash 90

Herr Kindermann, Sie haben im Juli Ihren Dienst als deutscher Botschafter in Israel beendet. Was war Ihre größte Herausforderung?
Israelis und Deutsche leben in unterschiedlichen Welten. Der jüdische Staat sieht sich zahlreichen Bedrohungen ausgesetzt, während wir uns in einem geeinten Europa ungehindert und ohne Angst bewegen können. Daraus folgen Verständnisschwierigkeiten. Viele Deutsche können sich die Bedrohungen, mit denen Israelis konfrontiert sind, nicht vorstellen. Diese wiederum haben nicht selten Probleme mit einer Politik oder Lebensweise, die ganz auf Verständigung, gute Nachbarschaft und Ausgleich baut. Hier eine Brücke zu finden, ist wichtig, um den anderen und damit seine Politik zu verstehen und Gemeinsamkeiten zu finden.

Wie schwierig war es, diese umzusetzen?
Ich habe versucht, in Israel und auch in Deutschland auf Veranstaltungen und in Vorträgen diesen Problemkreis deutlich zu machen: mit Schülern, Studenten, Freiwilligen der sozialen Dienste, Delegationen, interessierten Vereinigungen. Es gab immer lebhafte und manchmal auch kontroverse Diskussionen. Aber ich denke, dass alle Beteiligten – meine Person eingeschlossen – ermutigt und mit mehr Kenntnis aus diesen Gesprächen gegangen sind.

Was werden Sie am meisten an Israel vermissen?
Die Lebensfreude, Zukunftsgewandtheit, die offenen Diskussionen und das unvergleichliche Licht, das einem das Leben schöner macht.

Gab es eine Begegnung, die Sie besonders nachhaltig beeindruckt hat?
Unmittelbar nach meiner Ankunft habe ich Hilde Hofmann, die Vorsitzende des Vereins der aus Deutschland vertriebenen Juden, getroffen. Meine Frau und ich wurden mit einer Wärme, einer Herzlichkeit aufgenommen, die wir angesichts der Vergangenheit nicht für möglich gehalten hätten. Bis zum Ende meiner Dienstzeit hat mich das Zusammensein mit den Jeckes getragen und bereichert. Wir verdanken ihnen viel, denn sie waren die Ersten, die sich nach dem Holocaust Deutschland wieder zugewandt haben. Ohne sie würde es die deutsch-israelische Freundschaft, wie sie heute in beiden Ländern gleichermaßen benannt wird, nicht geben.

Was unterscheidet den Dienst im jüdischen Staat von dem in anderen Ländern?
Man hört häufig, dass eine Tätigkeit in Israel schwierig sei. Das mag früher so gewesen sein. Ich habe es nicht so empfunden – sicherlich fordernd, aber nicht schwierig im engeren Sinn. Für mich liegt der große Unterschied zu anderen Orten darin, dass die Erinnerung an die Schoa einen Angehörigen meiner Generation fragen lässt, wie sich die eigene Familie im Nationalsozialismus verhalten hat. Und auch, ob ich selbst genug Kraft gehabt hätte, mich einem solchen System zu verweigern.

Welchen Rat geben Sie Ihrem Nachfolger mit auf den Weg?
Das gehört, und das werden Sie verstehen, nicht in die Öffentlichkeit.

Mit dem ehemaligen deutschen Botschafter in Israel sprach Tobias Marti.

Diplomatie

Jens Spahn reist nach Israel

Der Unions-Fraktionschef wird am Mittwoch unter anderem Gespräche in der Knesset führen

 03.02.2026

Sport

Warum der israelische Fußballspieler Tay Abed ein Millionenangebot der VAE ausgeschlagen hat

Tay Abed: »Keine Summe kann mich dazu bringen, meine israelische Identität aufzugeben.«

 03.02.2026

Nahost

Gaza: IDF entdecken Waffen zwischen Hilfsgütern der UNRWA

Nach Angaben der Streitkräfte handelt es sich um einen umfangreichen Fund von rund 110 Mörsergranaten sowie Raketen

 03.02.2026

Nahost

Israel und USA halten gemeinsam Marinemanöver ab

Im Roten Meer trainieren US- und israelische Seestreitkräfte gemeinsam – vor dem Hintergrund wachsender Spannungen mit dem Iran. Beide Seiten sprechen von einer Routineübung

 03.02.2026

Tel Aviv

Geheimes Hamas-Papier: Kontrolle über Gazas Verwaltung soll trotz neuer Struktur erhalten bleiben

Die palästinensische Terrororganisation will ihren Einfluss sichern, ohne bei der neuen Verwaltung Verdacht zu erregen

 03.02.2026

Geiseln

»Wie bitte - es gab keine Dringlichkeit?«

Ehemalige Verschleppte und Angehörige fordern den Rücktritt des Koordinators Gal Hirsch nach Interviews zu Befreiungskundgebungen

von Sabine Brandes  02.02.2026

Gaza

Grenzübergang Rafah teils für Personenverkehr geöffnet

Der Übergang ist das Nadelöhr für all diejenigen, die das Kriegsgebiet verlassen wollen. Jetzt sollen einige Palästinenser nach Prüfung durch Israels Geheimdienst wieder aus- und einreisen können

 02.02.2026

Militärübung

Israelische Armee probt für Angriff des Iran

Nördlich von Gaza trainierten Soldaten die Rettung von Verschütteten aus einem künstlich angelegten Trümmerfeld, das einem zerstörten Wohngebiet nachempfunden ist

 02.02.2026

New York/Tel Aviv/Gaza

Nach Bericht: Hamas-Mitgliedschaft eines Arztes unbewiesen

Die Organisation »NGO Monitor« wollte einen Arzt mit einem Foto in Uniform belasten, doch einen eindeutigen Beleg kann sie nicht vorweisen

 03.02.2026 Aktualisiert