Fussball

»Ich habe die Aufgabe gerne übernommen«

Versteht sich als Konfliktmanager auf dem Spielfeld: Fifa-Schiedsrichter Manuel Gräfe Foto: imago

Eine rote Karte, ein Elfmeter. Der Berliner Bundesliga-Schiedsrichter Manuel Gräfe hatte keinen leichten Stand bei
seinem Debüt in der ersten israelischen Liga (Ligat ha’Al). Gräfe leitete am Montagabend das Spitzenspiel zwischen Maccabi Haifa und Maccabi Tel Aviv (1:0). Es war das erste Mal in der Geschichte des israelischen Fußballs, dass ein deutscher Schiedsrichter ein Match in der Ligat ha’Al pfiff. Gräfes Einsatz ist Teil des »Memorandum of Understanding«, das DFB-Präsident Theo Zwanziger und sein israelischer Amtskollege Avi Luzon im vergangenen Dezember unterzeichneten. Es beinhaltet auch den Austausch von Schiedsrichtern zwischen beiden Ländern. Torsten Haselbauer sprach kurz nach dem Spiel mit dem FIFA-Referee.

Deutsche Schiedsrichter gelten als streng. Haben Sie diesen Ruf in Israel mit einem Strafstoß für Maccabi Haifa und einer Roten Karte gegen Maccabi Tel Aviv untermauert?
Die Tätlichkeit, die der Roten Karte vorausging, war weit vom Ballgeschehen entfernt. Ich war in der anderen Hälfte des Feldes und habe den Vorgang nicht mitbekommen. Mein israelischer Assistent hat mir das angezeigt. Und der Elfmeter, das war ein klares Foul im Strafraum.

Das Verhältnis zwischen Israel und Deutschland ist immer noch ein besonderes. Wie haben die Fans, die Spieler und die Offiziellen in Haifa reagiert, als Sie dort einliefen?
Ich wurde sehr freundlich empfangen. Mein Besuch war äußerst entspannt. Die Zuschauer wussten schon aus der umfangreichen Vorberichterstattung in den Medien, dass zum Spitzenspiel zweier israelischer Traditionsmannschaften ein deutscher Schiedsrichter kommt.

Wurden Sie vom Deutschen Fußball-Bund für das Haifa-Match bestimmt oder haben Sie sich beworben?
Ich wurde vom DFB-Schiedsrichterobmann Volker Roth für dieses Spiel nominiert. Ich verfüge über diverse Auslandserfahrungen und habe diese Aufgabe gerne angenommen.

Haben Sie sich selbst oder wurden Sie vom DFB auf Ihren Israeleinsatz vorbereitet?
Wenn der DFB seine Schiedsrichter zu Auslandseinsätzen entsendet, erwartet er von Ihnen, dass sie sich gewissenhaft auf das Spiel und auch auf die Kultur des Gastlandes vorbereiten. Das galt natürlich auch für meinen Israeleinsatz. Es war also auf der einen Seite ein ganz normales Fußballspiel und auf der anderen Seite aber auch nicht.

Warum?
Aufgrund der Geschichte und der besonderen Verantwortung, die man durch die Übertragung dieser Aufgabe erhält und auch zu tragen hat. Entsprechend sollte man den Anforderungen, die an einen offiziellen Vertreter des Deutschen Fußballbundes gestellt werden, auch gerecht werden.

Was hat Sie an diesem Fußballabend in Israel am meisten überrascht?
Die Professionalität des israelischen Schiedsrichterwesens. Es gibt dort nur 1.000 Schiedsrichter, in Deutschland sind es 80.000! Das ist ein riesiger Unterschied. Aber der fiel nicht besonders auf. Der Umgang mit mir abseits des Spielfelds war herzlich und entspannt.

Sie reisen für den DFB in sehr viele Länder, und immer wieder auch dorthin, wo die Lage als politisch prekär gilt. Verstehen Sie sich als politischer Schiedsrichter?
Diese Einsätze dienen nicht nur sportlichen Aspekten, sondern auch sportpolitischen. Dadurch dass unterschiedliche Nationen, Kulturen und Religionen zusammenkommen, besteht die Möglichkeit, Vorurteile abzubauen, Konflikte zu entschärfen, Brücken zu bauen. Der Sport – aber auch Musik und Kunst – kann da eine Art Vorreiterstellung für die Politik einnehmen. Ich sehe mich als Schiedsrichter nicht nur auf solchen Reisen, sondern auch in der Bundesliga als Konfliktmanager.

Wie meinen Sie das?
Wenn es gut läuft, kann ich als Schiedsrichter Konflikte entschärfen. Wenn mir das, wie jetzt in Israel, durch meine Leistung und mein Verhalten gelingt, dann freue ich mich, dass ich einen kleinen Beitrag für die Verständigung leisten kann. Das gilt ebenso für Einsätze in arabischen Ländern, wo ich auch schon Spiele geleitet habe. Diese Projekte sollen Menschen verbinden.

Wurden Sie in Israel auf den aktuellen Bundesliga-Schiedsrichterskandal angesprochen?
Nein. Ich weiß auch nicht, ob sie dort überhaupt davon wissen. Und wenn, dann waren sie ganz diplomatisch und haben das Thema vermieden.

Haben Sie noch etwas anderes von Israel gesehen als das Stadion von Maccabi Haifa?
Ja, ich habe noch kurz Nazareth besichtigen können. Eigentlich wollte ich nach Jerusalem, aber das ging gerade nicht. Ost-Jerusalem war am Sonntag wegen angekündigter palästinensischer Proteste abgesperrt. Aber vielleicht ergibt sich in Zukunft eine neue Möglichkeit.

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