Geisel-Deal

»Holt unsere Schwestern aus der Hölle!«

In strömendem Regen stehen sie an diesem Mittwoch auf der Straße und schreien. Hunderte Frauen rufen nach ihren Töchtern, Schwestern, Cousinen, besten Freundinnen oder nach völlig unbekannten Menschen. Sie halten Schilder mit den Gesichtern von Geiseln in die Höhe und fordern: »Holt unsere Schwestern aus der Hölle!« und »Geisel-Deal jetzt!«

Der Druck in Israel für eine Vereinbarung zum Wohl der verbleibenden Geiseln in Gaza wächst täglich. Noch immer werden etwa 134 Frauen und Männer sowie zwei Kleinkinder in der Gewalt der Hamas vermutet. Sie werden bereits seit mehr als 100 Tagen in Gaza festgehalten.

Zurückgekehrte Geiseln berichten von sexuellen Übergriffen

Besonders laut werden in den vergangenen Tagen die Rufe nach der Freilassung der jungen Frauen, einige von ihnen IDF-Soldatinnen, die wahrscheinlich noch in den Tunneln unterhalb Gazas eingekerkert sind. Denn zurückgekehrte Geiseln berichteten von sexuellen Übergriffen und Folterungen an den Israelinnen durch die Hamas-Mörder. Die Angst um ihr Wohlbefinden wächst mit jeder Sekunde.

Währenddessen berichten ausländische Medien, dass sich Israel und Hamas in Sachen neuem Geisel-Deal »weitgehend einig« seien. In einem Bericht von Reuters unter Berufung auf drei Quellen könne ein vierwöchiger Waffenstillstand dazu führen, dass israelische Geiseln gegen palästinensische Gefangene ausgetauscht werden. Das Wall Street Journal zitierte ägyptische Offizielle, die angaben, die Hamas habe internationalen Vermittlern erklärt, sie sei bereit, einige Geiseln, darunter alle verbliebenen zivilen Frauen und Kinder, freizulassen, wenn die Kämpfe »erheblich unterbrochen« würden.

Die Washington Post wurde noch deutlicher. Unter Berufung auf »sachkundige israelische und US-amerikanische Quellen« schrieb die US-Zeitung, dass die Verhandlungsführer an einem Abkommen arbeiteten, das zunächst die Freilassung von etwa zehn Frauen und Kindern vorsehe, gefolgt von einer Phase, in der etwa 40 Verletzte freikämen, darunter ältere Geiseln und Soldatinnen.

Als letzter Schritt sollen alle Gekidnappten nach Hause kommen, heißt es. Jede Phase würde mit der Freilassung von Gruppen palästinensischer Gefangener einhergehen. Die intensiven Vermittlungsbemühungen der USA, Ägyptens und Katars in den vergangenen Wochen hätten sich auf einen derartigen Deal konzentriert.

»Wir erhalten von beiden Seiten ständig Antworten, und das allein ist schon ein Grund zum Optimismus.«

majed al ansari, sprecher aussenministerium katar

Katar, die USA und Ägypten betreiben seit Ende Dezember eine Pendeldiplomatie, um die Differenzen zwischen Israel und der Terrorgruppe in Gaza zu überbrücken. Es soll ein Rahmen für eine Feuerpause geschafft werden, die die Freilassung der Geiseln und eine Aufstockung der humanitären Hilfe für die Zivilbevölkerung in Gaza ermöglichen würde.

Der Sprecher des katarischen Außenministeriums, Majed Al Ansari, äußerte sich während einer Pressekonferenz am Dienstag zuversichtlich über die Vermittlungen: »Wir führen ernsthafte Gespräche mit beiden Seiten. Wir haben ihnen Ideen präsentiert und erhalten von beiden Seiten ständig Antworten, und das allein ist schon Grund für Optimismus.«

Angeblich sollen Yahya Sinwar und andere Top-Terroristen ins Exil

In einem israelischen Bericht heißt es, dass Jerusalem ein Angebot für einen zweimonatigen Waffenstillstand gemacht habe, bei dem die Hamas die Geiseln im Austausch gegen palästinensische Sicherheitsgefangene schrittweise freilassen würde. Angeblich würden dabei der Hamas-Anführer in Gaza, Yahya Sinwar, und andere Top-Terroristen ins Exil geschickt. Allerdings hieß es, die Hamas habe den Vorschlag bereits abgelehnt.

Auf die Verhandlungen angesprochen, sagte Sami Abu Zuhri, ein hochrangiges Hamas-Mitglied, gegenüber Reuters, die in Gaza regierende Terrororganisation sei offen für die Diskussion von Ideen, es sei jedoch noch keine Einigung erzielt worden.

Die rechtsreligiöse Koalition dementierte die ausländischen Berichte am Mittwochmorgen und erklärte, die Differenzen würden sich vergrößern statt kleiner zu werden. Der ehemalige Chef des israelischen Geheimdienstes Mossad, Yossi Cohen meint jedoch: »Eine Frist von ein bis zwei Monaten für einen Waffenstillstand unter der Bedingung, alle Entführten zurückzugeben, ist meiner Meinung nach angemessen.«

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