Israel

Höchstes Gericht berät über Wehrpflicht für Ultraorthodoxe

Das Höchste Gericht kam heute zu einer Anhörung über die Wehrpflicht für ultraorthodoxe Männer zusammen Foto: POOL

Israels Höchstes Gericht ist am Sonntag zu einer Beratung über die umstrittene Frage der Wehrpflicht auch für ultraorthodoxe Männer zusammengekommen. Das Thema wird immer mehr zu einer Zerreißprobe für die rechtsreligiöse Regierung des Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu. Neun Richter befassen sich mit zwei Petitionen, die eine sofortige Einberufung wehrpflichtiger ultraorthodoxer Männer fordern. Mit einer Entscheidung wird aber erst zu einem späteren Zeitpunkt gerechnet. 

Seit Jahrzehnten geltende Ausnahmen für ultraorthodoxe Männer bei der Wehrpflicht in Israel waren vor zwei Monaten ausgelaufen. Es war Netanjahus Regierung bisher nicht gelungen, ein Gesetz zu verabschieden, das die Erleichterungen zementieren sollte. 

Daraufhin ordnete Höchste Gericht eine Streichung der die staatlichen Subventionen für ultraorthodoxe Männer im wehrpflichtigen Alter, die in Religionsschulen studieren. Die Generalstaatsanwältin Gali Baharav-Miara entschied Ende März zudem, das Militär sei verpflichtet, auch die bisher weitgehend befreiten Religionsstudenten einzuziehen. Dabei handelt es sich nach Schätzungen um mehrere Zehntausend Männer. 

Der schon seit Jahrzehnten schwelende Streit um die Wehrpflicht gefährdet die Stabilität von Netanjahus Koalition. Diese stützt sich auch auf strengreligiöse Partner, die eine Einberufung junger Männer aus ihrer Gemeinschaft strikt ablehnen. 

Eine gesetzliche Regelung, die den meisten ultraorthodoxen Männer erlaubte, nicht in der Armee zu dienen, war im vergangenen Jahr abgelaufen. Die Regierung hatte die Regelung daraufhin bis Ende März verlängert. Die Regierung hat sich verpflichtet, bis zum 31. Juli eine neue gesetzliche Regelung durchzusetzen, was bisher nicht gelang.

Kritiker prangerten die bisher geltenden Erleichterungen als ungerecht an. Der Gaza-Krieg hat die Kluft zwischen den Lagern noch einmal vertieft. 

Männer müssen in Israel regulär drei Jahre, Frauen zwei Jahre Wehrdienst leisten. Am Streit um ein Gesetz, das schrittweise mehr strengreligiöse Männer zum Dienst an der Waffe verpflichten sollte, war bereits 2018 die Regierungskoalition zerbrochen. Es gibt aber auch ultraorthodoxe Männer, die freiwillig dienen. Strengreligiöse Frauen werden nur auf freiwilliger Basis rekrutiert. dpa

Israel

Jesus-Statue beschädigt: 30 Tage Haft für israelische Soldaten

Mit einem Hammer attackierte ein Soldat die christliche Heilsfigur im Libanon. Jetzt hat ein Militärgericht den Mann und seinen Kameraden verurteilt

 21.04.2026

Nachrichten

Schule, Posten, Verschwörung

Meldungen aus Israel

von Sabine Brandes  21.04.2026

Landwirtschaft

Von Staub zu Öl

Im Kibbuz Sde Boker wird Bio-Olivenöl produziert. Das Projekt interpretiert die alte zionistische Idee neu, die Wüste zum Blühen zu bringen

von Sabine Brandes  21.04.2026

Gesellschaft

»Ich lasse das nicht in mein Leben«

Yuval Amshalem zieht der Liebe wegen nach Berlin. Bei der Online-Wohnungssuche sah der 24-Jährige sich mit einem antisemitischen Shitstorm konfrontiert, auf den der AI-Experte entspannt reagiert. Ein Gespräch über Ziele im Leben

von Sophie Albers Ben Chamo  21.04.2026

Musik

Vom Kinderzimmer in Cholon in die US-Charts

Die israelische Band Temper City nimmt mit ihrem Song »Self Aware« einen weltweiten Hit auf

von Sabine Brandes  21.04.2026

Warschau/Jerusalem

Polen und Israel streiten über Vorwürfe von Kriegsverbrechen

Der Warschauer Außenminister Sikorski sagt, IDF-Soldaten räumten selbst Kriegsverbrechen ein. Sein israelischer Kollege Sa’ar spricht von »haltlosen und verleumderischen Aussagen«

 21.04.2026

Jom Hasikaron

Israel begeht Gedenktag für Gefallene – Appelle an Einheit und Hoffnung

»Diese Kriegsgeneration verdient es, vom Tag danach zu träumen. Sie verdient ein Lied der Hoffnung«, sagt Präsident Isaac Herzog

 21.04.2026

Jom Hasikaron

So viele Verluste

Mein Vater floh vor der Schoa, wurde beinahe in seinem Kibbuz ermordet und starb als Flüchtling im eigenen Land. Der Gedenktag wird dieses Jahr für mich besonders schmerzhaft sein

von Eshkar Eldan Cohen  20.04.2026

Jom Hasikaron

Wenn Hunde heilen

Ein Projekt in Israel bringt Soldaten und traumatisierte Überlebende mit jungen Hunden zusammen – und schafft stille Rettungsräume im Alltag. Eine Begegnung im Yarkon-Park in Tel Aviv

von Sabine Brandes  20.04.2026