Jerusalem

Himmler-Telegramm an Großmufti al-Husseini wiederentdeckt

Im Archiv der israelischen Nationalbibliothek ist ein Telegramm von Heinrich Himmler, Reichsführer SS, an den Großmufti von Jerusalem, Haj Amin al-Husseini, wiederentdeckt worden, das offenbar vom 2. November 1943 stammt. Himmler erklärt dem arabischen Führer darin seine Verbundenheit im »Kampf gegen das Weltjudentum«.

Das Dokument wird seit Mittwoch auf einem Blog der Nationalbibliothek in Jerusalem abgebildet und wurde von fast allen israelischen Zeitungen zitiert. Chen Malul, Mitarbeiter der Nationalbibliothek und Betreiber des Blogs, sagte der Online-Ausgabe der israelischen Zeitung »Haaretz« vom Donnerstag, das Telegramm sei nach der bedingungslosen Kapitulation Deutschland von der US-Armee in Deutschland beschlagnahmt worden, wo sich der Mufti während des Zweiten Weltkriegs aufhielt.

Balfour-Deklaration Danach sei es in den Besitz eines Kämpfers der jüdischen Untergrundarmee Hagana in Palästina gelangt. Dieser habe das Telegramm dann an die Nationalbibliothek weitergegeben. Vor mehreren Monaten sei das Telegramm im Archiv neu kategorisiert worden, weil in ihm die Balfour-Deklaration erwähnt wird. Mitarbeiter hatten nach Material gesucht, das mit dieser Erklärung verbunden war. Sie jährt sich am 2. November 2017 zum 100. Mal.

Das Telegramm wird der Öffentlichkeit allerdings nicht zum ersten Mal zugänglich gemacht: Auch der Jurist und Autor Tilmach Tarach hat das Telegramm schon zitiert, und zwar Ende 2008 in der ersten Ausgabe seines Buchs Der ewige Sündenbock. Israel, Heiliger Krieg und die »Protokolle der Weisen von Zion«.

Himmler versichert in dem Schreiben, die nationalsozialistische Bewegung Großdeutschlands, die sich den »Kampf gegen das Weltjudentum« auf ihre Fahnen geschrieben habe, habe aus diesem Grund »schon immer mit besonderer Sympathie den Kampf der freiheitsliebenden Araber, vor allem in Palästina, gegen die jüdischen Eindringlinge verfolgt«.

Bündnis Die »gemeinsame Erkenntnis dieses Feindes und der gemeinsame Kampf gegen ihn« bildeten »die feste Grundlage des natürlichen Bündnisses zwischen dem nationalsozialistischen Großdeutschland und den freiheitsliebenden Mohammedanern der ganzen Welt«, kabelte Himmler weiter.

»In diesem Sinne«, schloss der Reichsführer SS, »übermittle ich Ihnen am Jahrestag der unseligen Balfour-Deklaration meine herzlichen Grüße und Wünsche für die glückliche Durchführung Ihres Kampfes bis zum sicheren Endsieg«. Offenbar wurde das Telegramm am 2. November 1943 geschickt – dem 26. Jahrestag der Balfour-Deklaration.

Die Erklärung war am 2. November 1917 vom damaligen britischen Außenminister Arthur James Balfour unterzeichnet worden. Sie bringt das Ziel der britischen Regierung zum Ausdruck, eine Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina zu schaffen. Das Dokument gilt als offizielle Anerkennung der zionistischen Bewegung.

palästina Der Großmufti von Jerusalem, Haj Amin al-Husseini, war 1937 nach seiner Beteiligung am arabischen Aufstand gegen die britische Mandatsmacht aus Palästina in den Irak geflohen. 1941 traf er sich in Berlin mit Adolf Hitler, um für Unterstützung der arabischen Unabhängigkeitsbestrebungen von den Kolonialmächten im Nahen Osten zu werben. Außerdem wollte er die Einwanderung von Juden nach Palästina verhindern.

Tilman Tarach sagte der Jüdischen Allgemeinen am Donnerstag, das Himmler-Telegramm sei seiner Ansicht nach »ein kleiner Mosaikstein in den Dokumenten, die eine gewisse Interessensgleichheit zwischen dem Mufti, seiner Bewegung und dem NS-Regime belegen«. Haj Amin al-Husseini sei von Nazi-Deutschland auch finanziell unterstützt worden.

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