Design

Haute Couture aus Tel Aviv

Für die ausgelatschten Flip-Flops, in denen die Tel Aviver im Sommer häufig über den Rothschild-Boulevard schlendern, hat Zion Anava nicht viel übrig. Keines der Kleider, die der Designer kreiert, passt zu den bunten Zehensandalen aus Plastik. Und das will Zion auch gar nicht. »Frauen sollten immer High Heels tragen«, sagt der 33-Jährige.

Den schwülen Tel Aviver Sommer lässt er nicht als Ausrede für den Schlabberlook gelten. Auch bei hohen Temperaturen könnten Frauen sich klassisch-elegant kleiden. »Es muss ja nicht das Abendkleid sein, aber vielleicht ein schönes weites Chiffon-Kleid mit Sandalen.« Baumwolle und Denim sind für Zion tabu, stattdessen designt er elegante Cocktail-, Abend- und Hochzeitskleider aus feinen Stoffen – manche in zurückhaltenden Farben, andere auffallend pink oder goldfarben. Mode und Kleidung, so schreibt er auf seiner Webseite, ist für ihn auch Kunst.

Jeans Und Hosen sucht man in Zions Kollektion vergeblich. Für viele Israelinnen, die gerne in den robusten braunen australischen Arbeiter-Stiefeletten, in Leggings oder in kurzen Jeans auf die Straße gehen – zwar gerne auch bunt, aber eher bequem –, ist das nicht wirklich alltagstauglich. »Viele israelische Frauen kleiden sich, weil sie müssen, nicht, weil sie es wollen. Aber man kann Mode genießen und muss dabei nicht leiden«, erklärt der Designer.

Zion Anava ist einer der vier israelischen Designer, die diese Woche bei der Fashionshow »Potsdam Now« ihre Mode präsentieren. Auch Shani Zimmerman, Efrat Kalig sowie das Modelabel mit dem deutschen Namen »Frau Blau« sind mit am Start. Israel ist in diesem Jahr Partnerland – anlässlich des 50. Jubiläums der deutsch-israelischen Beziehungen.

Boutique »Es ist für mich das erste Mal in Potsdam und Berlin. Ich bin sehr aufgeregt und freue mich, dabei sein zu können«, sagt Zion Anava. Rund 20 neue Stücke hat er dafür angefertigt – Haute Couture, also gehobene Schneiderei, individuelle Kleider, keine Ware von der Stange.

Mit einem kleinen Team schneidert er die Stücke, die er in seiner 2011 eröffneten Boutique in der Dizengoff-Straße im Zentrum Tel Avivs verkauft: klassisch-elegante Mode – für Frauen jeglichen Alters, wie er selbst sagt. »Wenn ein Mädchen ihre Batmizwa feiert und für ein Kleid hier mit ihrer Großmutter vorbeikommt, dann werden hier beide etwas finden. Ich habe auch eine Kundin aus Deutschland, die fast alle zwei Monate mit ihrer Tochter vorbeikommt.« Ein großer Teil seiner Klientel stamme aus Europa, den USA oder Australien, wenige Israelis seien darunter. Und Zion – da ist er typisch israelisch uneitel – berät sie höchstpersönlich in seiner Boutique.

Familientradition Zion hat seine Liebe für Mode, Stoffe und Schneiderei entdeckt, als er noch sehr jung war. Er wuchs in Syrien in einer Familie von Schneiderhandwerkern auf: Die Frauen waren Näherinnen und schneiderten für die Elite der Damaszener Szene, die Männer waren für den Handel zuständig. »Schon als Kind saß ich an der Nähmaschine. Meine Großmutter hat mir beigebracht, sauber, genau und mit hochwertigen Stoffen zu arbeiten.« Er habe sich das »Aristokratisch-Klassische«, wie er es nennt, bis heute erhalten – die Priorität, Unikate zu schaffen, keine Massenware.

Als Zion zwölf Jahre alt war, wanderte die Familie zunächst nach New York, später nach Israel aus. Damit war es mit dem Schneiderhandwerk zu Ende – zumindest für den Rest der Familie. Für Zion dagegen bahnte sich eine Karriere an. In Israel besuchte er später Kurse am Shenkar-College für Ingenieurswesen, Design und Kunst in Ramat Gan, arbeitete dann eine Zeitlang in der Modebranche in New York, in London und mit Designern in Israel, bevor er sich dazu entschloss, sein eigenes Label zu gründen. Nun hofft er, seinen Kundenkreis zu erweitern.

Abendgarderobe Auch die junge Designerin Shani Zimmerman hat ihren Fokus auf Eleganz gelegt: »Ich habe eine Leidenschaft dafür, feminine Abend- und Hochzeitskleider aus hochwertigen Materialien zu kreieren«, schreibt die 28-Jährige auf ihrer Website, eine Kombination aus »klassischen Richtlinien« und »innovativen Ideen«. Sie versucht dabei aber, nah am Stil der Stadt zu bleiben: »Eine Mischung aus junger Prêt-à-porter-(ready-to-wear)-Mode und Abendgarderobe aus regionalen Stoffen und Tel Aviver Farben.«

Auch Shani Zimmerman hat eine Weile in London gelebt und am Shenkar-College in Israel studiert. 2013 machte sie ihren Abschluss. Nun betreibt die junge Designerin ihre Boutique in Tel Aviv.

Nur mit Termin können ihre Kundinnen hier vorbeikommen und sich die Kleidungsstücke individuell anpassen lassen. Und das heißt, dass sie Zeit mitbringen müssen. Reinlaufen, anprobieren, kaufen – das funktioniert nicht. Und so muss Kleidung für die Kundinnen von Shani Zimmerman ebenfalls mehr als eine Notwendigkeit sein – nämlich eine Lebenseinstellung, eine Leidenschaft.

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