Reaktionen

Gratulation zur Wiederwahl

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu Foto: Flash 90

Auch in Israel bestimmten am Sonntag hauptsächlich die Wahlen in Deutschland die Nachrichten. In vielen Berichten war es jedoch weniger die Frage, ob es Angela Merkel noch einmal auf den Kanzlersessel schaffen würde – das war den meisten ohnehin klar –, sondern die Sorge, wie viele Stimmen die AfD holt. »Nazis im Reichstag« titelte die linksliberale Zeitung »Haaretz« schon vor den ersten Hochrechnungen.

Premierminister Benjamin Netanjahu gratulierte Merkel nach ihrem vierten Wahlsieg in Folge noch am Sonntagabend. »Gratulation an Angela Merkel, eine wahre Freundin Israels, zu ihrer Wiederwahl als Kanzlerin von Deutschland«, schrieb er auf seiner offiziellen Facebook-Seite. Zu den schockierenden rund 13 Prozent für die AfD, die erst vor vier Jahren gegründet worden war, äußerte sich der Ministerpräsident nicht.

Folgen Viele indes hielten ihr Entsetzen nicht zurück. In israelischen Tageszeitungen und Fernsehberichten wurde die AfD als »Nazi-Partei« und »Auffangbecken für Rechtsextreme« bezeichnet.

Verschiedene Artikel beschäftigten sich intensiv mit den verschiedenen Mitgliedern, die jetzt in den Bundestag einziehen werden, und deren Äußerungen in Bezug auf den Holocaust, Deutschlands Schuld im Zweiten Weltkrieg, Israel und Juden. Diskussionsrunden in Radio und TV besprachen die möglichen Folgen des Rechtsrucks und der Tatsache, dass »zum ersten Mal seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges Nazis im deutschen Parlament sitzen werden«.

Nachman Schai, Vorsitzender der Parlamentarischen Freundesgruppe Israel-Deutschland, sieht das Ergebnis als Warnung für Israel und das jüdische Volk. »Fremdenhass, Rassismus und Extremismus haben einen bedeutenden Teil der deutschen Öffentlichkeit erobert«, sagte er. »Jetzt ist es Merkels Aufgabe, die extreme Rechte zu stoppen.«

Ruhe Netanjahus Parteikollege Yehuda Glick indes rief zur Ruhe auf und veröffentlichte einen unerwartet versöhnlichen Aufruf in Richtung AfD. »Allen, die jetzt die Panik überkommt, will ich mitteilen, dass Frauke Petry, Vorsitzende der Partei, intensiv daran arbeitet, jeden Antisemiten aus der Partei zu entfernen.«

Das Internationale Auschwitz Komitee sieht das anders. Es warnt, dass »ein Konglomerat von Antisemiten, Feinden der Demokratie und nationalistischen Agitatoren eine inhumane Kälte in den Glasdom des Reichstags bringen wird«. Und Haaretz-Kommentator Ofer Aderet meint: »Deutschland muss sich jetzt fragen, wie das nur geschehen konnte.«

Krieg

Israels Armee hat seit Hamas-Massakern 100.000 Ziele angegriffen

Vor drei Jahren ermordeten Hamas-Terroristen rund 1.200 Menschen in Israel. Der Überfall löste den Gaza-Krieg aus. Israel hat seither Zehntausende Ziele in der Region angegriffen

 07.10.2026

Jahrestag der Massaker

Israel gedenkt der Opfer des 7. Oktober

Drei Jahre nach den blutigen Massakern im Süden Israels gedenkt das Land der Opfer. Präsident Herzog findet berührende Worte. Am Abend sollen Zehntausende in Tel Aviv zusammenkommen

 07.10.2026

TV-Tipp

Zwischen Terror und Trauma

Eine Reportage von Jan Philipp Burgard auf WELT TV zeigt Israel und seine Menschen drei Jahre nach dem Hamas-Massaker vom 7. Oktober 2023

von Detlef David Kauschke  07.10.2026

Westjordanland

Schin-Bet-Chef streitet mit Rechtsradikalen

David Zini fordert von Ministerin Orit Strock eine klare Verurteilung jüdischer Siedlergewalt – und droht mit der Rückkehr zur Verwaltungshaft

von Sabine Brandes  06.10.2026

Jahrestag

Israel warnt vor Angriffen auf Juden am 7. Oktober

Am 7. Oktober jährt sich das Massaker von Hamas-Terroristen in Israel. Bei dem Überfall 2023 wurden rund 1.200 Menschen getötet. Israel warnt nun Israelis im Ausland und Juden weltweit vor Angriffen

 06.10.2026

Gedenken

»Berlin steht fest an Israels Seite«

Regierender Bürgermeister Kai Wegner besucht zum Jahrestag des 7. Oktobers den Geiselplatz in Tel Aviv und erhält die Medaille der Stadt

von Sabine Brandes  06.10.2026

Grausamer Plan

Der Professor, der Massenmörder werden wollte

Der Akademiker plante, Hunderte Araber zu töten und viele Unterstützer zu gewinnen. Die Bar-Ilan-Universität zeigt sich »zutiefst entsetzt«

von Sabine Brandes  06.10.2026

Gaza

Hamas: Sinwars »rechte Hand« überlebt israelischen Angriff

Bei einem israelischen Luftangriff in dem Palästinensergebiet sollen am Wochenende mehrere Menschen getötet worden sein. Israel zielte auf den ranghöchsten Hamas-Führer in dem Küstenstreifen ab – doch der hat wohl überlebt

 06.10.2026

Be’eri

»Ich musste ihre Geschichte erzählen«

Dafna Gerstner hat die Hamas-Massaker überlebt und wagt einen vorsichtigen Blick in die Zukunft

von Geneviève Hesse  06.10.2026