Tel Aviv

Goldener Netanjahu gestürzt

Itay Zalait, ein bislang unbekannter Künstler, wollte die »Grenzen der freien Meinungsäußerung« in Israel testen und hat unbemerkt in der Nacht zu Dienstag eine vier Meter hohe vergoldete Statue von Premierminister Benjamin Netanjahu auf dem zentralen Rabin-Platz vor der Stadtverwaltung von Tel Aviv aufgestellt. Der Künstler habe die Statue nach eigenen Angaben aus Holz und Kunststoff gebastelt und dann vergoldet.

Kunst? Die Statue wirkt wie die Selbstverherrlichung übelster Diktatoren in der Welt und löste prompt heftige Diskussionen darüber aus, ob es sich dabei um legitime Kunst handele.

Andere fragten besorgt, wie jemand an derart zentraler Stelle eine »tickende Bombe« errichten konnte. Die Stadtverwaltung sah in dem Kunstwerk ein »öffentliches Ärgernis« und forderte dessen umgehende Entfernung.

In den Mittagsstunden, als der Künstler die Statue gerade demontieren und abtransportieren lassen wollte, stürzte ein wütender Aktivist der linksgerichteten »Frieden Jetzt«-Organisation den goldenen Premierminister von seinem Sockel. Die Statue fiel zu Boden und zerbrach. Der Mann sprach sich »gegen die Verherrlichung des Premierministers« aus.

Selfies Zuvor hatte das Monument viele Neugierige angelockt, die Selfies mit der Statue machten und diskutierten. Yael Dayan, die linksgerichtete frühere Stadtabgeordnete und Tochter des Generals Mosche Dayan, kritisierte die Aufstellung eines »Goldenen Kalbes« mitten auf dem Platz, der vor der Ermordung von Premierminister Yitzhak Rabin »Platz der Könige Israels« geheißen hatte. Andere stritten, ob es sich um eine »billige Provokation« oder um einen »zynischen Protest« handelte.

Riki, die Lebensgefährtin des Künstlers, sagte nach der Zerstörung der Figur im Rundfunk: »Jetzt spielt es keine Rolle mehr, was der Künstler Itay beabsichtigte.«

Sicherheit

Unerlaubter Pilot an Bord: Maschine muss wieder umdrehen

Weil ein indonesischer Kapitän an Bord war, wurde einem Frachtflug von Ethiopian Airlines die Landung in Israel verweigert

von Sabine Brandes  13.10.2026

Krieg

Netanjahu fordert Ermittlungen gegen Soldaten im Film »NAZA«

Der Premier wirft den anonymen Beteiligten mögliche Straftaten im Zusammenhang mit der Weitergabe geheimer Informationen vor

von Sabine Brandes  13.10.2026

Interview

»Wenn wir weder denken noch irgendetwas tun müssen – was machen wir dann?«

Der israelische Mathematiker Assaf Hasson warnt vor oberflächlichen Antworten, undurchsichtigen Beweisen und einer Generation, die sich zu sehr auf Künstliche Intelligenz verlässt

von Sabine Brandes  13.10.2026

Oktoberfest

Wiesn am Mittelmeer

Die bayerische Festtradition wird in Israel neu interpretiert

von Sabine Brandes  13.10.2026

Glosse

Wir stehen zum Existenzrecht Pakistans!

Absurder als im rot-rot-grünen Berlin wird’s nicht mehr

von Philip Fabian  13.10.2026

Replik

Einspruch, euer Ehren!

Der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ging in diesem Jahr an Philippe Sands. Ausgerechnet ein Mann, dessen Autorität auf juristischer Präzision und universellen Maßstäben gründet, nimmt es mit dem Völkerrecht erstaunlich ungenau

von Leeor Engländer  13.10.2026

Medien

Israel verweigert »taz«-Korrespondentin Arbeitsvisum

Diaspora-Ministerium: »Antiisraelische Akteure und diejenigen, die Israel verleumden, sollten keinen Fuß in das Land setzen«

 13.10.2026

Israel

Ein Toter und 24 Verletzte bei Explosion von Blindgänger

Ein mutmaßlicher Blindgänger explodiert in Nordisrael. Es gibt ein Todesopfer und zahlreiche Verletzte. Berichten zufolge waren Schüler und ein Lehrer in der Gegend gewandert

 12.10.2026

Katharina von Schnurbein

»Ich habe das Gefühl, den richtigen Weg gegangen zu sein«

Die EU-Antisemitismusbeauftragte Katharina von Schnurbein wechselt von Brüssel nach Berlin. Sie folgt dort Felix Klein nach. Ein Porträt

von Michael Thaidigsmann  12.10.2026