Diplomatie

Gipfel in der Wüste

Israels Außenminister Yair Lapid und sein Amtskollege aus Bahrain, Abdullatif bin Rashid al-Zayani Foto: Flash90

Sie wollen sich besser kennenlernen und dabei Wichtiges besprechen. Sechs Außenminister sind am Sonntag in der israelischen Negev-Wüste zusammengekommen. Neben dem israelischen Yair Lapid und Antony Blinken aus den USA sind bei dem zweitägigen historischen Gipfel vier Außenminister aus den arabischen Staaten Bahrain, Vereinigte Arabische Emirate, Marokko und Ägypten dabei.

FORUM Nach der Pressekonferenz sagte Lapid, dass der Gipfel ein »regelmäßiges Forum« sein werde, und stellte fest, dass die Koalition der Länder des Nahen Ostens den Iran und seine Stellvertreter »abschrecken« werde. »Was wir hier tun, ist Geschichte zu schreiben, eine neue regionale Architektur aufzubauen, die auf Fortschritt, Technologie, religiöser Toleranz, Sicherheit und nachrichtendienstlicher Zusammenarbeit basiert«, so Lapid.

»Wir werden unseren Weg des Friedens fortsetzen.«

israelischer aussenminister yair lapid

Israel werde sich von dem Terroranschlag am Sonntag in der Stadt Hadera, bei dem zwei Menschen getötet und sechs verletzt wurden, nicht einschüchtern lassen. »Wir werden unseren Weg fortsetzen, den Weg des Friedens.«

Marokkos Außenminister Nasser Bourita pflichtete ihm bei: »Unsere heutige Anwesenheit ist die beste Antwort auf Terroranschläge«. Die Anwesenheit Marokkos auf dem Gipfel sei für ihn eine selbstverständliche Entscheidung auf der Grundlage langjähriger Beziehungen.

KIBBUZ Blinken traf am späten Abend in Sde Boker, dem Heimatkibbuz von Staatsgründer David Ben Gurion, ein, nachdem er bereits am Samstagabend in Israel gelandet war. Den ganzen Tag über hatte er sich zuvor in Jerusalem mit israelischen Politikern besprochen: mit Lapid, Premierminister Naftali Bennett, Präsident Isaac Herzog, Verteidigungsminister Benny Gantz und anderen hochrangigen Vertretern der Regierung.

Anschließend reiste er nach Ramallah weiter, um mit dem Präsidenten der Palästinensischen Autonomiebehörde, Mahmud Abbas, zusammenzukommen. Abbas haben sich nach Medienangaben beschwert, nicht zu dem Gipfel in Sde Boker eingeladen worden zu sein.

»Die Beziehungen zwischen Israel und den USA sind besser als je zuvor.«

us-außenminister antony blinken

Der amerikanische Außenminister nannte die Beziehungen zwischen Israel und den USA »besser als je zuvor« und verwies auf die finanzielle Hilfe aus Washington für das Raketenabwehrsystem »Eiserne Kuppel«. Er bat Israel, den Palästinensern »praktisch zu helfen«, und forderte eine Zweistaatenlösung für die Beendigung des Nahostkonfliktes.

NORMALISIERUNG Blinken hob auch die Bedeutung für die Normalisierung zwischen Israel und den gemäßigten arabischen Ländern hervor und nannte sie »eine positive und sehr wichtige Kraft für das Leben der Menschen in der Region in den kommenden Jahren«.

Am Sonntag kamen in Israel dann die vier arabischen Außenminister an, um sich mit Lapid und Blinken auszutauschen: Abdullah bin Zayed Al Nahyan aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, Abdullatif bin Rashid Al-Zayani aus Bahrain, Nasser Bourita aus Marokko und Sameh Shoukry aus Ägypten. Die Zusammenkunft der sechs Minister ist ein historisches Ereignis.

Nach israelischen Medienberichten sei zudem Saudi-Arabien hinter den Kulissen »stark involviert«. Jerusalem unterhält bereits seit einer Weile geheime Verbindungen zu dem Golfstaat. Immer wieder wird gemunkelt, dass Jerusalem und Riad ebenfalls bald offiziell Frieden schließen könnten.

ABSCHRECKUNG Eines der wichtigsten Themen beim »Negev-Gipfel« ist der Iran. Daher habe bereits am ersten Tag ein Verteidigungsbündnis auf der Tagesordnung gestanden. Ein Schritt, den Israel unbedingt verwirklicht sehen möchte. Die Minister hätten eine »regionale Sicherheitsarchitektur« besprochen, die darauf abziele, Abschreckungslösungen gegen iranische Bedrohungen aus der Luft und vom Meer aus zu schaffen, heißt es. Laut Quellen, die an den Gesprächen beteiligt waren, wollen die Teilnehmer am Ende des Gipfels ein Konzept hierzu präsentieren.

Israel hat der Stärkung der Abraham-Abkommen, die 2020 mit Bahrain und den VAE abgeschlossen wurden, höchste Priorität eingeräumt und regelmäßige diplomatische Treffen mit Vertretern der Länder angesetzt. Der Gipfel in der Wüste findet nur wenige Tage nach dem Besuch des israelischen Premiers Bennett in Ägypten statt.

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