Totes Meer

Gesalzene Botschaft

Viele Menschen baden darin oder benutzen es als Heilmittel gegen Krankheiten. Doch die wenigsten streuen es sich aufs Tomatenbrot oder in den Salat. Dabei ist das Salz aus dem Toten Meer nicht nur gut für die Gesundheit, sondern definitiv gourmettauglich. Ari Fruchter ist sich da ganz sicher. Der Unternehmer aus den USA mit Wohnsitz in Israel kredenzt das Gourmet‐Speisesalz »Naked Sea Salt« aus dem gefährdeten Naturwunder. Und will dabei gleichzeitig Gutes tun: ganz unbescheiden das Tote Meer retten.

Vor zwei Jahren war der gebürtige New Yorker die treibende Kraft bei der Organisation der Installation des Fotografen Spencer Tunick. Mehr als 1000 Israelis ließen dafür ihre Kleider am Ufer liegen und standen Modell für den Künstler – so wie Gott sie schuf. 500 Millionen Menschen in der ganzen Welt sahen die Bilder und verhalfen dem Toten Meer so viel Aufmerksamkeit, dass es beim Wettbewerb der »New Seven Wonders of the World« unter die letzten zehn Kandidaten kam. »Es gab unglaubliche Opposition und Kritik. Gleichzeitig war es ein Erlebnis, das mein Leben veränderte. Zum Positiven.«

Bedrohung Bereits seit Jahren ist das Tote Meer vom Aussterben bedroht. Jedes Jahr sinkt die Oberfläche um rund einen Meter, weil zu wenig Frischwasser an den tiefsten Punkt der Erde fließt. Einer der natürlichen Zuflüsse ist der Fluss Jordan, der jedoch mittlerweile zu einem traurigen Rinnsal verkommen ist, da große Mengen des kostbaren Nasses für die Landwirtschaft abgezweigt werden.

Durch die Verdunstung des Wassers entstehen riesige Senklöcher an den Ufern und unter der Wasseroberfläche, die das Tote Meer zusammenfallen und gänzlich verschwinden lassen könnten. Diese Tatsache ließ Fruchter nicht mehr ruhen. Einige Monate nach dem Fotoshoot kündigte er seinen Job bei dem Speicherkartenhersteller SanDisk und machte das Retten des einzigartigen Sees zu seinem Fokuspunkt, wenn nicht zu seiner Lebensaufgabe.

Als er im Jahr 2011 für Tunick auf der Suche nach einer passenden Stelle für die Fotos entlang der Ufer tourte, hatte er ein kleines Salzfeld entdeckt, in dem das weiße Gold seit fast einem halben Jahrhundert von der palästinensischen Familie Hallak abgebaut wird. Gemeinsam mit einer Fabrik in Haifa verkaufen sie es als Speisesalz an palästinensische Geschäfte.

geschäftsidee Für Fruchter war die Entdeckung der Beginn seiner Geschäftsidee. »Es gibt all diese Schönheitsprodukte. Meersalz als Peeling, Meersalz als Badezusatz. Doch niemand lässt sich das Salz schmecken. Ich dachte mir: ›Da stimmt doch etwas nicht‹.« Er ging auf die Hallaks zu – und die Kooperation »Naked Sea Salt« war geboren.

Auf den Gläsern und Streuern steht der Name als eine Hommage an Tunicks Bilder, drin steckt pures Salz aus dem Toten Meer in 15 verschiedenen Geschmacksrichtungen, darunter organischer Rosmarin oder Paprika bis zu Exotischem wie Merlot, sonnengetrocknete Tomaten mit Nana‐Minze, Knoblauch‐Ingwer oder schwarze Kohle. Weitere Geschmäcker sind in Planung.

Um sicherzugehen, dass sein Produkt auch tatsächlich speisetauglich ist, stellte er umfassende Recherchen an und arbeitete mit dem Arava‐Institut zusammen, das den Salzsee seit Jahren beobachtet: »Es zeigte sich, dass es nicht einen Grund gibt, das Salz des Toten Meeres nicht als Lebensmittel zu verwenden.« Untersuchungen von Umweltorganisationen bescheinigen ihm, dass sein Unternehmen den Wasserpegel in keiner Weise weiter sinken lassen. »Es ist gänzlich grün«, freut sich Fruchter.

Kooperation Und das seien nicht einmal alle Vorteile seiner salzigen Geschäftsidee. Auch die Kooperation mit der palästinensischen Firma ist für ihn von besonderer Bedeutung. »Wenn wir auf die Regierung warten, werden wir ewig warten«, ist Fruchter überzeugt. »Man muss schon selbst etwas tun.« Frieden werde vor allem zwischen den Menschen im Alltag gemacht, weniger von Politikern.

Obwohl es das »Naked Sea Salt« noch nicht zu kaufen gibt, meint Fruchter schon jetzt, dass die Leute ganz verrückt danach sind. »Unser Salz ist nicht nur schmackhaft, es ist auch gesund. Sämtliche Mineralien, die aus den Industriesalzen verschwunden sind, sind bei uns enthalten.« Ein gewünschter Nebeneffekt ist, dass die Leute darüber reden werden. »Wenn jemand ein Salzfässchen vom Toten Meer auf den Tisch stellt, wenn Gäste kommen, werden sie das thematisieren – davon bin ich überzeugt.«

Das ist, was der Unternehmer will: große Aufmerksamkeit für das Tote Meer erzielen. Derzeit läuft seine »Kickstarter‐Kampagne« im Internet. Sein erstes Ziel, ein Startkapital von 10.000 US‐Dollar durch das sogenannte Crowdfunding aufzutun, ist schon lange übertroffen. Alle, die gespendet haben, werden das Salz als Erste testen können.

Auch in Zukunft will Fruchter sein Produkt ausschließlich online vertreiben. »Ich bin nicht daran interessiert, dass es in Läden steht und die Leute es einfach so in den Einkaufskorb packen. Denn das ›Naked Sea Salt‹ ist nicht einfach ein Salz – es ist eine bedeutende Botschaft.«

www.kickstarter.com/projects/nakedsea/naked-sea-salt-the-healthiest-salt-on-the-planet

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