Rimonim

Gekrönte Superfrucht

Besonders gut gedeiht der Rimon in der Negevwüste. Foto: Flash 90

Er ist der König des Superfood. Gekrönt ist er ohnehin – der Granatapfel, mit seinem zackigen Häubchen obendrauf. Rechtzeitig zu Rosch Haschana zeigt der Rimon (wie der Granatapfel auf Hebräisch heißt) wieder seine ganze Vielfalt. Und die besteht nicht nur aus der Masse an Kernen, die unter seiner Schale verborgen liegt und an die 613 Gebote der Tora erinnert. Vor allem in Sachen Gesundheit ist die pralle rote Frucht ein wahrer Alleskönner.

Der Granatapfel, bereits zu biblischer Zeit bekannt, ist eine der ältesten einheimischen Sorten. Er ist vollgepackt mit religiöser Symbolik und hat eine lange Geschichte als Sinnbild für Fruchtbarkeit in der Mythologie verschiedener Kulturen. Der legendäre König Salomon besang seine magische Schönheit schon im Hohelied.

Forschung Heute ist es vor allem die erforschte Effektivität seiner Wirkstoffe, die den Granatapfel so beliebt macht. Er ist reich an den Vitaminen E, C, A sowie Folsäure. Neue Forschungen zeigen, dass er die Wirksamkeit von Rotwein, grünem Tee oder Tomaten bei der Vermeidung von Herzinfarkten um ein Vielfaches übertrifft. Auch in der modernen Forschung zur Vorbeugung von Krebs und anderen Erkrankungen spielen seine Qualitäten mittlerweile eine Rolle.

Michael Aviram von der medizinischen Fakultät am Technion in Haifa ist Vorreiter bei der Erforschung der Rimonim. »Eines der bedeutendsten Ergebnisse ist der Schutz bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen«, so Aviram. Der Saft sei ein hochpotenzierter Punsch von phenolischen Antioxidantien, die Herzinfarkt und Schlaganfall vorbeugen.

Diese sind auch vorteilhaft für die Behandlung von Diabetespatienten, weil sie das sogenannte schlechte LDL-Cholesterin verringern. Noch besser soll der Granatapfel seine Wirkung beim Verzehr mit Datteln entfalten. Aviram fand heraus, dass ein halbes Glas des purpurfarbenen Saftes mit drei Datteln pro Tag – am besten mit den gemahlenen Kernen verzehrt – den optimalen Schutz vor Arterienverkalkung (Atherosklerose) bietet.

Vitamine Doch um an die ganze Pracht des Innenlebens dieser Frucht heranzukommen, hat schon so mancher sein bestes Feiertagshemd zunichtegemacht. Die roten Flecken der Spritzer sind hartnäckig und kaum mehr herauszuwaschen. Anbauer Chilaf Menahem hat einen Tipp parat: Den Granatapfel mit einem Metallmesser in zwei Hälften zu zerschneiden, kommt für ihn einem Frevel gleich. »Man öffnet ihn wie eine Orange, denn das Metall der Klinge zerstört die Vitamine der Kerne. Zuerst trennt man die Krone ab, dann schneidet man von oben nach unten vorsichtig vier senkrechte Linien, schält die Schalen auf und kann das Innenleben dann unbeschädigt herausnehmen«, erklärt er.

Der Handel mit den Rimonim blüht. Und so haben sich verschiedene Firmen auf das professionelle Extrahieren der Kerne spezialisiert. »Der Granatapfel ist ein Produkt, das von immer mehr Märkten verlangt wird und sich rasend schnell entwickelt«, weiß der Geschäftsführer von Juran Technologies, Avner Galili. Das Unternehmen holt mit seinem »Aril-System« pro Stunde bis zu 1800 Kilogramm aus den prallen Früchten. Dabei wird nicht nur die Schale, sondern auch die Innenmembran entfernt. Das sei besonders wichtig für die Saftindustrie, denn das Häutchen ist bitter und würde den Saft verderben. Wissenschaftler indes meinen, dass genau darin die größte Heilwirkung steckt.

Derzeit werden nach Angaben der Agrarvereinigung Israel Agri im ganzen Land auf rund 2500 Hektar Fläche Granatäpfel angebaut. 19 Prozent liegen im Norden, ein Viertel an der Küste, und mehr als die Hälfte (56 Prozent) gedeiht bestens in der unwirtlichen Natur der Negevwüste. Jährlich werden mehr als 60.000 Tonnen geerntet, von denen bis zu 70 Prozent exportiert werden, gibt das Landwirtschaftsministerium an. Von dieser Summe kommen mehr als die Hälfte in der Europäischen Union an, der Rest wird nach Kanada, Hongkong, Jordanien und in andere Länder verschifft.

Sorten Doch keineswegs ist Rimon gleich Rimon. Anbauer Menahem schwört auf den gelblichen Milissi mit den zartrosafarbenen Kernen. Er sei an Süße nicht zu übertreffen. Doch zu Rosch Haschana kann der noch nicht geerntet werden. Deshalb würden viele Menschen den Granatapfel mit Bitterkeit verbinden. »Schade«, findet Menahem. »Sie sollten wirklich andere Sorten probieren. Denn je später die Saison, desto besser ist der Geschmack. Ich esse jeden Tag mindestens einen.«

Die beliebteste Sorte der Israelis ist der knallrote »Wonderful«, der frühestens zum Neujahr an den Marktständen angeboten wird. »Vorher haben wir meist die hellen Varianten Akko und Schani, die nicht diese schöne Farbe haben und ein wenig hart sind«, weiß Schlomi Ben-Yosef, der auf dem Carmel-Markt seine Früchte feilbietet. »Etwa Ende September, Anfang Oktober dann kommt der schönste, der Wonderful. Er macht seinem Namen wirklich alle Ehre – denn er ist einfach wundervoll.«

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