Archäologie

Gegen den Wind

Die »Maagan Michael« ist wieder da. Foto: Sabine Brandes

Archäologie

Gegen den Wind

In Haifa wurde ein antikes Schiff nachgebaut

von Sabine Brandes  21.03.2017 11:20 Uhr

Wie es so gemächlich dahinschippert, könnte man meinen, es stammte aus einem der monumentalen Hollywoodfilme zur Antike. Doch dieses Schiff ist nicht der Fantasie von Kulissenbauern entsprungen, sondern hat einen originalen Vorfahren, mehr als zweieinhalb Jahrtausende alt. 1985 wurde vor der Küste des israelischen Kibbuz Maagan Michael ein erstaunlich gut erhaltenes Holzboot gefunden. Wissenschaftler fanden heraus, dass das Vehikel im 5. Jahrhundert v.d.Z. gebaut worden sein muss.

Man geht davon aus, dass es mit Steinen für den Bau beladen war und von Griechenland oder Zypern aus an die hiesige Küste segelte. Durch die Lagerung im Sand waren der Unterbau, einige Masten und sogar Werkzeuge von Handwerkern konserviert. Sie geben den Forschern einen einzigartigen Einblick in Arbeitsmethoden der Antike. Nach der halben Ewigkeit im Sand wurde die »Maagan Michael II« am vergangenen Freitag wieder zu Wasser gelassen – wenn auch nicht die echte, so doch immerhin ein originalgetreuer Nachbau. In einer offiziellen Zeremonie durfte das Schiff auf dem Kischon-Fluss bei Haifa Segel setzen.

Zypern Zuvor war 30 Jahre lang in einer Kooperation der Fakultät für Maritime Zivilisationen an der Universität Haifa und der Antikenbehörde an dem 14,4 Meter langen Wasserfahrzeug gearbeitet worden. Dafür wurden in der Marineakademie in Akko die originalen Bauweisen und Werkzeuge sowie dieselben Materialien verwendet, um es so echt wie möglich wiederherzustellen.

Die Replik war der Traum des Leiters der Fakultät, Yaacov Kahanov, der kurz vor der Fertigstellung vor zwei Jahren verstarb. Die Archäologin Deborah Cvikel von der Universität Haifa führt das Projekt weiter. Neben dem Untersuchen der antiken Bauweise will das Team ergründen, wie dieses Schiff, das über ein einziges quadratisches Segel verfügte, sich überhaupt im 5. Jahrhundert v.d.Z. im Mittelmeer fortbewegen konnte. »Es gibt theoretische Debatten«, sagt Cvikel, »doch wie konnte es zwischen Israel und Zypern gegen den Wind segeln? Wir haben keine Ahnung, wie sie es angestellt haben.«

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