Jerusalem

»Gebt dem Volk eine Regierung!«

Einschwören der 23. Knesset in Zeiten der Coronakrise Foto: Haim Zach (GPO)

Präsident Reuven Rivlin hat am Montagnachmittag die 23. Knesset in Jerusalem eingeschworen.

Wegen des Versammlungsverbotes von mehr als zehn Personen während der Gesundheitskrise um den neuartigen Coronavirus waren lediglich drei Parlamentarier anwesend: Premierminister Benjamin Netanjahu (Likud), der Vorsitzende der Zentrumsunion Blau-Weiß, Benny Gantz, und Knessetsprecher Yuli Edelstein.

Einheitsregierung Zuvor war Gantz vom Präsidenten offiziell das Mandat übergeben worden, eine Regierung zu bilden. Dafür hat er nun 28 Tage Zeit. Er versprach eine »nationale Regierung der Einheit mit einer Koalition, die so breit sein wird, wie es nur geht. Und zwar binnen Tagen«.

Noch ist nicht klar, ob er eine Minderheitenregierung des Mitte-Links-Blocks ohne 61 Sitze anstrebt, aber dafür mit Unterstützung der Vereinten Arabischen Liste von außen, oder eine Einheitsregierung aus Likud und Blau-Weiß.

Gantz sagte, er wolle das israelische Volk vom Coronavirus und dem Virus des Hasses befreien.

Gantz sagte, er wolle das israelische Volk vom Coronavirus und dem Virus des Hasses befreien. »Dies sind keine normalen Tage. Anführer müssen ihre persönlichen Erwägungen beiseite legen.« Er biete seinen Ellenbogen – Händeschütteln ist derzeit untersagt – und wolle die Wähler aller Parteien in seiner Regierung vertreten.

Kompromiss »Die Israelis sind von drei aufeinanderfolgenden Wahlen erschöpft«, machte Rivlin deutlich. »Politik ist weit davon entfernt, perfekt zu sein. Doch Politik soll die Kunst des Unmöglichen sein. Und oft braucht Politik die Kunst des Kompromisses. Denn das Herz der Demokratie liegt im Verständnis, dass der Kompromiss oft, so schmerzhaft er auch sein mag, der Wille des Volkes ist.«

Die derzeitige politische Krise sei »sehr real, sehr tief und bricht uns entzwei. Wir haben keine andere Wahl, denn wir haben kein anderes Volk und kein anderes Land. Wir sind dazu bestimmt, zusammen zu leben«, so Rivlin.

An Netanjahu und Gantz gewandt, mahnte er: »Gebt den Menschen eine Regierung!«.

Bürger In einem Telefonat zwischen Gantz und dem Vorsitzenden der Vereinten Arabischen Liste, Ayman Odeh, versicherte Gantz, dass er eine Regierung bauen wolle, die allen Bürgern des Staates Israel diene.

Der Abgeordnete Oded Forer von der Partei Israel Beiteinu, die Gantz auch als Premierminister vorgeschlagen hatte, brachte am Montag einen Gesetzesvorschlag ein. Der besagt, dass jeder Leiter einer Übergangsregierung zurücktreten muss, wenn er angeklagt wird. Netanjahu steht bereits in drei Fällen wegen Korruption unter Anklage.

Sicherheit

Unerlaubter Pilot an Bord: Maschine muss wieder umdrehen

Weil ein indonesischer Kapitän an Bord war, wurde einem Frachtflug von Ethiopian Airlines die Landung in Israel verweigert

von Sabine Brandes  13.10.2026

Krieg

Netanjahu fordert Ermittlungen gegen Soldaten im Film »NAZA«

Der Premier wirft den anonymen Beteiligten mögliche Straftaten im Zusammenhang mit der Weitergabe geheimer Informationen vor

von Sabine Brandes  13.10.2026

Interview

»Wenn wir weder denken noch irgendetwas tun müssen – was machen wir dann?«

Der israelische Mathematiker Assaf Hasson warnt vor oberflächlichen Antworten, undurchsichtigen Beweisen und einer Generation, die sich zu sehr auf Künstliche Intelligenz verlässt

von Sabine Brandes  13.10.2026

Oktoberfest

Wiesn am Mittelmeer

Die bayerische Festtradition wird in Israel neu interpretiert

von Sabine Brandes  13.10.2026

Glosse

Wir stehen zum Existenzrecht Pakistans!

Absurder als im rot-rot-grünen Berlin wird’s nicht mehr

von Philip Fabian  13.10.2026

Replik

Einspruch, euer Ehren!

Der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ging in diesem Jahr an Philippe Sands. Ausgerechnet ein Mann, dessen Autorität auf juristischer Präzision und universellen Maßstäben gründet, nimmt es mit dem Völkerrecht erstaunlich ungenau

von Leeor Engländer  13.10.2026

Medien

Israel verweigert »taz«-Korrespondentin Arbeitsvisum

Diaspora-Ministerium: »Antiisraelische Akteure und diejenigen, die Israel verleumden, sollten keinen Fuß in das Land setzen«

 13.10.2026

Israel

Ein Toter und 24 Verletzte bei Explosion von Blindgänger

Ein mutmaßlicher Blindgänger explodiert in Nordisrael. Es gibt ein Todesopfer und zahlreiche Verletzte. Berichten zufolge waren Schüler und ein Lehrer in der Gegend gewandert

 12.10.2026

Katharina von Schnurbein

»Ich habe das Gefühl, den richtigen Weg gegangen zu sein«

Die EU-Antisemitismusbeauftragte Katharina von Schnurbein wechselt von Brüssel nach Berlin. Sie folgt dort Felix Klein nach. Ein Porträt

von Michael Thaidigsmann  12.10.2026