Krieg Eiserne Schwerter

Familien in Panik nach Beginn der Bodenoffensive

Angehörige auf einer Demonstration am Samstagabend Foto: Flash90

Die Angehörigen der Geiseln, die von der Hamas in den Gazastreifen verschleppt wurden, haben die schlimmste Nacht seit drei Wochen erlebt. Das erklärte das Forum der gekidnappten und vermissten Familien am Samstag.

Zuvor waren Truppen der israelischen Armee mit Panzern in den Gazastreifen eingerückt. »Eine neue Phase des Krieges hat begonnen«, erklärte Verteidigungsminister Yoav Gallant nach dem Ende des Schabbats auf einer Pressekonferenz.

»IDF-Truppen manövrieren an den relevanten Orten und attackieren derzeit die Hamas-Stellungen, ob über- oder unterirdisch. Die Stärke der Angriffe erschüttert den Boden in Gaza, und es ist anders als alles, was die Hamas seit ihrer Gründung erlebt hat.«

Gallant führte aus, dass die israelischen Streitkräfte in Gaza alle Informationen und Unterstützungsfeuer erhalten würden, die sie benötigen. Die Operation sei präzise, tödlich und äußerst wirkungsvoll.

Er habe volles Vertrauen in den Stabschef, die Chefs von Inlandsgeheimdienst Schin Bet und Mossad sowie die Soldaten vor Ort. »Unsere Besten sind da.« Gallant betonte, dass Israel den Krieg nicht ausweiten wolle, aber bereit sei, dies zu tun, sollte sich jemand anderes einmischen.

Familien wollen Deal »Alle für Alle«

Währenddessen stieg die Angst der Familien der Geiseln ins Unermessliche. Sie verlangten nach dem Beginn der Bodenoffensive eine sofortige Zusammenkunft mit dem Ministerpräsidenten, die ihnen am Samstagnachmittag auch gewährt wurde.

Vertreter der Familien hätten dem Premierminister folgende Botschaft überbracht: »‚Alle für Alle‘ ist ein Deal, den die Familien akzeptieren würden und einer, der breite Unterstützung in der israelischen Bevölkerung hat. Bringt sie alle nach Hause. Jetzt!«

Die Familien verlangten auch, dass Netanjahu sicherstelle, dass die operativen Einsätze der Armee zuallererst das Schicksal der Geiseln in Betracht zieht. »Wir haben Klartext geredet«, sagte Merav Leshem Gonen im Anschluss an das Treffen. Sie ist die Mutter von Romi Gonen (23), die von der Hamas bei dem Nova-Festival gekidnappt wurde.

»Es ist sehr hart für uns. Drei Wochen sind vergangen, die wir ohne jegliches Lebenszeichen von unseren Liebsten sind. Und jetzt hören wir von Panzern, die in Gaza eingerückt sind. Wir sind zutiefst besorgt.«

»Lasst sie nicht ein zweites Mal im Stich!«

familien der geiseln in gaza

Yahia Sinwar, der Führer der Hamas im Gazastreifen, erklärte am späten Samstagabend, seine Organisation sei angeblich »zu einem sofortigen Abkommen über den Gefangenenaustausch bereit. Alle Gefangenen gegen alle Gefangenen«.

Mit »Alle für Alle« ist ein Austausch der 230 zivilen Geiseln sowie Soldatinnen und Soldaten gegen die mehr als 6000 palästinensischen Gefangenen in israelischen Gefängnissen gemeint. Darunter sind viele Terroristen und verurteilte Mörder.

Benny Gantz, Mitglied des Kriegskabinetts, versicherte, dass Israel »alle Anstrengungen« unternehme, um die Geiseln zurückzubringen. Gantz, ein ehemaliger IDF-Stabschef und Verteidigungsminister, meint, die Bodenoperation in Gaza könne dazu beitragen. Er fügte hinzu, dass die gesamte israelische Führung das Ausmaß der Mission »versteht und entschlossen ist, die Gefangenen nach Hause zu holen«.

Krieg ist zweiter Unabhängigkeitskrieg

Netanjahu sagte, dass sich Israels Ziel, die Hamas im Gazastreifen zu zerstören, nicht ändern werde. Die Ausweitung der Bodenoperationen der IDF in Gaza stünde der Rückführung der Geiseln angeblich nicht im Weg. »Dieser Krieg ist unser zweiter Unabhängigkeitskrieg. Wir werden für die Verteidigung des Heimatlandes kämpfen. Wir werden kämpfen und uns nicht zurückziehen.«

Die Familien flehten währenddessen um die Freilassung der Geiseln mit Plakaten, auf denen stand: »Lasst sie nicht ein zweites Mal im Stich«. Verantwortung für das Scheitern der Sicherheitsdienste am 7. Oktober übernahm Netanjahu auch dieses Mal nicht. Er wiederholte das, was er bereits vor einigen Tagen gesagt hatte: »Alle werden Antworten geben müssen, auch ich«. Jetzt aber »muss ich unser Land retten«.

Gallant betonte abschließend: »Je härter die Schläge, die Israel der Hamas versetze, desto größer seien die Chancen, dass die Terrororganisation der Freilassung von Geiseln zustimme. «Dies wird kein kurzer Krieg sein. Es wird ein langer Krieg sein. »Denn es sind entweder wir oder sie«.

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