Medien

Faktencheck: Warum die Vorwürfe gegen einen »Welt«-Reporter absurd sind

Ein Regionalzug in Tel Aviv (Symbolfoto) Foto: picture alliance / AA

Bei einem Terroranschlag auf einer Autobahn nahe Jerusalem ist am 22. Februar 2024 mindestens ein Israeli getötet worden. Der Israel-Korrespondent Max Hermes erklärte in einer Interviewschalte des Nachrichtensenders »Welt« die Situation vor Ort.

Nun wird in sozialen Medien mit Verweis auf einen vorbeifahrenden Zug der Vorwurf erhoben (zugehöriges Video), der Reporter halte sich gar nicht im Nahen Osten auf, sondern in Deutschland.

Bewertung

Falsch. Der Journalist ist in Israel, am besagten Tag in Aschkelon im Süden des Landes. In Israel fahren auch die in Deutschland bekannten Doppelstockzüge.

Fakten

Am 22. Februar berichtete (ab 3:30:49) der Fernsehsender »Welt« über den Terroranschlag nahe Jerusalem. Zugeschaltet in die Live-Sendung war ab 10.30 Uhr Max Hermes, »der direkt in Israel ist«, wie die Moderatorin ihren Kollegen ankündigte. Weil im Hintergrund während des Gesprächs ein roter Doppelstockzug vorbeifuhr, meinen einige, Hermes habe sich in Deutschland befunden.

Der Journalist wurde später am Tag erneut für einen »Welt«-Beitrag live interviewt (ab 8:12:26). Dabei stand er neben einem Gebäude. »Max Hermes, unser Reporter zugeschaltet aus Aschkelon«, sagte der Moderator ab 15.12 Uhr.

Auf Anfrage des dpa-Faktencheck-Teams bestätigte die Kommunikationsabteilung der »Welt« am 28. Februar 2024, dass sich Hermes in Israel aufhält. Für die Schalten am 22. Februar habe er an der Autobahn nahe der südisraelischen Stadt Aschkelon angehalten. Genaue Geodaten seien allerdings nicht vorhanden. Für beide Gespräche hatte er relativ unauffällige Standorte gewählt.

Die in Deutschland weit verbreiteten Doppelstockzüge verkehren auch in Israel. Der 2021 vom französischen Unternehmen Alstom übernommene, bis dahin deutsche Hersteller Bombardier Transportation berichtete in den vergangenen Jahren mehrmals über Lieferungen von Doppelstockwagen der Bauart Twindexx an die israelische Eisenbahngesellschaft ISR - etwa 2018 und 2019.

Auftritte nachweisbar in Israel

Wie Videos auf Hermes‘ Instagram-Account zeigen, hielt sich der jahrelange »Welt«-Reporter in den vergangenen Wochen in Israel auf. Ein am 21. Februar hochgeladener Beitrag zeigt ihn vor dem Gebäude der Knesset in Jerusalem. Ein Clip vom 27. Februar entstand im Zentrum der Stadt Nablus im Westjordanland.

Zudem gab es weitere Auftritte bei »Welt« aus Israel. In einer Live-Schalte am 21. Februar zum Beispiel fuhr Hermes mit einem israelischen Reisebus (erkennbar an der hebräischen Schrift an der Fensterscheibe) durch Jerusalem. Dass er dabei unter anderem die Ramallah Street passierte, ist aus einem Vergleich mit jahrealten Aufnahmen in Google Street View möglich: Das Gebäude im Hintergrund bei Minute 2:13 ist dieses Haus an der Ecke Jisr A-Naft Street.

Bei dem Anschlag auf der Autobahn zwischen der Siedlerstadt Maale Adumim und Jerusalem sind nach Polizeiangaben drei palästinensische Täter während eines Staus aus ihren Fahrzeugen ausgestiegen und haben mit automatischen Waffen auf Menschen in ihren Autos geschossen. dpa

Links

»Tagesschau«-Artikel über Terroranschlag auf Autobahn (archiviert)

»Welt«-Programm am 22.2.2024, Hermes-Beiträge über Terroranschlag ab 3:30:49 und 8:12:26

Hermes‘ Instagram-Beitrag aus der Knesset (archiviert)

Hermes‘ Instagram-Beitrag aus Nablus

Bombardier Transportation über Twindexx-Lieferungen 2019 (archiviert)

Bombardier Transportation über Twindexx-Lieferungen 2018 (archiviert)

Hermes im »Welt«-Gespräch am 21.2.2024

Gebäude in der Jerusalemer Ramallah Street (archiviert)

Facebook-Post mit Falschbehauptung (Post archiviert, Video archiviert)

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