Yom Haatzmaut

Fackelträgerin Emily Damari: »Es ist für Gali und Ziv«

Jom Haatzmaut 2024 in Jerusalem Foto: copyright (c) Flash90 2024

Für die meisten Israelis ist es eine besondere Ehre, Fackelträger zu sein. Auch in diesem Jahr sind Personen auserwählt, die in der kommenden Woche bei der Staatszeremonie zum 77. israelischen Unabhängigkeitstages am Herzlberg in Jerusalem ein Licht entzünden werden. Verkehrsministerin Miri Regev, die die Veranstaltung im zweiten Jahr organisiert, gab jetzt die Namen bekannt.

Das Motto des diesjährigen offiziellen Teils des Yom Haatzmaut lautet »Brücken der Hoffnung«. Nach Angaben der Regierung sollen die Fackeln von Menschen entzündet werden, »die durch ihr Handeln zeigen, dass das, was die Israelis verbindet, größer ist als das, was sie trennt«. Es wurden Tausende von Empfehlungen abgegeben. Das entscheidende Komitee ist weiterhin dabei, die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auszuwählen. In diesem Jahr könnten es bis zu 36 Personen sein.

Einige Namen sind bereits bekannt: Unter ihnen sind zwei ehemalige Geiseln, die die Hamas-Gefangenschaft überlebt haben, der israelisch-amerikanische Basketballspieler Deni Avdija, der zehnjährige Israel-Aktivist Ben Carasso, die Heldin des 7. Oktobers, Rachel Edry aus Ofakim, und der umstrittene US-Journalist Ben Shapiro.

Vorbild für die israelische Jugend

Avdija, der im NBA-Draft 2020 als Neunter ausgewählt wurde – der höchste Wert aller Israelis in der US-Basketballgeschichte – legte gerade eine herausragende Saison bei den Portland Trail Blazers hin. »Deni ist ein Vorbild für die israelische Jugend und ein Beispiel dafür, wie man nach höchsten Höhen streben kann, ohne seine Wurzeln, seine Werte oder seine nationale Verantwortung zu verlieren«, sagte Regev über ihn.

Ben Carasso ist erst zehn Jahre alt, und dennoch startete er nach dem 7. Oktober gemeinsam mit seiner Mutter eine PR-Tour für Israel und sprach über seine Erfahrungen als Kind im Krieg.

Rachel Edry wurde berühmt, als sie während des Hamas-Massakers fünf Terroristen, die in ihr Haus eingedrungen waren, Kekse servierte und sie mit Scherzen unterhielt, bis die Sicherheitskräfte sie nach 15 Stunden erschießen konnten. Rachel und ihr Mann blieben unverletzt. Die Verkehrsministerin findet: »Selbst Autoren mit der größten Fantasie könnten keine so wunderbare Figur wie Rachel aus Ofakim erfinden. Eine mutige, sensible Frau, die es mit Intelligenz, Mut und Keksen schaffte, die Terroristen auszutricksen und zur Heldin einer ganzen Nation zu werden.«

Eine der befreiten Geiseln ist Emily Damari. Die 28-Jährige wurde am 7. Oktober aus ihrem Haus in Kfar Aza von Terroristen der Hamas verschleppt. Während ihrer Entführung wurde sie aus nächster Nähe angeschossen, wodurch sie zwei Finger verlor und am Bein verletzt wurde. Nach ihrer Freilassung aus Gaza 471 Tage später streckte sie ihre verletzte Hand in die Höhe – als Zeichen ihres Sieges, wie sie selbst sagte. Anschließend wurde Emilys Hand zum nationalen Symbol des Überlebens und Widerstands.

Ehemalige Geisel: »Ich kann meine Aufregung kaum in Worte fassen.«

Als Reaktion auf ihre Auswahl veröffentlichte sie ein Video auf Instagram: »Vor genau drei Monaten bin ich, eingehüllt in die [israelische] Flagge, aus der Hamas-Gefangenschaft zurückgekehrt und aus der Dunkelheit ins Licht gekommen.« Und nun sei ihr mitgeteilt worden, dass sie eine Fackel anzünden werde. »Ich werde es für Gali und Ziv [Berman, die weiterhin in der Gewalt der Hamas in Gaza sind] und 57 weitere Geiseln tun, die darauf warten, zu ihren Familien zurückzukehren«, sagte die junge Frau. »Mir wurde das Privileg zuteil, und ich kann meine Aufregung kaum in Worte fassen.«

Die andere ehemalige Geisel Eli Sharabi, ein 52-jähriger Bewohner des Kibbuz Be’eri, war mit Lianne verheiratet, die aus Großbritannien nach Israel eingewandert war. Das Paar hatte zwei Töchter, Noya (16) und Yahel (13). Am 7. Oktober wurden alle drei in ihrem Haus von Terroristen der Hamas ermordet. Eli selbst wurde zusammen mit seinem Bruder Yossi entführt. Später wurde klar, dass Yossi in Gaza getötet worden war.

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Trotz seines unfassbar schweren Schicksals setzt sich Sharabi unermüdlich für die Freilassung der restlichen Geiseln ein. Er teilte seine Erfahrungen in Gaza kürzlich in einem erschütternden Interview und wurde von US-Präsident Donald Trump ins Weiße Haus eingeladen.

Viele der Aussagen von Ben Shapiro sind höchst umstritten

Regev gab auch bekannt, dass Ben Shapiro ausgewählt wurde. Der ultrakonservative US-Kommentator und Autor hat 20 Millionen Instagram-Follower und gilt als einer der prominentesten internationalen Unterstützer Israels und als eine der einflussreichsten jüdischen Stimmen weltweit.

Allerdings sind viele seiner Aussagen äußerst umstritten. So bezeichnete Shapiro Frauen, die eine Abtreibung hatten, als »Babymörderinnen«, Homosexualität als »psychische Krankheit« und Transgender als »psychisch gestört«. Er sprach sich auch gegen Abtreibungen in Fällen von Vergewaltigung oder Inzest aus.

LGBTQ-Organisationen und Frauenrechtsgruppen forderten die Regierung auf, seine Teilnahme abzusagen. Die israelische LGBTQ-Jugendgruppe IGY verurteilte die Entscheidung als »demütigende Botschaft an queere Jugendliche«, während die Frauenlobby sie als »Beleidigung für Frauen in Israel« bezeichnete. Trotz öffentlicher Kritik bestätigte Shapiro am Montag seine Absicht, teilzunehmen. »Ich werde stolz sein, die Fackel zu entzünden«, machte er klar.

Yardena Arazi: »Die Fackelzeremonie ist zwar eine Staatszeremonie, aber wir befinden uns keinesfalls in einer staatsmännischen Zeit.«

Verkehrsministerin Miri Regev, die bereits im vergangenen Jahr die Feierlichkeiten zum Unabhängigkeitstag organisierte, sieht seine Teilnahme nicht als problematisch an. Sie erklärte: »Ben Shapiro ist einer der größten Unterstützer des Staates Israel weltweit. In seinen Jahren in den Medien und insbesondere seit Kriegsbeginn hat er seine unerschütterliche Unterstützung für Israel, die Rechtschaffenheit unseres Weges und unser Recht auf Selbstverteidigung unter Beweis gestellt.«

Die legendäre israelische Sängerin Yardena Arazi gab bekannt, dass sie zwar eingeladen worden sei, Fackelträgerin zu sein, eine Teilnahme jedoch abgelehnt habe. An die Regierung gerichtet erklärte sie: »Die Fackelzeremonie ist zwar eine Staatszeremonie, aber wir befinden uns keinesfalls in einer staatsmännischen Zeit.«

»Ich bin Bürgerin des Staates, und die alltägliche Realität liegt mir im Blut. Es schmerzt mich, und ich wünsche mir bessere und vereintere Zeiten, in denen Staatskunst als Wert zurückkehrt, der die israelische Öffentlichkeit leitet«, fuhr sie fort. Mehr als jede Zeremonie oder aufregende Position wünsche sie sich allerdings, »dass die Geiseln zu uns zurückkehren«. Sie schloss mit einer Zeile aus einem ihrer Lieder: »Noch ist nicht alles gegeben, was uns vor langer Zeit versprochen wurde.«

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