Israel

Extremisten greifen an

Zusammenstoß zwischen einem rechten Aktivisten und einem Polizisten Foto: Flash 90

Die Auseinandersetzungen zwischen extremistischen Siedlern und der israelischen Regierung gehen in die zweite Runde. Donnerstagmorgen räumte die Armee zwei illegale jüdische Ansiedlungen in der Westbank. Am Montag zuvor hatten wütende Horden von Siedlern Armeebasen und -fahrzeuge angegriffen. In Jerusalem zündeten sie eine Moschee an und schmierten Hassparolen auf Wände. Premierminister Benjamin Netanjahu stimmte einem Notfallprogramm zu, um die eskalierende Gewalt von Rechts in den Griff zu bekommen.

Schon länger hatten politische Experten die Armee gewarnt, dass es zu Übergriffen extremer Siedlergruppen kommen könne. Von militärischer Seite indes geschah nicht viel in Sachen Prävention. So wurden die Soldaten am Montag und Dienstag von den Angriffen überrascht. Eine Gruppe von 40 bis 50 jungen Leuten stürmte die Basis Ephraim im Westjordanland, schleuderte Steine und Farbbeutel, schlitzte Reifen auf und warf Fensterscheiben ein, um gegen die bevorstehende Evakuierung ihrer illegalen Siedlung zu protestieren. Dutzende andere wüteten kurze Zeit später in der Nähe und verletzten dabei einen Offizier leicht.

Militärgericht »Wer auch immer seine Hand gegen einen israelischen Polizisten oder Soldaten erhebt, wird hart bestraft«, erklärte Netanjahu im Anschluss an die Attacken. Die Regierung stimmte auf Anraten von Sicherheitsminister Yitzhak Aharonovitch und Justizminister Jaakov Neeman einigen Schritten zur Eindämmung der Gewalt zu, darunter der Verurteilung von Randalierern durch Militärgerichte und der Verbannung bestimmter Personen aus dem Westjordanland. Die rechten Angreifer als »Terroristen« zu bezeichnen, lehnte Netanjahu indes ab.

Bei der Evakuierung der Fünf-Häuser-Ansiedlung Mitzpe Yitzhar in den frühen Morgenstunden kam niemand zu Schaden. Allerdings hatten sich die Hundertschaften vorher durch eine mit Nägeln und Steinen präparierte Straße kämpfen müssen. Um Ausschreitungen zu vermeiden, war die gesamte Gegend zur eingeschränkten militärischen Zone erklärt worden. Massenansammlungen von gewaltbereiten Siedlern konnte auf diese Weise vorgebeugt werden. Ein Ende des Konflikts ist vorerst nicht abzusehen. Die ehemaligen Bewohner von Mitzpe Yitzhar erklärten, »für jedes abgerissene Haus werden hier zwei neue gebaut. Wir haben keine Angst.«

In den vergangenen Monaten war die Gewalt extremistischer Siedler zusehends eskaliert. Mehrfach beschädigten Krawallmacher die Autos von Friedensaktivisten, malten antiarabische oder antilinke Slogans auf Häuserwände und zündeten Moscheen in sogenannten Preisschild-Aktionen an. Mit derartigen Angriffen wollen die Rechtsextremen gegen die Evakuierungen ihrer illegalen Siedlungen in der Westbank protestieren.

Reaktion Emmanuel Nahshon, Geschäftsträger der Botschaft des Staates Israel in Deutschland, sagte in einer Erklärung: »Der Angriff jüdischer Extremisten auf eine Militärbasis der Israelischen Verteidigungsstreitkräfte und israelische Soldaten und der Akt des Vandalismus gegen eine Moschee in Jerusalem sind kriminell und schändlich.« Diese Extremisten missachteten die fundamentalen Regeln der Gesellschaft: Demokratie, Toleranz, Dialog und Pluralismus. »Sie haben gefährliche nationalistische Ansichten entwickelt und eine Ideologie, die keinen Platz lässt für Kompromisse und Toleranz. Die Täter sollten festgenommen und zur Rechenschaft gezogen werden.«

Diplomatischer Konflikt

Streit um russisches Schiff in Haifa: Ukraine bestellt Israels Botschafter ein

Der ukrainische Außenminister Sybiha beschwert sich über »illegalen Handel mit gestohlenem ukrainischem Getreide«. Sein israelischer Kollege Sa’ar weist dies zurück, kündigt aber eine Prüfung an

 28.04.2026

Jerusalem

Neue Allianz von Lapid und Bennett knapp vor Likud

Trotz des Vorsprungs würde sich an den politischen Machtverhältnissen insgesamt kaum etwas ändern

 28.04.2026

Tel Aviv

Generalstabschef warnt vor Disziplinverlust in der Armee

Eyal Zamir spricht in Zusammenhang mit dem Fehlverhalten einiger Soldaten von einem »offenen Widerspruch zu den Grundsätzen der Streitkräfte«

 28.04.2026

Krieg

IDF greift Hisbollah-Ziele im Libanon an

Die Terror-Miliz hatte zuvor israelische Soldaten angegriffen

 27.04.2026

Berlin

»Ich will mich nicht verstecken«

Ron Dekel wurde angepöbelt, weil er eine Kippa trug. Ein Video davon ging viral, er wurde im Netz beleidigt, man lauerte ihm vor der Synagoge auf. Hier spricht der Präsident der Studierendenunion darüber, was ihm passiert, seitdem er sich sichtbar als Jude zeigt

von Mascha Malburg  27.04.2026

Jerusalem

Israel ernennt ersten Botschafter für Somaliland nach Anerkennung der Region

Einen Botschafter Somalilands in Israel gibt es bereits. Im Januar wurde Mohamed Hagi für den posten ernannt

 27.04.2026

Nord-Israel

Wegen Hisbollah-Angriffen: Beschränkungen im Norden wieder eingeführt

Das Lag-BaOmer-Fest auf dem Berg Meron kann in diesem Jahr nicht in gewohnter Form stattfinden

 27.04.2026

Nahost

Verdrehte Moral

Es ist geradezu atemraubend, mit welcher Inbrunst das Opfer-Täter-Verhältnis hierzulande verkehrt wird, wenn es um Israels Reaktion auf islamistische Terrororganisationen geht

von Jacques Schuster  27.04.2026 Aktualisiert

7. Oktober

Der Angriff auf den Kibbuz Holit: Erst Nachmittags kam Hilfe

IDF-Bericht: Rund 60 palästinensische Terroristen dringen am frühen Morgen in das Areal ein. Bei dem Massaker werden 13 Zivilisten ermordet. Neun Bewohner werden als Geiseln verschleppt

 27.04.2026