Kein Frieden ohne Religion, kein Dialog ohne starke Identität: Zu diesem Schluss kamen die Teilnehmer einer Podiumsdiskussion der Generalversammlung der orthodoxen Europäischen Rabbinerkonferenz (CER) in Jerusalem am Dienstagabend. Die Verbundenheit mit dem Schöpfer sei »der einzige Weg«, untereinander Verbindungen zu schaffen, sagte der israelische Minister für Jerusalem-Angelegenheiten und Kulturerbe, Amichai Elijahu, von der rechtsextremen Partei »Jüdische Stärke«.
Zwar könne Religion missbraucht werden, um Extremismus zu stärken, jedoch könne Religion nicht mit Extremismus gleichgesetzt werden, so Elijahu. Der Kommunismus etwa sei ein Beispiel dafür, dass Extremismus ohne Religion auskomme. Der rechtsextreme Politiker kritisierte das »westliche Konzept der Mediation«, in dem Dialog darauf beruhe, dass jeder so viel von seiner Identität aufgebe, bis man sich in einer nebulösen Leere befinde.
Nicht nur kleinster Nenner
Interreligiöser Dialog dürfe nicht auf der Vorliebe für ein Glas Wasser oder für Falafel als kleinstem gemeinsamen Nenner beruhen. Elijahu plädierte stattdessen für eine starke Identität der Gesprächspartner, die zu einer intensiven Diskussion und schließlich zu tiefen Verbindungen führe.
Auch der reformierte deutsche Theologe und Religionswissenschaftler Thomas Paul Schirrmacher kritisierte die verbreitete Suche nach einem kleinsten gemeinsamen Nenner, der durch jeden neuen Teilnehmer im interreligiösen Dialog »immer kleiner« werde. Er forderte die Religionen auf, für ihre Wahrheit einzustehen und zu ihrer Identität zu stehen. Schirrmacher, der weiten Teilen »auch der christlichen Welt« vorwarf, nach dem Hamasangriff auf Israel aus dem Opfer Israel einen Täter gemacht zu haben, warb für ein »Abraham-Abkommen« der Religionen, analog zu den von Israel initiierten politischen Abraham-Abkommen.
Aus Sicherheit nach Jerusalem verlegt
Das interreligiöse Panel »Glaube, Sicherheit und friedliches Zusammenleben«, an dem ursprünglich auch das spirituelle Oberhaupt der Drusen in Israel, Scheich Mowafak Tarif, sowie der Lateinische Patriarchalvikar für Israel, Bischof Rafic Nahra, als katholischer Vertreter teilnehmen sollten, war Teil des Programms der 33. CER-Generalversammlung, die bis Mittwoch dauert. Ursprünglich hätte sie im vergangenen November in der aserbaidschanischen Hauptstadt Baku stattfinden sollen, war aber wegen Bedrohungen aus dem Iran abgesagt und schließlich nach Jerusalem verlegt worden.
Die CER vertritt nach eigenen Angaben rund 1.000 Mitglieder und 800 aktive Rabbiner. Sie wurde 1956 in Großbritannien gegründet, mittlerweile hat sie ihren Hauptsitz in München. CER-Präsident ist der ehemalige Oberrabbiner von Moskau, Pinchas Goldschmidt, der auch Träger des Internationalen Aachener Karlspreises ist.