Sicherheit

»Europäer suchen eine Balance«

Amira Halperin über den Anschlag von Istanbul und Flughäfen in Israel

von Sabine Brandes  04.07.2016 17:58 Uhr

Amira Halperin Foto: privat

Amira Halperin über den Anschlag von Istanbul und Flughäfen in Israel

von Sabine Brandes  04.07.2016 17:58 Uhr

Frau Halperin, Sie forschen schon lange zu den Themen Nahostpolitik, Radikalisierung im Islam und Sicherheit. War der Anschlag auf den Flughafen von Istanbul vorhersehbar?
Ja, das war er. Einerseits, weil die Türkei in den derzeitigen Konflikt in der Nahostregion involviert ist. Andererseits spielte das Aussöhnungsabkommen zwischen Jerusalem und Ankara eine Rolle – obwohl es erst unmittelbar davor unterzeichnet wurde.

Der Flughafen von Istanbul gilt als streng überwacht. Dennoch töteten und verletzten die Terroristen zahlreiche Menschen. Was haben die Behörden dort und auch wenige Monate zuvor in Brüssel falsch gemacht?
Wenn man die Situation mit Israel vergleicht, ist es leicht zu erkennen. Am Ben-Gurion-Flughafen in Israel sind die Sicherheitsvorkehrungen extrem engmaschig. Überall sind klar erkennbar Sicherheitskräfte aufgestellt, dazu gibt es Personal in Zivil. Kein anderes Land hat auf diesem Niveau Vorkehrungen getroffen und daher so sichere Flughäfen.

Welche Maßnahmen sind in Israel besonders wirkungsvoll?
Israel hat Maßnahmen für die Sicherheit getroffen, die es woanders nicht gibt. Zum einen findet bereits bei der Anreise mit dem Auto die erste Befragung statt. Auch das Racial Profiling hat einen enormen Anteil an der Sicherheit. Die Behörden prüfen jeden Besucher oder Passagier sorgfältig. Die ausgeklügelte Geheimdienstarbeit ist essenziell, um Anschläge zu verhindern. Israel sammelt in vielen Fällen vorher Informationen über Menschen, die am Flughafen ankommen oder von dort abreisen.

Ist Racial Profiling in Städten wie Istanbul überhaupt möglich? In Europa wird die Methode oft als rassistisch bezeichnet.
Es ist definitiv sehr schwierig, es an solchen Orten anzuwenden. Stimmt, die meisten Länder Europas wollen ihre muslimische Gemeinschaft nicht verärgern. Dennoch versucht man derzeit, intensivere Geheimdienstarbeit zu leisten, um ankommende muslimische Flüchtlinge, die eventuell radikalisiert sind, vor ihrer Ankunft herauszufiltern. Mit guter Geheimdienstarbeit kann viel erreicht werden.

Sind die Flughäfen in Europa überhaupt sicherer geworden?
In den vergangenen Jahren hat sich einiges geändert, es gibt mehr Sicherheit, und neue Regeln sind eingeführt worden. Aber es ist erst der Anfang. Außerdem versuchen die Europäer, eine Balance zwischen dem Bedürfnis nach Sicherheit einerseits sowie Toleranz und Liberalität andererseits zu finden. Das ist nicht einfach.

Wird man nach den jüngsten Anschlägen die israelischen Methoden übernehmen?
Definitiv lassen sich schon heute einige Flughäfen von israelischen Experten beraten. Das wird sicher zunehmen. Denn es braucht Änderungen. Leider wird der Terror in der nächsten Zeit nicht verschwinden.

Mit der Politologin von der Hebräischen Universität Jerusalem sprach Sabine Brandes.

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