Redezeit

»Es gibt jede Menge Bedarf«

Die israelische Designerin Amanda Kremer über züchtige Badekleider, stylisches Synagogen-Zubehör und trendige Mode für Rabbiner

von Sabine Brandes  03.12.2012 09:47 Uhr

Würde gern Inneneinrichtungen von Synagogen designen: Amanda Kremer Foto: privat

Die israelische Designerin Amanda Kremer über züchtige Badekleider, stylisches Synagogen-Zubehör und trendige Mode für Rabbiner

von Sabine Brandes  03.12.2012 09:47 Uhr

Frau Kremer, Sie sind eine traditionelle Jüdin mit einem ganz unkonventionellen Blick auf Stil. Wie kommt das?
Ich bin im belgischen Antwerpen geboren und aufgewachsen. Das ist eine sehr modebewusste Stadt. Auch in meiner Familie spielt Mode eine große Rolle, obwohl meine Eltern Charedim sind. Überhaupt hat mein ganzer Werdegang damit zu tun.

Jetzt leben Sie in Givat Schmuel in Israel. Geht man da anders mit Mode um?
Ja, es ist völlig anders (lacht). Es gibt hier eine Menge Arbeit für mich. Doch die Israelis sind aufgeschlossener geworden, was Stil betrifft. Sie reisen heute mehr um die Welt, verstehen Mode besser und wissen sie auch zu schätzen.

Was designen Sie?
Begonnen habe ich mit Babyzubehör, etwa mit Namen bestickte Decken, später kamen Judaica dazu. Heute gehören auch viele Accessoires für die Synagoge in meine Kollektion, wie Tallit-Taschen oder Bezüge für den Siddur.

Sie haben sich einen Namen mit stylischem Synagogen-Zubehör gemacht, zum Beispiel Beutel für den Tallit aus Gucci-Stoff, mit Luis-Vuitton-Logo und Ähnlichem.
Die Taschen sind ein netter Gimmick. Sie bringen Spaß in die Synagoge.

Sind Spaß und Stilbewusstsein an diesem Ort nicht etwas fehl am Platz?
Nein, für mich ist das überhaupt nicht paradox. Es gibt sicherlich Leute, denen das nicht gefällt, doch meiner Meinung nach passt es wunderbar zusammen. Auch Menschen, die in den Gottesdienst gehen, wollen gut aussehen, samt Accessoires. Deren Design allerdings hinkt oft ziemlich hinterher.

Und diese Eitelkeit ist kein Widerspruch zum Gebot der Sittsamkeit?
Nein, warum denn? Man trägt doch auch einen guten Anzug zum Gottesdienst oder einen hübschen Rock. Weshalb nicht auch einen schönen Bezug für das Gebetbuch, farblich passend zum Kleid? Eine Mutter erzählte mir vor Kurzem, dass ihre Tochter viel mehr betet, seit ihr Siddur in einer bunten Hülle von mir steckt. Das ist doch großartig.

Woher bekommen Sie Ihre Einfälle?
Ich schaue mich einfach in meiner Umgebung um und sehe, wo etwas fehlt. Denn ich mag nichts kreieren, was es schon gibt, sondern brauche eine Nische. Wie jetzt bei meiner Kollektion mit züchtiger Bademode. Ich konnte einfach diese langen schwarzen Badekleider nicht mehr ertragen, die man überall sah. Ich habe also Ärmel und Röcke gekürzt und sehr viel Farbe eingesetzt.

Wie kommt das an?
Ganz hervorragend. Es scheint, als hätten die Leute nur darauf gewartet. Mittlerweile gibt es schon die zweite Kollektion.

Haben Sie andere Ideen zur Verschönerung des religiösen Lebens?
Passend zu meinen Accessoires würde ich wahnsinnig gern die Inneneinrichtungen von Synagogen designen. Da gibt es wirklich jede Menge Bedarf. Ich liebe es einfach, wenn alles zueinander passt und schön aussieht.

Mit einem trendigen Rabbiner in perfektem Zwirn dazu?
Oh ja, das wäre wirklich ein Traum!

Mit der israelischen Designerin sprach Sabine Brandes.

www.amanda-k.com

Reaktionen

»Ein historischer Moment«

Jüdische Verbände begrüßen Deal zwischen Israel und den Arabischen Emiraten

von Michael Thaidigsmann  14.08.2020

Nahost

Diplomatische Sensation

US-Präsident: Vereinigte Arabische Emirate erkennen Israel an und nehmen diplomatische Beziehungen auf

von Michael Thaidigsmann  13.08.2020

Archäologie

Früheste Funde zu Feuerbestattungen

Israelische und französische Forscher finden im nördlichen Jordantal Hinweise auf Primärkremation vor 9000 Jahren

 13.08.2020

Gedenken

Israelische Kampfflugzeuge erstmals in Deutschland

Zum ersten Mal überhaupt werden Maschinen der israelischen Luftwaffe nächste Woche in Deutschland erwartet

 13.08.2020

Jerusalem

Tourismus unter strengen Auflagen

Maximal 600 Israelis pro Woche sollen demnächst nach Griechenland reisen dürfen – allerdings nicht überallhin

 13.08.2020

Israel

Einwanderung vor dem Abschluss

Noch in diesem Jahr sollten 4000 der in Addis Abeba und Gondar wartenden Falaschmura ins Land geholt werden

 13.08.2020

Libanon

Hoffnung für den Norden

Die Explosion im Hafen von Beirut schwächt die Terrormiliz Hisbollah – das macht einen Krieg mit Israel unwahrscheinlicher

von Pierre Heumann  13.08.2020

Nachrichten

Wanderer, Luftraum, Abschied

Kurzmeldungen aus Israel

von Ingo Way  13.08.2020

Israel

Hackerattacke vereitelt

Verteidigungsministerium wehrt mutmaßlich von Nordkorea aus über das Netzwerk LinkedIn lancierten Angriff ab

 13.08.2020