Interview

»Erst mal die Wahl gewinnen«

Gilad Erdan Foto: Flash 90

Interview

»Erst mal die Wahl gewinnen«

Gilad Erdan über ein neues Parlament, Koalitionen und politische Perspektiven in Israel

von Detlef David Kauschke  08.12.2014 17:23 Uhr

Herr Minister, Israel steht nach Ministerentlassungen erneut vor Neuwahlen. Geht es dabei um Posten oder Positionen?
Ganz klar geht es nur um Inhalte. Denn der Premierminister könnte ganz einfach weitere drei Jahre im Amt verbleiben, die nächsten Wahlen waren erst für November 2017 geplant. Und er hatte auch schon einigen Gesetzentwürfen des bisherigen Finanzministers Yair Lapid zugestimmt, zum Beispiel dem Projekt der Null-Mehrwertsteuer bei Wohnungskäufen. Aber als der Premierminister zur Kenntnis nehmen musste, dass Lapid gleichzeitig versuchte, ihn in der Knesset und unter Umgehung des Wählerwillens aus dem Amt zu drängen, war das Maß voll. Immer wieder kam aus den Reihen der Koalition bei Fragen nationaler Bedeutung heftige Kritik, wie dem Wohnungsbau in Jerusalem oder der Aberkennung der israelischen Staatsbürgerschaft von Terroristen in Jerusalem. Das ist inakzeptabel. Insofern hatte Netanjahu keine andere Möglichkeit, als sich von ihm zu trennen.

Muss Netanjahu jetzt erst einmal um die Macht im Likud kämpfen? Es heißt, Gideon Sa’ar könnte ihm den Platz an der Parteispitze streitig machen.
Das berichten vor allem liberal-säkulare linke Medien in Israel. Sie wollen immer über Alternativen zu Netanjahu diskutieren. Aber ich bin optimistisch, dass er Parteichef und Premierminister bleibt, obwohl man einen Wahlausgang nie prognostizieren kann. Wir müssen die Öffentlichkeit jetzt davon überzeugen, dass unser Weg der bessere für die Zukunft Israels ist.

Welche politischen Partner bieten sich an?
Netanjahu hat bereits nach den Wahlen 2012 versucht, die Regierungskoalition möglichst breit aufzustellen. Er hatte selbst Schelly Jachimowitsch von der Arbeitspartei das Finanzministerium angeboten. Bedauerlicherweise lehnte sie damals ab. Wenn er nun nach den Wahlen die Chance erhält, auch die nächste Koalition zusammenzustellen, denke ich, dass er sich an alle zionistischen und ultraorthodoxen Parteien wenden wird.

Wieder Wahlkampf: Bleiben nun wichtige politische Entscheidungen liegen?
Nach der Entscheidung für Neuwahlen sind wir natürlich in unseren Entscheidungsmöglichkeiten eingeschränkt, aber wichtige politische Fragen werden auf jeden Fall behandelt.

Sie haben das Innenressort erst vor wenigen Wochen übernommen. Wurden Sie persönlich von der Entwicklung besonders überrascht?
Ich hatte nicht geplant, dieses Ministerium zu übernehmen. Es gab Überlegungen, nach meiner Zeit als Kommunikationsminister zur UN nach New York zu gehen. Aber als Gideon Sa’ar das Amt des Innenministers aufgab, bat mich der Premierminister, das Ressort zu übernehmen. Eine große Herausforderung für mich, ich hätte dort auch noch viel zu tun. Aber insgesamt ist mein Ziel, dazu beizutragen, das Leben in Israel zu verbessern. Ich kann dies in verschiedenen Positionen erreichen. Aber jetzt müssen wir erst einmal die Wahlen gewinnen.

Mit dem israelischen Innenminister sprach Detlef David Kauschke.

Jerusalem

Zwei tote Babys und ein Riss in der israelischen Gesellschaft

Der Oberste Gerichtshof stoppt die Obduktionen der ultraorthodoxen Säuglinge nach gewalttätigen Protesten

von Sabine Brandes  21.01.2026

Entscheidung

Noam Bettan startet beim ESC für Israel

Mehrere Länder boykottieren wegen Israels Teilnahme den Eurovision Song Contest 2026. Jetzt wurde entschieden, wer für das Land in diesem Jahr bei dem Musikwettbewerb an den Start geht

von Cindy Riechau  21.01.2026

Meinung

Friedensrat für Gaza oder Kriegsrat gegen Israel?

In Zukunft sollen ausgerechnet die Hamas-Unterstützerstaaten Katar und die Türkei im Friedensrat über den Gazastreifen mitbestimmen dürfen. Für Israel sollte das eine Warnung sein, sich unabhängiger von den USA zu machen

von Daniel Neumann  21.01.2026

Jerusalem

Opposition könnte gemeinsam gegen Netanjahu antreten

Der frühere Generalstabschef Gadi Eisenkot bringt eine gemeinsame Liste mit dem ehemaligen Ministerpräsidenten Naftali Bennett und Oppositionsführer Yair Lapid ins Spiel

 21.01.2026

Jerusalem

Netanjahu nimmt Trumps Einladung zum »Friedensrat« an

Israels Premier hatte sich über die personelle Besetzung eines Aufsichtsgremiums für den Gazastreifen durch das Weiße Haus geärgert. Doch die Einladung zum »Friedensrat« schlägt er nicht ab

 21.01.2026

Knesset

Netanjahu schließt türkische und katarische Truppen in Gaza aus

Der Ministerpräsident räumt ein, es habe mit Washington »eine gewisse Auseinandersetzung« über Gaza gegeben. Die Opposition wirft ihm Versagen vor

 20.01.2026

Jerusalem

Zwei Säuglinge sterben in illegaler ultraorthodoxer Krippe

Erschütternde Zustände in der überfüllten Einrichtung in dem ultraorthodoxen Stadtteil Romema kommen ans Licht

von Sabine Brandes  20.01.2026

Gazastreifen

Trump lädt Netanjahu und Putin in »Friedensrat« ein

Das Gremium soll den Wiederaufbau und die Verwaltung überwachen. Auch der israelische Premier soll dabei sein

von Sabine Brandes  19.01.2026

Hamas-Massaker

»Keine Ausreden mehr«

Vor und in der Knesset gibt es Proteste, als die Anhörungen zur politischen Untersuchung zu den Versäumnissen vor dem 7. Oktober beginnen

von Sabine Brandes  19.01.2026