Herzog-Besuch

Erdogan verurteilt Antisemitismus

Erster israelischer Staatsbesuch in der Türkei seit 2008: Isaac Herzog (l.) und Recep Tayyip Erdogan Foto: Haim Zach (GPO)

Bei seinem ersten offiziellen Treffen mit einem israelischen Staatsoberhaupt nach mehr als einem Jahrzehnt gab sich der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan versöhnlich. Er schüttelte die Hand von Präsident Isacc Herzog und sagte: »Antisemitismus ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit.«

Nach nahezu zwölf Jahren des diplomatischen Stillstandes zwischen den einstigen engen Verbündeten nähert man sich jetzt wieder an. Am Mittwoch war Herzog gemeinsam mit seiner Frau Michal zu einem offiziellen Staatsbesuch nach Ankara geflogen, um die »Beziehungen seines Landes zur Türkei wiederzubeleben«.

wendepunkt Nach dem Treffen sagte der türkische Präsident, er glaube, dass »dieser historische Besuch ein Wendepunkt in der Verbindung zwischen unseren Nationen sein wird. Die Stärkung der Beziehungen zum Staat Israel hat einen großen Wert für unser Land«.

»Die kommende Zeit wird neue Möglichkeiten für die regionale und bilaterale Kooperation bringen.«

recep Tayyip erdogan

Man habe auch über aktuelle Geschehnisse, darunter die Ereignisse in der Ukraine und im östlichen Mittelmeerraum, gesprochen. »Die kommende Zeit wird neue Möglichkeiten sowohl für die regionale als auch für die bilaterale Kooperation bringen«, so Erdogan.

Während er in der Vergangenheit auch mit antisemitischen Bemerkungen gegen Israel wetterte, sagte er jetzt, »Antisemitismus ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit«. Während Hassverbrechen weiterhin auf der ganzen Welt stattfinden, wolle er »weiterhin gegen Fremdenfeindlichkeit, Rassismus, Antisemitismus und Islamophobie vorgehen«.

WIRTSCHAFTSKRISE Im Hinblick auf die zunehmende Isolierung der Türkei in der Region und die schwere Wirtschaftskrise im Land am Bosporus will Erdogan offensichtlich sein Image aufpolieren. Er ist bemüht, die diplomatischen Beziehungen nicht nur zu Israel, sondern auch zu anderen Nahost-Ländern zu verbessern, allen voran Ägypten und die Vereinigten Arabischen Emirate.

Gern würde er wohl auch als Vermittler in der derzeitigen Krise zwischen Russland und der Ukraine fungieren. Ein erster Schritt dazu wurde am Donnerstag gemacht, als der ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba zu Gesprächen mit seinem russischen Amtskollegen Sergei Lavrov in der Türkei eintraf. Gastgeber ist der türkische Außenminister Mevlut Cavusoglu. Das Foto, wie sich der Russe und der Ukrainer gegenübersitzen, geht derzeit um die Welt.

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