Wetter in Israel

Endlich Regen

Überschwemmt: die Jaffa Street in Jerusalem Foto: Flash 90

Es war ein extremer Gegensatz: Vor wenigen Tagen noch loderten die Wildfeuer in Israel, und jetzt schnallen sich die Besucher auf dem Hermon ihre Skier unter und düsen die weiß gepulverten Hänge herab – auf 20 Zentimetern Schnee. Nach neun Monaten Sommer und Dürre ist in Israel der Winter eingekehrt. Für die Gegenden, in denen die zerstörerischen Brände gewütet hatten, ist die Feuchtigkeit ein Segen, denn sie bannt die Gefahr. Doch wie so oft kam auch in diesem Jahr nach dem Feuer die Flut.

Jakov Sada vom Meteorologischen Institut hatte es angekündigt: »Es wird heftige Niederschläge mit Donner und Hagel geben. Wahrscheinlich werden Stadtzentren überflutet werden und Flüsse über die Ufer treten. Die Winde können 80 bis 90 Kilometer Geschwindigkeit erreichen. Die Wellen werden für Surfer optimal sein.« Er sollte recht behalten: Während sich im Mittelmeer die Sportbegeisterten auf ihre Bretter warfen und durch die Wogen glitten, wurden vielerorts die Straßen durch die heftigen Regenfälle binnen Minuten überflutet. Im einigen Städten wurden mehrere Straßen von den Sicherheitskräften gesperrt, weil nichts mehr ging.

Am schlimmsten betroffen waren die Gemeinden südlich von Tel Aviv. In Rischon LeZion und in Kfar Chabad in der Nähe des Ben‐Gurion‐Flughafens musste die Feuerwehr zehn Menschen aus ihren Fahrzeugen befreien, die von Wassermassen eingeschlossen waren. Auch die Jerusalemer bekamen mit 72 Millimeter Niederschlag pro Quadratmeter nasse Füße; in Tel Aviv gingen knapp 60 Millimeter nieder.

ausfall Alle Jahre wieder kämpfen die Israelis mit denselben Problemen, wenn der Winter Einzug hält. Denn wenn es regnet, dann schüttet es. Schnell versagt die Kanalisation, bricht der Verkehr zusammen, bahnen sich die Regengüsse ihren Weg durch Ritzen in den Wänden, undichte Fenster und Türen in die Häuser. Auch Stromausfälle sind an der Tagesordnung. Wegen Überlastung, vor allem am Abend, wenn die Israelis von der Arbeit kommen und ihre Klimaanlagen zum Heizen anschalten, fallen regelmäßig Teile der elektrischen Versorgung aus.

Keschet Takko aus Herzlija kann jetzt durch ihre Schlafzimmerdecke den Himmel sehen. »Es war Wahnsinn, auf einmal hörte ich einen Rums, und ein Teil der Decke krachte auf mein Bett – literweise Regenwasser, Sand und Betonklumpen inklusive.« Ein Stockwerk über dem Apartment der Studentin wird eine neue Wohnung gebaut, »und offensichtlich haben die Verantwortlichen die Baustelle nicht abgedichtet«. Takko, die vor zwei Jahren zum Studium aus Argentinien nach Israel kam, wundert sich: »Bei mindestens der Hälfte meiner Kommilitonen regnet es herein. Ich verstehe das nicht. Der Regen kommt doch jeden Winter wieder.«

Die israelische Handwerkskammer veröffentlichte nach dem Unwetter auf ihrer Website eine dreimal so hohe Nachfrage nach der Arbeit von Profis wie gewöhnlich. Vor allem Maler, Dachdecker, Installateure und Elektriker waren heiß begehrt.

Landwirtschaft Der Regen mag Ärger für die Bewohner nasser Wohnungen bringen, für die Landwirtschaft ist er ein Segen. Denn die Bauern warteten bereits seit zwei Monaten händeringend auf etwas Niederschlag. Nach Angaben des Meteorologischen Instituts waren im vergangenen hydrologischen Jahr (von Oktober 2015 bis Oktober 2016) lediglich 81 Prozent des Durchschnitts der letzten drei Jahre gefallen. Es war der längste Sommer in der Geschichte des Landes.

Das war auch einer der Gründe für die verheerenden Brände, die in der Woche zuvor ausgebrochen waren. Zwar ist die Gesamtzahl der Wildfeuer nach Angaben der Feuerwehr nicht gestiegen, wohl aber deren Intensität. Vor allem Brände, die im Herbst lodern, seien äußerst zerstörerisch, weiß Chanoch Zoref, der Leiter der Jerusalemer Zweigstelle von Keren Kayemeth LeIsrael. »Der Winter beginnt viel später, November und Dezember sind mittlerweile zu Dürremonaten geworden. Hinzu kommen die extrem trockenen und starken Winde, die sämtliche Vegetation, die neun Monate kein Wasser gesehen hat, in hochgradig entflammbares Material verwandeln.«

Für Zoref gibt es keinen Zweifel, dass für die Wetterverhältnisse in Nahost der Klimawandel verantwortlich ist. Von April bis Ende November fiel im ganzen Land kaum ein Tropfen Wasser, die Wasserreservoire sanken auf einen neuen Tiefstand. Das größte Reservoir in den Golanhöhen, Birket Israel, hätte eigentlich mehrere Millionen Kubikmeter Wasser enthalten sollen, aufgefüllt von den Niederschlägen des vergangenen Winters. Doch da der ebenfalls ausgesprochen regenarm war, sind es zurzeit gerade einmal magere 300.000 Kubikmeter.

Kinneret Der Pegel des größten Wasserspeichers, des Kinneret, ist ebenfalls auf einem historischen Tiefstand. Der Oktober dieses Jahres brachte den geringsten Zufluss aus dem Jordan seit neun Jahrzehnten, gab die Wasserbehörde Mekorot an. Der jüngste Regen brachte lediglich einen Anstieg von einem Zentimeter für den See, der immer noch 5,03 Meter unter seinem Höchststand liegt.

»Normalerweise sollte in der jetzigen Saison so viel Regen fallen, dass wir die Plantagen nicht mehr bewässern müssen«, erläutert Etan Sadeh, Leiter der Wasserversorgung für die Landwirtschaft im Golan. Doch die Lage sei so dramatisch gewesen, dass die Bauern die Reservoirs auch in den Herbstmonaten anzapfen mussten. Mit verheerenden Folgen, denn Aussicht auf Besserung gibt es kaum – »weil in jedem Oktober oder November bei uns gerade ein‐ mal ein halber Millimeter Regen niedergeht. Und das reicht schlicht nicht. Das Obst und Gemüse braucht Wasser, sonst geht es ein.« Zwar fielen jetzt in lediglich zwei Tagen mit 165 Millimetern 20 Prozent des jährlichen Niederschlags, und Sadeh träumt von Wasser im Überfluss. »Aber wenn ich ganz ehrlich bin, bereite ich mich innerlich schon auf eine neue Dürre vor.«

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