Einspruch!

Endlich hinsehen

Sabine Brandes fordert, dass Israel die Proteste athiopischstämmiger Juden ernst nimmt

von Sabine Brandes  11.07.2019 09:15 Uhr

Sabine Brandes Foto: privat

Sabine Brandes fordert, dass Israel die Proteste athiopischstämmiger Juden ernst nimmt

von Sabine Brandes  11.07.2019 09:15 Uhr

Oft sieht man sie nur aus dem Augenwinkel: die Frauen und Männer, die in Israel für Sauberkeit sorgen. Die Mehrzahl ist dunkelhäutig, äthiopischstämmig. Sie arbeiten als Reinigungskräfte und Sicherheitsleute in Schulen, Geschäften und Büros.

Sprache Sie gehören zu der rund 150.000 Menschen zählenden Gemeinde, die aus einem der ärmsten afrikanischen Länder stammt. Ohne Bankkonten, Bildung und Sprache kamen sie in Israel an. Und kamen oft nicht mit. Überdurchschnittlich viele Schulabbrecher, häusliche Gewalt, Armut. Doch auch überdurchschnittlich viele Soldaten in Kampfeinheiten, die ihr Leben für Israel geben. Sie werden im Alltag übersehen, oder es wird auf sie herabgeschaut. Denn meist fügen sie sich still in ihr Schicksal. Bis zu dem Punkt, an dem sich die Wut laut und gefährlich Bahn bricht. Dann – und nur dann – schaut man sie an.

Seit Tagen nun demonstrieren sie, nachdem ein 19-Jähriger von einem Polizisten erschossen wurde. Ihre Wut schlug in Gewalt um. Regierungschef Benjamin Netanjahu rief dazu auf, davon Abstand zu nehmen, und versprach, an Lösungen zu arbeiten. Das scheinen leere Worte, liest man den Bericht des Anti-Rassismus-Panels. Darin steht, dass von den 52 Projekten, die nach den Unruhen äthiopischer Juden vor vier Jahren beschlossen wurden, nur neun verwirklicht wurden.

Stopp Zudem hält jetzt Netanjahus neuer Minister für Transport, der Rechtsaußen Bezalel Smotrich, Millionen für äthiopische Schüler, Jugendzentren und Internate zurück. Smotrich ließ die Verteilung stoppen, weil er das Geld lieber für Projekte einsetzt, die ihn »mehr interessieren«. Dafür schäme er sich nicht, sagte er nun trotzig.

Viele äthiopische Juden leben in ständiger Scham. Es ist die Angst, nicht gut genug zu sein. Wenn Scham allerdings mit Verständnis und Empathie begegnet wird, wächst sie nicht weiter. Es entsteht dann das Gefühl, etwas schaffen zu können. Es ist an der Zeit, dass die Israelis äthiopischer Herkunft endlich gesehen werden. Und nicht nur aus dem Augenwinkel.

WAHLEN IN ISRAEL

Rivlin spricht mit Gantz und Netanjahu über Regierung

Die Lage nach der Wahl ist verfahren. Israels Staatspräsident sucht einen Ausweg und macht dabei deutlich, dass er die Wähler nicht ein drittes Mal binnen eines Jahres an die Urnen schicken will

 23.09.2019

Baseball

Israel qualifiziert sich für Olympia

Das israelische Team besiegt Südafrika im Ausscheidungsspiel und reist 2020 nach Tokio

 23.09.2019

WAHLEN IN ISRAEL

Arabische Liste empfiehlt Gantz als Premier

Es ist das erste Mal seit 1992, dass eine arabische Liste den Kandidaten einer jüdischen Partei empfiehlt

 22.09.2019 Aktualisiert

Reportage

Mit dem Fahrstuhl ans Grab

In Jerusalem wird demnächst ein unterirdischer Friedhof mit Kunst aus Deutschland eröffnet

von Stefanie Järkel  22.09.2019

Nahost

»Von Israel wird nur noch Staub übrig bleiben«

Iran droht mit einem umfassenden Krieg und Vernichtungsschlägen gegen den jüdischen Staat

 21.09.2019

Wahlen in Israel

Eindeutig und doch ungewiss

Fast alle Stimmen sind ausgezählt – Zentrumsunion Blau-Weiß liegt vor Netanjahus Likud

von Sabine Brandes  20.09.2019