Meinung

Ein Schiff wird kommen

Richard Volkmann Foto: Privat

Bestimmte Dinge kehren im Leben immer wieder. Manche in regelmäßigen Abständen wie die Olympischen Spiele oder Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst, andere unregelmäßig, aber trotzdem erwartbar wie die Trainerwechsel beim HSV, die Verschiebung der BER‐Eröffnung oder die Versuche westlicher »Menschenrechtsaktivisten«, die Seeblockade vor Gaza zu durchbrechen.

Mit Blick auf das letzte Beispiel sei hiermit der Chronistenpflicht genügt: Die israelische Marine hat am vergangenen Wochenende mal wieder eine Privatflottille gestoppt, die mit ihren zwei Segelbooten mit den klangvollen Namen »Rückkehr« (al‐Awda) und »Freiheit« Gaza angelaufen hatte.

Inszenierung Die diesjährige Inszenierung ist dabei in nahezu jeder Hinsicht ein unambitionierter Aufguss zurückliegender Staffeln, und auch die Worthülsen, mit denen die selbsternannten Freiheitskämpfer vor ihrer Heldentat um sich geworfen hatten, kommen dem Publikum sehr bekannt vor: Von der »unmenschlichen« Blockade bis zu der – offensichtlich in einem Paralleluniversum angesiedelten – Weltöffentlichkeit, die auf das Leid der Palästinenser aufmerksam gemacht werden müsse.

Immerhin bei der Ehrlichkeit gab es Fortschritte, denn Mitglieder der nun gestoppten »Freedom Flotilla« gaben diesmal wenigstens ganz offen zu, dass Sinn und Zweck ihrer maritimen Klamotte eben nicht darin bestand, als »humanitäre Hilfsgüter« getarntes Gerümpel und abgelaufene Medikamente in Gaza abzuladen, sondern dass man vor allem das Ziel verfolge, die Blockade zu durchbrechen.

Letzteres übrigens gänzlich unironisch unter Verweis auf das Jahr 1967, in dem der Hafen von Gaza letztmals vollständig »Open for Business« gewesen sei. Dies sollte aber wohl weniger als Werbung für eine Re‐Annexion des Gazastreifens durch Ägypten verstanden werden denn als Ausweis der totalen Ahnungslosigkeit der antiimperialistischen Leichtmatrosen.

solidarität Historisches Kontextwissen wird aber ohnehin vollkommen überbewertet. Wichtig ist, dass die einzig relevante Erkenntnis – an allem sind die Israelis schuld! – mit umso größerer Leidenschaft gewusst und proaktiv verbreitet wird. Dazu war die Flotilla schon vor dem erwartbaren Rendezvous mit der israelischen Marine mehrere Monate durch Europa getingelt, um mit lokalen Vorkämpfern der Palästinasolidarität zusammenzutreffen und unter anderem dabei zu sein, als der als Mafiagegner berühmt gewordene Leoluca Orlando einen Teil des Hafens von Palermo nach Jassir Arafat benannte.

Womit wir beim Kern des Problems wären: Gelegentlich ein paar palästinabeflaggte Seelenverkäufer aus dem Meer zu fischen, ist für den jüdischen Staat inzwischen nur mehr ein harmloses Ärgernis. Für uns in Europa sollte es jedoch ein Alarmzeichen sein, dass derartigen Unternehmungen vonseiten einer breiten Öffentlichkeit bestenfalls Gleichgültigkeit, oft aber auch offene Sympathie entgegengebracht wird.

Dass hier unter dem Deckmantel der Menschenrechte PR für eine Terrororganisation betrieben wird, die die Juden ins selbe Meer treiben möchte, auf dem sich die Flottillen regelmäßig inszenieren, regt kaum jemanden auf. Was das Bild von Israel und seiner sehr berechtigten Blockade des Gazastreifens angeht, steht uns das Wasser hierzulande bis zum Hals.

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