Nachruf

Ein Präsident für alle

Yitzhak Navon sel. A. (1921–2015) Foto: Flash 90

Nachruf

Ein Präsident für alle

Israel trauert um Yitzhak Navon

von Sabine Brandes  10.11.2015 22:46 Uhr

Man hat ihn geliebt, Yitzhak Navon, den fünften Präsidenten des Staates Israel. Am Samstag ist er im Alter von 94 Jahren gestorben. Am Tag darauf nahmen ehemalige sowie amtierende Politiker, darunter Altpräsident Schimon Peres, Familie und Freunde Abschied bei seinem Staatsbegräbnis auf dem Herzl-Berg in Jerusalem. Voller Trauer und gleichsam Dankbarkeit für die gemeinsam gelebte Zeit. Navon war von 1978 bis 1983 Israels Staatsoberhaupt – von den Menschen aller politscher Couleur verehrt und geschätzt.

Seine Witwe Miri zeigte sich während der Beisetzung dankbar ob der 20 gemeinsamen Jahre. »Ich hatte das Privileg, mit dir zusammen sein zu dürfen. Und sah die große, wahre Liebe, die die Menschen in diesem Land dir gaben. Du, der du ein wahrer Demokrat, ein Liberaler, ein Feminist und ein Kämpfer für die Gerechtigkeit warst.«

amtszeit Navon war der Spross einer alteingesessenen sefardischen Familie aus Jerusalem, die seit mehr als 300 Jahren in der Stadt ansässig war. Während seiner Amtszeit setzte er sich vor allem für die Verständigung zwischen den verschiedenen Bevölkerungsgruppen seines Landes ein. »Die Menschen bei uns kommen aus 102 Ländern und sprechen 81 Sprachen. Wie man sie zusammenbringt – darin sah ich meine Rolle«, sagte er oft über seine Aufgabe. »Es ist eine große Verantwortung, aber gleichzeitig eine große Befriedigung.«

Der amtierende Präsident Reuven Rivlin betonte in seiner Rede auf dem Herzl-Berg Navons uneingeschränkte Liebe zu Jerusalem und rezitierte ein Gebet in Ladino, dem alten hebräisch-spanischen Dialekt, für dessen Erhaltung sich Navon zeitlebens eingesetzt hatte. »Er war ein Juwel zwischen den Steinen unserer Hauptstadt, und Jerusalem spielte auf den Saiten seiner Seele«, gab sich Premierminister Benjamin Netanjahu poetisch.

Außerhalb seiner politischen Karriere war Navon zudem ein erfolgreicher Autor und Dramatiker. Sein Stück Bustan Sefardi war jahrelang ein Hit im Habima-Theater und wurde mehr als 2000-mal aufgeführt. Für seine Tochter Naama aber war er nie der große Politiker, sondern immer nur »Papa«: »Er zeigte mir, wie Kühe gemolken werden, damit ich eine starke Bindung zu unserem Land aufbaue«, erinnerte sie sich. »Und er verpasste nicht ein einziges Mal einen Elternabend.«

Krieg

Zwei weitere Tote nach Raketenangriff in Haifa geborgen

Nach einem iranischen Raketenangriff in der israelischen Hafenstadt Haifa wurden zwei weitere Tote geborgen. Insgesamt sterben vier Menschen, darunter Angehörige zweier Generationen einer Familie

 06.04.2026

Standpunkt

Die Militäroperation gegen das Mullah-Regime ist eine historische Chance

Ein Gastbeitrag von Roderich Kiesewetter, Bundestagsabgeordneter (CDU) und Mitglied des Auswärtigen Ausschusses

von Roderich Kiesewetter  06.04.2026 Aktualisiert

Die israelische Raketenabwehr hat eine aus dem Libanon anfliegende Terror-Rakete im Visier.

Kriegsverbrechen

Iran greift Großraum Tel Aviv erneut mit Streumunition an

Der Iran setzt laut Medien erneut Streumunition bei Angriffen auf Tel Aviv und Haifa ein. Human Rights Watch sieht dadurch eine langfristige Gefahr für Zivilisten

 06.04.2026

Debatte

Antisemitismus und Israel-Hass: Auswärtiges Amt rügt Goethe-Institut für Ausstellung

Um die palästinensisch-amerikanische Künstlerin Basma al-Sharif gab es wegen Social-Media-Posts zuletzt Wirbel. Das gilt auch für die Teilnahme an einer Ausstellung in Vilnius

 04.04.2026

Modschtaba Chamenei

Wo ist der neue Ayatollah?

Der »Oberste Führer« des Iran ist seit seiner Wahl nicht öffentlich aufgetreten. Ist er noch am Leben?

von Sabine Brandes  04.04.2026

Beirut

Israel: Hochrangiger Hisbollah-Kommandeur getötet

Im Krieg zwischen Israel und der libanesischen Terrororganisation ist keine Deeskalation in Sicht. In der Nacht trifft ein heftiger israelischer Angriff erneut Ziele in Beirut

 01.04.2026

Ramallah

Generalstreik: Palästinenser protestieren gegen israelisches Todesstrafe-Gesetz

Ein Generalstreik legt das Westjordanland und Ost-Jerusalem lahm. Palästinenser protestieren gegen das neue israelische Gesetz zur Todesstrafe für Terroristen

 01.04.2026

Wahlkampf in Israel

Opposition stellt Netanjahus Kriegsbilanz infrage

Der Ministerpräsident sei »nicht in der Lage, eine strategische Lösung zu erreichen«, sagt Oppositionsführer Jair Lapid

 01.04.2026

Nahost

11-jähriges Mädchen bei iranischem Streubombenangriff schwer verletzt

Die Lage im Überblick

 01.04.2026