Jubiläum

Ein Herz für Israel

Seit zehn Jahren bringt das Bildungsprogramm Taglit junge Juden ins Heilige Land

von Sabine Brandes  29.03.2010 17:49 Uhr

Bereits 260.000 junge Juden aus aller Welt sind mit »Taglit« nach Israel gekommen. Foto: JA

Seit zehn Jahren bringt das Bildungsprogramm Taglit junge Juden ins Heilige Land

von Sabine Brandes  29.03.2010 17:49 Uhr

In nur 48 Stunden füllten 37.000 ein Anmeldeformular aus. Junge Juden aus aller Welt, die Israel besuchen möchten. Nicht mit ihren Eltern, sondern mit Gleichaltrigen in einem einzigartigen Programm – und zwar kostenlos. Möglich macht das »Taglit Birthright«. Doch Geld gibt es momentan nur für 15.000 Teilnehmer, sagt Gidi Mark, Chef von Taglit Israel: »Und damit sind wir sicher das einzige jüdische Programm, das eine Wartelis‐te hat«. Doch Mark gibt sich zuversichtlich. »Wir werden den Rest schon auftreiben, damit wir alle herbekommen.«

In diesem Jahr feiert Taglit Birthright Jubiläum. In nur zehn Jahren avancierte es nach eigenen Angaben zum erfolgreichsten Bildungsprogramm in der jüdischen Welt mit rund 260.000 Teilnehmern. Es bietet 18‐ bis 26‐jährigen Juden die Möglichkeit, ihre Wurzeln während eines zehntägigen Besuchs kostenlos kennenzulernen.

Drei Viertel der Teilnehmer stammen aus den USA, zehn Prozent aus der ehemaligen Sowjetunion, den Rest machen weitere 50 Nationen aus. Mark erklärt: Jedes Jahr werden etwa 100.000 Juden außerhalb Israels geboren. Mindestens die Hälfte von ihnen will Taglit für sich gewinnen. »In fünf Jahren wollen wir jährlich 51.000 junge Menschen herbringen. Dafür tun wir alles, was nötig ist«, verspricht er.

Programm Der Taglit‐Israel Vorsitzende ist sicher, die Geheimnisse des Erfolgs liegen in dem ausgetüftelten Programm und dem hohen Standard der Fahrten. Angeboten werden neben den Reisen zu den bedeutendsten Stätten des Landes Veranstaltungen zu Geschichte, modernes Israel, Kunst, Umwelt und anderes.

Die Teilnehmer können wählen, was sie am meisten interessiert. Besonders beliebt seien die sogenannten Mifgaschim. Diese Treffen zwischen den jungen Leuten seien nicht nur Entspannung, so Mark, es hätten sich auch immer wieder Partner fürs Leben dabei gefunden. Das ist durchaus erwünscht. Denn Assimilation und gemischte Ehen sieht Taglit als größte Bedrohung für den Fortbestand des Judentums an.

Die Organisation hat sich auf die Fahnen geschrieben, eine Verbindung zwischen jungen Juden und dem Staat Israel herzustellen, um dadurch ihre jüdische Identität zu stärken. Das Programm ist eine Kooperation zwischen einer Gruppe jüdischer Philanthropen, der israelischen Regierung sowie jüdischen Gemeinden in der ganzen Welt.

selbstständig Den Vorwurf der Beeinflussung und sogar Gehirnwäsche der jungen Menschen, damit sie nach Israel immigrieren, weist der Vorsitzende von sich. »Wir sind kein Alija‐Ermutigungsprogramm. Unsere Teilnehmer entscheiden selbst, wo sie leben wollen. Bei Taglit gibt es definitiv keine versteckte Agenda.«

Für Doron Schlesinger heißt die Arbeit bei Taglit, seinen Traum zu leben. »Ich spüre durch diese jungen Menschen eine wahnsinnige Kraft und Verbindung zu meinem Land, zu Israel.« Taglit sei ein Geschenk der Stärkung zwischen Diaspora und Israel sowie der jüdischen Identität, das er gern nach Deutschland bringen würde.

»Mein Plan ist es, dass Deutschland, Österreich und die Schweiz in zehn Jahren eine so hohe Beteiligung haben wie die USA.« Hehre Ziele, die den ambitionierten Mann jedoch nicht schrecken: »Wir Juden sind mit 14 Millionen eine recht kleine Gruppe in der Welt, zu klein, um nicht alle eng verbunden zu sein.«

Besonders hebt Schlesinger den Aspekt der Diplomatie hervor: »Diejenigen, die mit Taglit das Land und die Leute erlebt haben, sind freiwillig die besten Botschafter für Israel. Sie fühlen sich verbunden, sowohl mit dem Staat als auch, weil sie stolz sind, Juden zu sein.«

Noch fehlt in Deutschland ein lokaler Partner, doch den will er so schnell wie möglich suchen. In der nächsten Zeit wird er jüdische Gemeinden und Organisationen kontaktieren, um Sponsoren zu finden. Die Kosten für jeden Besucher betragen etwa 2.000 Euro für die zehntägige Reise. Mark verspricht, dass für jeden einzelnen Euro, den ein lokaler Partner gibt, zwei Euro von Taglit zusätzlich draufgelegt werden.

Im kommenden Sommer werden etwa 90 junge Juden aus Deutschland mit dabei sein. »Wir könnten 500 bringen«, so Mark, »doch es ist schlicht nicht genug Geld da. Wir hoffen, dass sich das schnell ändert, denn ich war geschockt, wie viele junge Juden in Deutschland kaum mit ihrem Judentum verbunden sind.«

Erfahrung Eva weiß, wie es sich anfühlt, keine Verbindung zum eigenen Jüdischsein zu haben. Geboren wurde die 25‐Jährige, die zur Zeit einen kombinierten

Militärdienst mit Studium absolviert, in der Ukraine, doch schon als Kleinkind kam sie mit ihren Eltern nach Israel. »Ich wusste zwar praktisch, ›dies ist mein Zuhause‹, besonders nah aber fühlte ich mich Israel nicht, auch stolz war ich nie«, gibt sie zu. Bereits als Teenager habe sie den Wunsch verspürt, nach Kanada zu emigrieren, wo sie Familie hat. Erst das Erlebnis mit Taglit habe ihr Augen und Herz geöffnet. Eva war im Sommer 2006 bei einer Gruppe russischsprachiger Juden aus Deutschland als »Mifgasch« dabei. Zu jeder Reisegruppe gesellen sich israelische Soldaten oder Studenten, die einige Tage mitreisen. »Für die ist es eine ebenso wichtige Erfahrung wie für die jungen Leute aus dem Ausland«, ist Mark sicher.

Für die Gäste sei es nicht normal gewesen, dass in Israel fast jeder jüdisch ist, der Kellner, die Verkäuferin im Supermarkt, der Friseur, erinnert sich Eva, und dass man sein Judentum zu jeder Zeit und in jeder Form leben könne. Auf einmal änderte sich auch etwas für Eva: »Plötzlich fühlte ich mich so privilegiert, im jüdischen Staat zu leben.«

Heute geht die junge Israelin ganz in dieser Sache auf. Sie war beim Alumni‐Programm für ehemalige Taglit‐Teilnehmer dabei und hat sich, angeregt durch die Reise mit dem Birthright‐Programm, dazu entschlossen, ihre Magisterarbeit über jüdische Identität russischsprachiger Juden in Deutschland zu schreiben. Heute ist sie überzeugt, dass sie sich nirgends anders mehr heimisch fühlen könnte als in Israel. Und den Traum der Auswanderung hat Eva längst ad acta gelegt.

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