Türkei/Israel

Durchbruch in türkisch-israelischen Beziehungen?

Die Mavi Marmara wird am 31. Mai 2010 in den Hafen von Aschdod geleitet. Foto: Flash 90

Die angespannten Beziehungen zwischen der Türkei und Israel könnten sich laut einem Bericht der israelischen Tageszeitung Haaretz bald wieder entscheidend verbessern. Wie das Blatt am Montag in seiner Online-Ausgabe unter Berufung auf einen »hohen israelischen Offiziellen« berichtete, sei die Türkei bereit, ihre finanziellen Forderungen nach Entschädigungen für den Tod von türkischen Aktivisten auf der Gaza-Flottille herunterzuschrauben.

Die neun Männer waren im Mai 2010 von israelischen Soldaten getötet worden, als die israelische Armee das türkische Schiff »Mavi Marmara«, das die Blockade des Gazastreifens durchbrechen wollte, unter heftigem Widerstand von Dutzenden Aktivisten geentert hatte. Sollte die Türkei in ihren Ansprüchen tatsächlich Flexibilität zeigen, könnte dies einen erneuten Austausch von Botschaftern zwischen den beiden Ländern bedeuten, schrieb Haaretz. Laut dem Bericht soll Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu erwägen, auf das Angebot einzugehen.

Die Krise um die Gaza-Flottille hatte ihren diplomatischen Tiefpunkt erreicht, als der israelische Botschafter im September 2011 aus Ankara ausgewiesen worden war. Mit dem Besuch von US-Präsident Barack Obama im Nahen Osten im März 2013 hatten sich die Beziehungen bereits leicht entspannt. In einem Telefongespräch hatte Netanjahu für den Tod der Aktivisten um Entschuldigung gebeten.

Summe Laut Haaretz waren Versöhnungsgespräche zwischen der Türkei und Israel im Dezember in Istanbul wieder aufgenommen worden. Dabei sei es um die Höhe der von der Türkei geforderten Entschädigungen gegangen. Angeblich – so sagte der von der Zeitung zitierte »hohe israelische Offizielle« – sei die Türkei bereit, weniger als eine Million US-Dollar für jede der Familien der getöteten Aktivisten zu verlangen. Israel hatte 100.000 US-Dollar angeboten. »Das Abkommen ist fertig, es geht nur noch darum, eine Summe einzufügen«, sagte die israelische Quelle laut Haaretz.

Beide Seiten hätten Interesse daran, die Beziehungen zu normalisieren. Sofort nach der Unterzeichnung des Abkommens werde erwartet, dass Jerusalem und Ankara wieder Botschafter austauschen. Außerdem sei davon auszugehen, dass die türkische Regierung ein Gesetz auf den Weg bringt, das alle Klagen und Forderungen gegen israelische Soldaten und Offiziere, die an der gewaltsamen Beendigung der Flottillen-Aktion beteiligt waren, für nichtig erklärt.

Nahost

Der Lieberman-Plan

Soll das Westjordanland neu verwaltet werden?

von Sabine Brandes  10.10.2026

Kino

Ich habe »Naza« gesehen, und es ist ein übles Stück Propaganda

Es ist erschreckend zu sehen, wie große Teile der Filmwelt sich gerade selbst zu nützlichen Idioten der Hamas degradieren, indem sie ihr von Lügen und Blut getränktes Narrativ übernehmen

von Philipp Peyman Engel  10.10.2026

Essay

Drei Jahre nach dem 7. Oktober: Die Grenzen universitärer Selbstgewissheit

Antisemitismus ist an Universitäten längst kein Ausnahmeproblem mehr. Drei Jahre nach dem 7. Oktober stellt sich deshalb eine unangenehmere Frage: Was haben Universitäten über sich selbst gelernt?

von Frederek Musall  09.10.2026

Luftfahrt

Wer kontrolliert die Flüge nach Israel?

Nach dem vereitelten Anschlag auf einen Flydubai-Flug gerät das israelische Sicherheitssystem für ausländische Airlines unter Druck

von Sabine Brandes  08.10.2026

Hintergrund

Terror über den Wolken

Wie Pilot und Passagiere im Flug von Dubai nach Tel Aviv eine Katastrophe verhinderten

von Sabine Brandes  08.10.2026

Diplomatische Beziehungen

Britisches Konsulat in Jerusalem bleibt als Mission bestehen

Israel reagiert auf britische Sanktionen gegen israelische Siedlungspolitik, mehrere Diplomaten verlassen das Land. Gänzlich geschlossen wird das britische Konsulat in Ost-Jerusalem aber doch nicht

 08.10.2026

Meinung

Wenn Journalisten Terroristen sind – 170 Namen und eine unbequeme Wahrheit

Unser Autor reflektiert über die grundsätzliche Frage, was »Journalismus« in einem Gebiet bedeutet, das seit Jahren von einer totalitären Terrororganisation beherrscht wird

von Daniel Neumann  08.10.2026

7. Oktober

»Erinnern heißt auch, nach der Wahrheit zu suchen«

Bei der großen Gedenkveranstaltung im Hayarkon-Park standen die Opfer im Mittelpunkt – und die Forderung nach einer unabhängigen Untersuchungskommission

von Sabine Brandes  08.10.2026

Mentale Gesundheit

Die Einsamkeit wiegt am Schwersten

Fast eine Million Israelis suchten seit Kriegsbeginn Hilfe bei der psychischen Notfall-Hotline Eran

von Sabine Brandes  07.10.2026