Nahost

Dreitägige Waffenruhe in Kraft

Panzer ziehen aus dem Gazastreifen ab. Foto: Flash 90

Seit Dienstagmorgen acht Uhr israelischer Zeit ist eine von Ägypten vermittelte Waffenruhe in Kraft. Kurz zuvor schoss die Hamas noch 17 Raketen auf Israel, von denen das Abwehrsystem Iron Dome sechs abfing, hieß es auf dem Twitter-Account der israelischen Armee.

UN-Generalsekretär Ban Ki-moon begrüßte die Waffenruhe. In einem Statement hieß es, beide Seiten müssten sich daran halten und sollten Gespräche über einen dauerhaften Waffenstillstand beginnen.

Nach IDF-Angaben wurden während der Operation »Protective Edge« 32 Tunnel, die nach Israel führten, zerstört.

Ebenfalls am Dienstagmorgen gab es auf dem Tempelberg in Jerusalem kleine Ausschreitungen. Steine und Molotowcocktails wurden auf israelische Polizisten geworfen.

Humanitär Am Montag, dem 28. Tag der Militäroperation, um 10 Uhr trat die von Jerusalem einseitig beschlossene humanitäre siebenstündige Feuerpause in Kraft, um 12.04 Uhr flogen erneut Hamas-Raketen nach Israel.

Die Hamas hatte von Anfang an erklärt, sie werde sich nicht an die Waffenruhe halten, und pochte stattdessen auf die lange Liste von Forderungen, die sie an Israel richtet, um die Waffen schweigen zu lassen. Dazu gehört auch das Ende der Blockade des Gazastreifens, was Israel wegen der Aufrüstung der Hamas vehement ablehnt.

Kairo Die Vorschläge der Hamas sollen am Montag zwischen palästinensischen und ägyptischen Vertretern in Kairo diskutiert werden. Israel ist bei den Verhandlungen nicht mit dabei, da das Land der Terrororganisation nicht traut, ein Abkommen überhaupt einzuhalten. Gleichzeitig heißt es aus unbestätigten Quellen, dass die USA und Katar ihren eigenen Vorschlag für ein Waffenstillstandsabkommen durchsetzen wollen.

Vor dem Wochenende hatte das Sicherheitskabinett in Jerusalem beschlossen, nicht mehr auf eine Einigung mit der Hamas zu setzen, sondern stattdessen unilaterale Schritte einzuleiten, etwa Waffenpausen oder sogar das Ende der Operation. Israels Außenminister Avigdor Lieberman hatte am Montagmorgen erklärt, er könne sich durchaus vorstellen, dass die Vereinten Nationen (UN) nach Beendigung des Krieges die Kontrolle über das Hamas-Gebiet übernehmen.

Als Beispiele gab er die UN-Mandate in Ost-Timor und im Kosovo an. »Wir sehen, dass es dort ziemlich gut funktioniert«, sagte er. Und es brauche nur eine Vereinbarung zwischen Israel und der Palästinensischen Autonomiebehörde, »die UN muss nicht zustimmen, lediglich die betreffenden Parteien«, erläuterte der Minister.

Protective Edge
In der vergangenen Nacht waren bei Kämpfen sieben israelische Soldaten verletzt worden. Mehr als 120 befinden sich nach wie vor in Krankenhäusern im ganzen Land. 3253 Raketen hätten die extremistischen Kämpfer der Hamas seit Beginn der Operation »Protective Edge« auf Israel abgefeuert, postet die Armee im Internet.

Doch auch die Palästinenser leben derzeit unter ständigem Beschuss. Obwohl Israel einen Großteil der Truppen am Wochenende aus dem Streifen zurückgezogen hatte, setzten sie das Bombardement in der Nacht zu Montag fort. Während die Führung der Hamas sich in sicheren Bunkern unter der Erde versteckt hält, wird die Zivilbevölkerung als menschliche Schutzschilde für die terroristische Infrastruktur missbraucht.

Die UN kritisierte Israel am Sonntag für den vermeintlichen Angriff auf eine Schule des UN-Hilfswerkes, bei dem zehn Menschen ums Leben gekommen waren. Die IDF sagte, dass sie auf »Terroristen auf einem Motorrad gefeuert« habe und den Vorfall untersuchen werde.

Am Sonntag gab das israelische Militär an, es würde die Truppen neu positionieren, denn die meisten der mehr als 30 Tunnel der Hamas seien mittlerweile gefunden und zerstört worden. Viele Soldaten würden daher jetzt eingesetzt, um die Grenze zwischen Gaza und Israel zu schützen.

Jerusalem Währenddessen scheint sich eine zweite Front aufzutun. In Jerusalem zerschlugen Sicherheitskräfte am Montagmorgen einen Aufstand maskierter Palästinenser, die Steine und Feuerwerkskörper am Mughrabi-Tor auf die Polizei warfen. Die Männer blockierten zwei Eingänge und hinderten die Beamten so daran, die Tore zu verschließen.

Doch bevor die Gewalt eskalieren konnte, trieb die Polizei die Demonstranten in die El-Aksa-Moschee und verriegelte das Gotteshaus vorübergehend. Fünf Polizisten seien leicht verletzt worden, »die Lage«, so ein Sprecher, »ist aber wieder unter Kontrolle«.

Boykott?

Weitere Firma verweigert Jerusalemer Seilbahn-Projekt

Die israelische Regierung will per Seilbahn einen direkten Zugang zur hochsymbolischen Klagemauer in Jerusalem schaffen. Aber immer mehr ausländische Partner ziehen sich zurück

von Andrea Krogmann  20.10.2026

Wahlkampf

Netanjahu stellt sich hinter religiöse Wehrdienstverweigerer

Um an der Macht zu bleiben, braucht Israels Ministerpräsident die Unterstützung der ultraorthodoxen Juden. Wenige Tage vor der Wahl übt er den Schulterschluss mit Religiösen, die sich der Wehrpflicht entziehen

von Andrea Krogmann  20.10.2026

Vanessa Emde (Die Linke)

Berlin

Linken-Fraktion vorerst ohne Einigung im Streit um Emde

Eine Abgeordnete, die in ihrer Israel-Kritik immer wieder nachlegt, und eine Fraktionsspitze, die ein Problem mit ihr hat: Im Berliner Koalitionspoker bleibt der Streit um Vanessa Emde ungelöst

 20.10.2026

Hamas

Emiratische Blase in Gaza

Israel erlaubt den VAE Infrastrukturarbeiten nahe Rafah. Den Wiederaufbau der Enklave knüpft Israels Premier Netanjahu an die Entwaffnung der Terrororganisation

von Sabine Brandes  20.10.2026

Tel Aviv

Wehrdienst oder Gefängnis: Armee stellt Chabad-Studenten vor die Wahl

Am Ben-Gurion-Flughafen wurden Dutzende Männer aus der Chabad-Lubawitsch-Bewegung festgenommen, als sie aus New York zurückkehrten

 20.10.2026

Tel Aviv

Gloria Gaynor tritt in Israel auf

Nur wenige ausländische Musiker kommen derzeit nach Israel. Die »Queen of Disco« ist eine von ihnen. Was für ein Verhältnis hat sie zum jüdischen Staat?

 20.10.2026

Israel

»So wollte ich nicht sterben«

Der indische Kapitän des »Fly Dubai«-Fluges schildert erstmals ausführlich, was genau sich an Bord abspielte

 20.10.2026

Knessetwahl

Gantz zieht die Reißleine

Nach dem Absturz seiner Partei verzichtet der Ex-Generalstabschef auf eine Kandidatur – und wirbt erneut für eine große Einheitsregierung.

von Sabine Brandes  20.10.2026

Tel Aviv

Israels Armee verhängt Urlaubsstopp vor der Wahl

Die Hintergründe

 20.10.2026