Gaza-Krise

Drei Israelis bei Angriff aus Gaza getötet

In einem Krieg sind es immer die Bilder von Kindern, die am meisten schockieren. So auch in diesem. Das Foto eines israelischen Notarztes, der ein Baby in den Krankenwagen trägt, das am Kopf verletzt ist, der rosarote Strampelanzug mit Blut verschmiert, geht um die Welt. Heute Morgen sind drei Israelis in Kiryat Malachi bei einem direkten Einschlag einer Rakete aus Gaza ums Leben gekommen, mehrere Menschen wurden zum Teil schwer verletzt. Am Tag zuvor hatte Israel den Militärchef der Hamas, Ahmed al-Dschabari, gezielt getötet.

Die drei getöteten Israelis – zwei Männer und eine Frau – hatten es nicht mehr geschafft, nach dem Ertönen der Sirene rechtzeitig ins Treppenhaus zu flüchten. Ihr Haus in der südlichen Kleinstadt verfügt über keinen Sicherheitsraum.

»Eiserne Kuppel« Seit dem Tod Dschabaris sind mehr als 100 Geschosse von extremistischen Palästinensern auf Israel abgefeuert worden, 25 fing das Abwehrsystem »Eiserne Kuppel« ab, die restlichen schlugen ein. Zum Teil auf Feldern, ohne Schaden anzurichten, doch immer mehr von ihnen treffen Wohngegenden und gefährden das Leben der israelischen Bevölkerung in der Nähe zum Gazastreifen fast pausenlos. Am Morgen schlugen Geschosse in einem Haus in der Hafenstadt Aschdod und in einer Schule in Ofakim ein.

Seit gestern sind alle Bildungseinrichtungen im gesamten Süden geschlossen. Die Menschen wurden aufgefordert, in ihren Bunkern oder Häusern auszuharren. Jochanan Danino, Kommissar der israelischen Armee, erklärte, dass die Situation noch einige Tage andauern würde. Verteidigungsminister Ehud Barak machte deutlich, dass sich Israel inmitten eines Kampfes befinde. »Es ist nicht sicher, dass er kurz sein wird. Doch wir setzen alles daran, Abschreckung zu erreichen.«

Vergeltungsangriffe Die Israel Air Force (IAF) flog im Anschluss an die Eskalation der Gewalt mehr als 100 Vergeltungsangriffe im Gazastreifen. Die Militäroperation mit Namen »Säule der Verteidigung« soll zunächst vor allem Abschussrampen der Terroristen sowie Arsenale der weitreichenden Fajr-Raketen ausschalten. Zehn Menschen sollen dabei ums Leben gekommen sein, darunter Dschabari. Es ist jedoch nicht ausgeschlossen, dass es auch zu einer Bodenoffensive in Gaza kommt. Reservisten wurden bereits aufgefordert, sich vorzubereiten.

Derweil wird in Israel spekuliert, ob die Hamas über Geschosse verfügt, die bis nach Tel Aviv reichen können. Am Morgen wurde die Bevölkerung der Metropole im Radio informiert, wie man sich im Falle eines Angriffes zu verhalten habe.

UN-Sicherheitsrat In New York ist derweil ein eilig einberufenes Treffen des UN-Sicherheitsrats nach 90 Minuten ohne Ergebnis abgebrochen worden. Der Vertreter der palästinensischen Autonomiebehörde, Riyad Mansour, meinte, dass die Welt wieder einmal zuschaue, wie »Israel boshaft mit den tödlichsten militärischen Mitteln und illegalen Maßnahmen gegen die schutzlose palästinensische Bevölkerung vorgeht«. Die toten und verletzten Israelis erwähnte er mit keinem Wort.

Der israelische US-Botschafter Ron Prosor sagte daraufhin, dass einige Vertreter Israels Recht auf Verteidigung anerkennen und die Attacken gegen die israelische Zivilbevölkerung verurteilen. »Wir haben maximale Zurückhaltung an den Tag gelegt. Doch Jerusalem hat das Recht und die Verpflichtung, auf die andauernden Angriffe zu reagieren. Wir spielen kein russisches Roulette mit unseren Menschenleben.«

Jerusalem

Roman Gofman neuer Leiter von Israels Geheimdienst Mossad

Ein Mann aus dem Militär und Berater Netanjahus wird nun Chef des israelischen Auslandsgeheimdienstes. Dem umstrittenen Wechsel an der Spitze des Mossad war ein Rechtsstreit vorausgegangen

 02.06.2026

Erwiderung

An allem sind ... oder, Herr Ahmetović?

Der SPD-Außenpolitiker Adis Ahmetović, macht keinen Hehl daraus, wen er zum Hauptverantwortlichen für nahezu sämtliche Probleme, Konflikte und Krisen in Nahost erklärt

von Sacha Stawski  02.06.2026

Film

Die Entwirrung der UNRWA

Eine neue Dokumentation beleuchtet Geschichte, Auftrag und politische Rolle des Palästinenserhilfswerks

von Maria Ossowksi  02.06.2026

Pride Month

Bennett entdeckt LGBTQ-Community für den Wahlkampf

Der frühere Gegner gleichgeschlechtlicher Partnerschaften fordert heute volle rechtliche Gleichstellung – und erzählt, warum persönliche Erfahrungen seine Sicht verändert haben

von Sabine Brandes  02.06.2026

Gerlingen/Tel Aviv

Bosch reduziert Forschungspräsenz in Israel

Zwei Büros in Tel Aviv und Haifa sollen geschlossen werden. Die Hintergründe

 02.06.2026

Jerusalem

Israels Parlament billigt in erster Lesung eigene Auflösung

In der Koalition von Regierungschef Netanjahu gibt es Streit. Die Charedim pochen deshalb auf einen früheren Wahltermin. Eine weitere Hürde auf dem Weg dahin ist nun genommen

 02.06.2026

Luftfahrt

El Al nimmt Direktverbindung zwischen Tel Aviv und San Francisco wieder auf

Geplant sind drei Flüge pro Woche, die jeweils rund 15 Stunden dauern. Auffällig ist die Flugnummer

 02.06.2026 Aktualisiert

Jerusalem

Charedim legen mit Massenprotest Verkehr lahm

In mehreren Teilen Israels protestierten sie gegen die Festnahme von Wehrdienstverweigerern

 02.06.2026

Jerusalem

Kritik an Netanjahu wegen Verzicht auf Angriff gegen Hisbollah in Beirut

Der ehemalige Ministerpräsident Naftali Bennett sagt, die Regierung habe »die Kontrolle über die israelische Souveränität verloren«

 02.06.2026