Einreiseregeln

Die Touristen kehren zurück nach Israel

Französische Touristen in der Jerusalemer Altstadt Foto: Flash 90

Er ist einer der Ersten. Mit seinem Söhnchen auf dem Arm und seiner Freundin neben sich steht Eric Bannun am Abend der Öffnung an der Passkontrolle. Da, wo vor Kurzem noch gähnende Leere herrschte, bilden sich jetzt lange Schlangen. »All passports« steht auf dem Leuchtschild über dem Schalter, alle Pässe. Bannun legt sein französisches Reisedokument auf den Tresen. Seit dem 1. November lässt Israel erstmals nach 18 Monaten der Corona-Pandemie wieder ausländische Besucher ins Land.

»Ich bin kein klassischer Israel-Tourist«, erzählt der Mann aus Paris und kämpft mit den Tränen. »Ich besuche meine Familie – endlich!« Einen israelischen Pass hat Bannun nicht, also konnte auch er die ganze Zeit über nicht herkommen. Während die Einreise für die Familie aus Europa nach eigenen Angaben »beim Vorlegen aller Dokumente völlig reibungslos verlief«, beklagen sich andere über verwirrende Regelungen.

BÜROKRATIE Vor allem US-amerikanische Reisende beschweren sich über bürokratische Hürden. Zwischen Israel und der Europäischen Union existiert ein Abkommen, durch das die jeweiligen Impfzertifikate gegenseitig anerkannt werden. Bei den USA hingegen, wo es noch keine digitale Version eines Gesundheitspasses gibt, sei die Überprüfung der Impfungen komplexer, räumen israelische Behörden ein.

Auch die Tatsache, dass vielen Menschen in Europa und den USA ein Mix aus Vakzinen verschiedener Hersteller injiziert wurde, bringt Probleme mit sich. Ariella Bernstein, die die Website »Reunite Olim« gegründet hat und Amerikanern bei der Einreise nach Israel hilft, kennt die Probleme der Reisenden: »Das Online-System erkennt es nicht an, wenn man zwei unterschiedliche Impfstoffe erhalten hat. Dann gilt man als nicht geimpft.« Es wird erwartet, dass das Gesundheitsministerium den Fehler im System zügig behebt.

»Zum generellen Reisestress kommen während Corona so viele Faktoren hinzu, die sich auch noch kurzfristig ändern können«, berichtet Bernstein. Beispielsweise änderte die Regierung in Jerusalem in der vergangenen Woche kurzerhand die Wartezeit nach dem Booster mit dem Mittel von BioNTech/Pfizer von sieben auf 14 Tage. Viele, die bereits gebucht hatten, mussten ihre Reisepläne von einem Tag auf den anderen umwerfen.

Touristenattraktionen Während sich außerhalb des Flughafens an den Touristenattraktionen noch keine Schlangen bilden, so sieht man doch die ersten charakteristischen Besuchergruppen hier und da. Sie spazieren durch die Altstadt in Jerusalem, lassen sich die Street-Art in Tel Aviv erklären und erkunden christliche Stätten rund um den Kinneret. Sehr zur Freude der Tourismusbranche, die seit mehr als eineinhalb Jahren sehnsüchtig auf die Rückkehr der Gäste aus aller Welt gewartet hat.

Tourismusminister Yoel Razvozov (Jesch Atid) will die Zahl der internationalen Besucher so schnell wie möglich erhöhen: »Wir haben vergangene Woche mit der Öffnung begonnen und lockern diese Woche bereits weiter. Allerdings haben wir noch einen langen Weg vor uns, um den gesamten Tourismus zurückzubringen.« Die israelische Wirtschaft brauche diese Branche – »und vor allem die Menschen, die in der Tourismusindustrie arbeiten«.

Die können das nur bestätigen. Viele von ihnen sind mittlerweile am Ende ihrer Ersparnisse angekommen, nachdem im Sommer die Finanzspritzen der Regierung für die meisten ausgelaufen sind. Allerdings werden die Einreisebedingungen von Kennern der Branche als extrem strikt und viel zu komplex bezeichnet.

Lockerung Eine Lockerung der Regeln gaben Gesundheits- und Tourismusministerium vor einigen Tagen gemeinsam bekannt. Weniger kompliziert aber sind sie nicht. Gemäß der Neuregelung dürfen seit dem 9. November auch Besucher aus Ländern mit niedrigen und mittleren Corona-Infektionsraten ohne die Auffrischungsimpfung einreisen.

Zwei Impfungen mit einem von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) anerkannten Vakzin müssen die Einreisenden aber dennoch vorweisen. Allerdings – das ist eine Neuerung – darf die zweite Spritze bei Ankommenden aus den sogenannten grünen und gelben Ländern nun auch länger als sechs Monate zurückliegen.

Israel hat durch die Booster-Kampagne die vierte Welle hinter sich gelassen.

Bei welchen Ländern es sich um »grüne«, »gelbe«, »orangefarbene« oder »rote« handelt, entscheidet das Gesundheitsministerium in Jerusalem. »Gelb« steht für »niedriges Risiko«, »orange« für »Risiko« und »rot« für »höchstes Risiko«.
Ausschließlich diese israelische Klassifizierung wird für die Einreise anerkannt. Auf der offiziellen Website des Ministeriums werden die Länderlisten entsprechend der Farben regelmäßig aktualisiert.

Gruppen von fünf bis 40 Touristen dürfen das Land betreten, wenn sie folgende Voraussetzungen erfüllen: Die Gruppe reist als isolierte »Blase« durch das Land und muss sich auf die Gegenden beschränken, die ein niedriges Infektionsrisiko haben.

BOOSTER Das gilt derzeit allerdings im gesamten Land; die Pandemiesituation ist vergleichsweise entspannt. Die Rate der positiven Coronatests bewegt sich seit Tagen um die 0,6 Prozent. Auch die Zahl der mit einem schweren Verlauf von Covid-19 hospitalisierten Patienten ist mit unter 160 verhältnismäßig gering.

Gesundheitsexperten sind der Auffassung, dass Israel durch seine umfassende Booster-Kampagne, durch die mittlerweile bereits nahezu vier Millionen Einwohner die dritte Impfdosis erhalten haben, die vierte Welle des Pandemiegeschehens hinter sich gelassen hat.

Mitglieder einer Gruppen-»Blase«, die keine dritte Impfung erhalten haben, müssen innerhalb der ersten sieben Tage ihres Aufenthalts in Israel permanent die Bestätigung eines negativen PCR-Coronatests bei sich tragen, der innerhalb der vergangenen 72 Stunden durchgeführt wurde. Ein negativer Antigentest aus den vergangenen 24 Stunden wird ebenfalls akzeptiert.

positivmeldung Ein Mitglied der Gruppe, das als Sprecher ausgewählt ist, muss dem Tourismusministerium jedes Testergebnis aus der Gruppe mitteilen. Außerdem muss das Ministerium über den Zeitplan und die Reiseziele sowie Personen, die die Gruppe getroffen hat, unterrichtet werden. Bei einer Positivmeldung, heißt es aus Jerusalem, wird ein Gesundheitsexperte als Ansprechpartner zur Verfügung gestellt.

Gesundheitsminister Nitzan Horowitz (Meretz) erklärte zu den Neuerungen: »In Übereinstimmung mit unserer Regierungspolitik werden wir auch beim Tourismus mit dem Coronavirus leben. Wir beachten dabei alle Vorsichtsmaßnahmen, um die öffentliche Gesundheit zu gewährleisten und um neue Varianten des Virus schnell zu identifizieren.« Gleichzeitig werde auf diese Weise die israelische Wirtschaft, die Bildung, die Kultur, der Tourismus und der Alltag im Land in Gang gehalten.

Darauf freuen sich auch Eric Bannun und seine Familie. »Wir wollen die Schönheit Israels wieder genießen, wir haben das sehr vermisst.« Der Großteil seiner Angehörigen hat seinen Sohn noch nie getroffen. »Und das, obwohl er vor über einem Jahr geboren wurde. Es hat mir das Herz gebrochen.« Das soll sich jetzt ändern, wenn der kleine Nathan bei einer Reise durch das Land endlich den Großeltern, Tanten und Onkeln vorgestellt wird.

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