Israel

Die Teuer-Steuer

Mehr Geld ausgeben für weniger Ware: 18 Prozent Mehrwertsteuer Foto: Flash 90

Am Sonntag ist der Tag, an dem die Israelis ihre Kühlschränke auffüllen. Nach den üppigen Schabbat-Essen der Familien herrscht dort meist gähnende Leere. Viele Kunden jedoch trauten ihren Augen kaum, als sie an der Kasse den Bon präsentiert bekamen. Jedes einzelne Produkt war über Nacht teurer geworden. Seit dem 2. Juni gilt die neue Mehrwertsteuer von 18 Prozent auf sämtliche Waren in Israel. Alles, was im Einkaufswagen lag, kostete ein Prozent mehr als noch am Vortag.

Hunderte von Demonstranten hatten sich schon am Abend zuvor in den Großstädten versammelt, um gegen die Sparpläne der Regierung Stimmung zu machen. In Tel Aviv trugen die meist jungen Menschen Schilder wie: »Lapid, dank dir bleiben unsere Bäuche leer« oder »Diese Mehrwertsteuer kommt uns teuer zu stehen«.

Verschiedene Knessetabgeordnete kritisierten ebenfalls die Reform, nachdem sie am Mittwoch vom Kabinett bestätigt worden war. Der ehemalige Journalist Micky Rosenthal bezeichnete sie als skandalös. »Die neue Mehrwertsteuer wird ganz schnell zwei Millionen Israelis an den untersten Rand der Armutsgrenze bringen.« Lapid sollte Langzeitpläne aufstellen, statt schlicht kurzfristig Löcher im Budget zu stopfen. »Sonst erleben wir bald den Zusammenbruch der Gesellschaft.«

Sparpaket Tatsächlich treffen die ersten Umsetzungen von Lapids Sparpaket vor allem jene Israelis, die ohnehin schon chronisch knapp bei Kasse sind. Die Verteuerung der Lebensmittel und anderer Dinge des täglichen Bedarfs sowie das zusammengestrichene Kindergeld sind ein harter Schlag für sozial schwache Familien.

In Israel existieren – anders als etwa in Deutschland – keine geminderten Steuersätze für Lebensmittel oder Bücher. Der Vorschlag von Lapid, zukünftig Hotelübernachtungen oder Mietwagen mit der Mehrwertsteuer zu versehen, war im Kabinett gescheitert. Dienstleistungen für Touristen bleiben nach wie vor steuerfrei.

Die Steuerbehörde gab nun bekannt, dass sie durch die Erhöhung mit fast einer Milliarde zusätzlicher Einnahmen pro Jahr rechnet. Wirtschaftsexperten erklärten jedoch, dass diese Angabe höchst unwahrscheinlich sei. Denn eine hohe Steuer auf Waren gehe immer mit schrumpfenden Umsätzen einher. Und genau das wird in Israel nun erwartet.

Diplomatie

Frankreich verbietet Bezalel Smotrich die Einreise

Wegen der Siedlungspolitik im Westjordanland verhängt Frankreich Sanktionen gegen extremistische Siedler – und untersagt Israels Finanzminister Smotrich die Einreise

 09.06.2026

Krieg

Hisbollah-Terrorist dringt nach Israel ein

Ein bewaffneter Hisbollah-Kämpfer dringt nach Israel ein und eröffnet das Feuer. Die Armee reagiert sofort – das Gebiet bleibt weiter unter Beobachtung

 09.06.2026

USAID

US-Behörde erhebt Terrorvorwürfe gegen UNRWA-Mitarbeiter

Erneut werden Vorwürfe gegen 101 weitere Mitarbeiter des UN-Hilfswerks für die Palästinenser in Gaza erhoben. Sie sollen militante Hamas-Mitglieder sein, sagt USAID. UNRWA hatte entsprechende Vorwürfe in der Vergangenheit dementiert

von Andrea Krogmann  09.06.2026

Interview

»Selbst ernannte progressive Linke haben offenbar das völkische Denken gelernt. Das ist alles so absurd«

Der Kabarettist Dieter Nuhr über den Erhalt des Leo-Baeck-Preises, Solidarität mit Israel und Kritik an seiner Person

von Detlef David Kauschke  09.06.2026

New York/The Hague

Israel fordert Aufhebung von Haftbefehl gegen Netanjahu

Die Suspendierung des ICC-Chefanklägers Karim Khans beweise, »dass diese Institution bis ins Mark verdorben ist«, schreibt der israelische UN-Botschafter Danny Danon

 09.06.2026

Israel

Regierung lockt Lehrer mit hohen Prämien in Grenzregion zum Gazastreifen

Bildungsminister Joav Kisch: »Ein neues Klassenzimmer kann innerhalb weniger Monate gebaut werden. Der Aufbau einer Bildungsgemeinschaft dauert Jahre.«

 09.06.2026

Justiz

Sexuelles Fehlverhalten: ICC-Chefankläger Karim Khan nach Untersuchungen suspendiert

Das Gericht hat nach einer 18-monatigen Untersuchung der Vorwürfe entschieden, dass Khan sich eines schweren Fehlverhaltens schuldig gemacht hat

 09.06.2026

Israel

Nach Raketenangriffen: Schulen nehmen Unterricht wieder auf

Die kurzfristige Schließung der Bildungseinrichtungen am Montag hatte für Ärger und Beschwerden gesorgt, da Eltern innerhalb weniger Stunden eine Betreuung für ihre Kinder hatten organisieren müssen

 09.06.2026

Nahost

Stopp in letzter Minute

Medienberichte: US-Präsident Trump hielt Premier Netanjahu von größerem Iran-Angriff ab

 09.06.2026