Museum

Die Schönheit der Steinchen

Vor 26 Jahren wurde es ausgegraben. Dann begann es seine Museumstour: Paris, New York, Berlin … Jetzt ist es zu Hause. Eines der schönsten antiken Mosaike der Welt ist angekommen. Und zwar in der israelischen Peripherie – in Lod. In dieser Stadt wurde es 1996 bei Sicherheitsausgrabungen vor Bauarbeiten gefunden, und jetzt ist es im extra dafür geschaffenen neuen Mosaikzentrum für immer öffentlich ausgestellt.

Mehrere Männer knien auf dem Boden, kratzen, schaben und pinseln mit kleinsten Bewegungen. Sie machen sich am Auge eines dicken Barsches zu schaffen, am Schwanz eines Löwen oder einer Amphore, aus der Blumen ranken. Die winzigen Ausbesserungen sind Millimeterarbeit. Die Männer sind Restaurateure, die an den Fugen zwischen den Steinchen letzte Hand anlegen, bevor das Museum feierlich eröffnet wird.

Das atemberaubende Lod-Mosaik zählt zu den schönsten, die jemals gefunden wurden.

In dem farbenfrohen Meisterwerk aus Stein tummelt sich allerlei Meeresgetier in Blau, Rot, Gelb, eine ganze Vogelschar, Schlangen, Gazellen, Raubkatzen und sogar eine Giraffe sowie ein Elefant. Eingefasst sind die Bilder von geometrischen Formen und Blumenranken. Die Szenen sind ungewöhnlich detailliert dargestellt. Wie die des Löwen, der seine Krallen in einen Hirsch schlägt. Während das Blut des sterbenden Tieres auf den Boden rinnt, schauen sich die beiden Tiere in die Augen.

DESIGN Der Zustand des Mosaiks ist herausragend, an den meisten Stellen fehlt nicht ein einziges Steinchen – und dabei ist es rund 1700 Jahre alt. Es stammt aus der Römerzeit, dem Ende des 3. oder Beginn des 4. Jahrhunderts n.d.Z.

»Qualität, Konstruktion, Inhalt und Erhaltungszustand des Mosaiks sind sehr ungewöhnlich«, bezeugt die Altertumsbehörde. Entdeckt wurde es 1996 von der Archäologin Miriam Avissar während einer archäologischen Ausgrabung vor Bauarbeiten an der Hechalutz-Straße in Lod.

Das Kunstwerk aus der römisch-byzantinischen Zeit diente einst als Foyer eines Herrenhauses in einem wohlhabenden Viertel der Stadt. Es ist etwa 17 Meter lang, neun Meter breit und besteht aus bunten Oberflächen, die Früchte, Säugetiere, Vögel, Fische, Pflanzen und sogar Segelschiffe zeigen. »Sein Design wurde von dem nordafrikanischer Mosaiken beeinflusst«, so die Behörde. Besonders interessant sei, dass es im Gegensatz zu anderen Mosaiken aus dieser Zeit keine Darstellungen von Menschen enthält.

Zuerst reiste es um die Welt und wurde in den namhaftesten Museen gezeigt.

Schier unglaublich, doch tatsächlich wurde das Mosaik nach Abschluss der Ausgrabungen zunächst wieder abgedeckt, weil die Gelder fehlten, um es unterzubringen und zu restaurieren. Dann, im Jahr 2009, erhielt die Altertumsbehörde durch die Spenden der Leon Levy Foundation und Shelby White aus den USA die Finanzierung für die erneute Freilegung, Erhaltung und den Bau des Mosaikzentrums in Lod. Dort entdeckte man während des Baus ein weiteres farbiges Mosaik, das Teil des Innenhofs des Herrenhauses war. Auch dieses ist im Museum ausgestellt.

EXPERTEN Doch zunächst reiste das zuerst gefundene Mosaik um die Welt und wurde in den namhaftesten Museen gezeigt, darunter dem Metropolitan Museum in New York, dem Louvre in Paris, dem Alten Museum in Berlin und der Eremitage in St. Petersburg. Dafür musste es vor jeder Reise von Experten auseinandergenommen und anschließend wieder verlegt werden. Es lohnte sich: Überall zeigten sich die Besucher berauscht von der Schönheit der alten Steinchen. Den Grund kennt die Altertumsbehörde: »Das atemberaubende Lod-Mosaik zählt zu den schönsten, die jemals in Israel oder irgendwo auf der Welt entdeckt wurden.« Shelby White, die mit ihrer Familie aus den USA zur Eröffnung angereist war und feierlich begrüßt wurde, ist ebenfalls begeistert: »Von dem Moment an, als Leon und ich dieses historische Mosaik sahen, wussten wir, wie wichtig es für die Stadt Lod und die Welt war und was es bewirken würde, um Lod zu einem kulturellen Zentrum zu machen. Ich bin begeistert, die Gelegenheit zu haben, Teil der Restaurierung des Mosaiks und der Schaffung dieses Museums sein zu können. Heute hier zu sein, ist ein wahr gewordener Traum.«

HERRENHAUS Das Mosaik ist auf einem Boden ausgelegt und von einer darübergelegenen Galerie umgeben, auf der die Besucher es aus verschiedenen Blickwinkeln ansehen können. Das Museum informiert auch interaktiv über die Geschichte, Archäologie und Erhaltung des Artefakts. Das Zentrum ist ein modernes Gebäude, das gleichzeitig an das Herrenhaus erinnert, in dem es einst den Boden verzierte.
Auch Yair Revivo, Bürgermeister von Lod, war bei der Eröffnung dabei: »26 Jahre nach seiner Entdeckung haben wir diesen großen Tag erreicht, an dem wir das Shelby White & Leon Levy Lod Mosaic Archaeological Center einweihen. Es ist eine Quelle des lokalen Stolzes und eine Verbindung zur Geschichte von Lod, einer der ältesten Städte auf der Erde.«

»Unser Traum für diese Stadt, selbst ein so bedeutendes Mosaik der Kulturen zu haben, wird heute direkt vor unseren Augen verwirklicht, wenn wir Lod auf die Weltkarte des Tourismus setzen. Damit ermöglichen wir es Menschen aus dem ganzen Land und der ganzen Welt, diesen erstaunlichen Schatz hier an seinem ursprünglichen Ort zu sehen. Genau dort, wo er gefunden wurde«, sagte Revivo.

Die Künstler hinterließen ihre Fußabdrücke – mit freundlichen Grüßen aus der Vergangenheit.

Das Mosaikzentrum befindet sich im Nordosten von Lod, neben der Ginaton-Kreuzung, wodurch es vom Ben-Gurion-Flughafen und zwei Autobahnen leicht zu erreichen ist. Seine Nähe zu den Verkehrsadern wird es zu einer nationalen Attraktion machen und es zusammen mit mehreren anderen historischen Stätten der Stadt zum Anziehungspunkt machen, ist der erste Mann der Stadt überzeugt.

Doch das Besucherzentrum soll auch die Verbindung der Einwohner von Lod zum historischen Erbe ihrer Stadt stärken, hob Revivo hervor. Lod, eine Stadt südlich von Tel Aviv, ist das Zuhause vieler ethnischer Gruppen. Einige von ihnen waren zur Eröffnung gekommen, darunter ein arabischer und ein ultraorthodoxer jüdischer Kindergarten sowie eine Tanzgruppe von Israelinnen äthiopischer Abstammung.

WÜRDIGUNG Der Generaldirektor der israelischen Altertumsbehörde, Eli Eskozido, freute sich, dass »heute nach jahrelangen Bemühungen das letzte Stück des Lod-Mosaik-Projekts mit der Eröffnung dieses Besucherzentrums fertiggestellt wurde«. Es sei ein aufregender Meilenstein für die Behörde, deren Experten dieses erstaunliche Mosaik freigelegt, bewahrt und für die öffentliche Ausstellung gefördert haben. »Es gibt keinen anderen Ort in Israel, der die Geschichte eines so wunderbaren Mosaiks auf so besondere Weise zeigt und erzählt.«

Dass ihre Arbeit nicht mehr unter Staub und Schmutz versteckt ist und die Würdigung erhält, die es verdient, dürfte auch den Künstlern der Antike gefallen. Gleich mehrere haben an dem Mosaik gearbeitet, wissen die Experten der Altertumsbehörde durch einen Fund: In dem Bodenbelag unter den Mosaiksteinen hinterließen die Künstler ihre Fußabdrücke – mit freundlichen Grüßen aus der Vergangenheit.

USA/Israel/Iran

Bericht: Israel plante größeren Angriff gegen Iran

Mehr Ziele, auch in der Nähe von Teheran, sollten ursprünglich bombardiert werden

 22.04.2024

Westjordanland

Verdächtiger im Mordfall Benjamin Achimeir (14) verhaftet

Der Junge wurde beim Schafe hüten von Terroristen ermordet

 22.04.2024

Israel

Chef des Militärgeheimdienstes tritt zurück

Aharon Haliva begründet den Schritt mit dem Versagen des Geheimdienstes am 7. Oktober

 22.04.2024 Aktualisiert

Israel

Jerusalem: Sechs Verletzte bei zwei Terroranschlägen

Die Polizei fasste in einem der Fälle zwei Täter

 22.04.2024 Aktualisiert

Nahost

Israel kündigt »weitere schmerzhafte Schläge« gegen den Hamas-Terror an

Die Lage am Montagmorgen – und ein Ausblick auf den Tag

 22.04.2024

Pessach in Israel

Den wenigsten ist nach Feiern zumute

Von Freiheit kann keine Rede sein – und der Riss innerhalb der israelischen Gesellschaft ist deutlich spürbar

von Sabine Brandes  21.04.2024

Israel

Empörung über mögliche US-Sanktionen gegen Armee-Bataillon

Benjamin Netanjahu: Maßnahme wäre »der Gipfel der Absurdität und ein moralischer Tiefpunkt«

 21.04.2024

Nahost

Israel soll unentdeckt Irans Luftabwehr beschädigt haben

Ziel sei es gewesen, der islamischen Republik eine konkrete Nachricht zu senden

von Nicole Dreyfus  21.04.2024

Moshe Basson

Ein Koch für den Frieden

Der Chef des Restaurants »Eukalyptus« ist überzeugt, dass am Esstisch vieles geregelt werden kann

von Andrea Krogmann  20.04.2024