Justiz

Der Protest des Generals

Der israelische Aktivist und Ex-General Amir Haskel nach seiner Freilassung. Foto: Flash90

Ein ehemaliger General der Luftwaffe ist Symbol des Protestes gegen Korruption in Israel. Amir Haskel war am Samstag festgenommen worden, nachdem er zum wiederholten Mal vor der Residenz des Premierministers in Jerusalem gemeinsam mit anderen gegen die Korruption im Land demonstriert hatte.

Seit Monaten demonstrieren Gruppen in ganz Israel regelmäßig gegen die neu gebildete Regierung unter der Führung von Netanjahu als Ministerpräsident. Sie fordern seinen Rücktritt wegen der Anklagen in drei Fällen – darunter Korruption –, die derzeit vor dem Bezirksgericht in Jerusalem verhandelt werden.

GRENZE Seine Verhaftung habe eine Grenze überschritten, die nicht hätte überschritten werden dürfen. »Der Grund dafür war der Wunsch, den Protest zum Schweigen zu bringen, der sich gegen die eine Person richtet, die wegen krimineller Vergehen angeklagt ist – Benjamin Netanjahu«, sagte Haskel bei einer Pressekonferenz nach seiner Freilassung einen Tag darauf.

Wenn dies andere dazu bringt, gegen Netanjahu aufzubegehren, sei es die Verhaftung jedoch wert gewesen. »In einem moralischen Staat Israel kann es nicht sein, dass jemand, der wegen eines Verbrechens vor Gericht steht, Premierminister ist.«

Hunderte waren am Morgen desselben Tages in Jerusalem für den einstigen General auf die Straßen gegangen. Prominente Fürsprecher beschuldigten die Sicherheitsbehörden, politisch motiviert gehandelt zu haben. Die Polizei hatte mehrere Demonstranten verhaftet, weil sie eine Straße blockierten. Haskel gehörte jedoch nicht dazu.

»Wir sind einfache Bürger, die die festgenommen werden, weil sie eine Demonstration abhalten, das Recht in einem demokratischen Staat.«

Ex-General Haskel

Als Organisator der Demonstration sei er aber dafür verantwortlich, hieß es von den Behörden. Einigen Protestierenden war angeboten worden, sie würden auf freien Fuß gesetzt, wenn sie unterschrieben, die Stadt Jerusalem in der nächsten Zeit nicht zu betreten. Haskel und zwei andere weigerten sich und wurden verhaftet.

BÜRGER »Wir sind einfache Bürger, die festgenommen werden, weil sie eine Demonstration abhalten. Das ist das Recht in einem demokratischen Staat. Niemand wird uns das wegnehmen«, machte Haskel anschließend klar.

Zwei Tage nach der Festnahme ordnete Orna Sandler-Eitan, Richterin am Bezirksgericht Jerusalem, an, dass die drei Demonstranten ohne Auflagen freigelassen werden. Sie entschied zudem, dass das Verbot, Jerusalem 15 Tage lang zu betreten, rechtswidrig sei und das Recht der Redefreiheit beschränke. Die Polizei hatte dies beantragt und gab an, gegen das Urteil Einspruch erheben zu wollen.

ORDNUNG Allerdings bestätigte der amtierende Polizeichef Motti Cohen, dass man aus dem Vorfall lernen wolle. »Die Rolle der Polizei ist es, die Rede- und Demonstrationsfreiheit für alle Menschen zu erlauben und dabei für die öffentliche Ordnung und Sicherheit zu sorgen, egal, welche Meinungen bei der Demonstration vertreten werden oder wer protestiert.«

Politik

Superstar der Linken

Naama Lazimi, israelische Abgeordnete der Demokraten, wird vom TIME Magazin als eine der aufstrebenden Persönlichkeiten der Welt gewürdigt

von Sabine Brandes  01.10.2026

Jerusalem

Herzog will »Fly Dubai«-Helfer für Zivilcourage auszeichnen

Vier israelische Passagiere verhinderten auf einem Flydubai-Flug nach Tel Aviv durch ihr beherztes Eingreifen eine Katastrophe. Der Präsident will sie nun für ihren Mut ehren

 01.10.2026

Terrorismus

Hamas-Leibwächter plante Anschläge in Deutschland und Österreich

Der Palästinenser erhielt Asyl und Staatsbürgerschaft in Großbritannien. Er hatte jüdische und israelische Ziele im Visier

von Sabine Brandes  01.10.2026

UN-Kongress

Experten diskutieren strafrechtliche Verfolgung sexueller Gewalt in Konflikten

Bei einer Veranstaltung im Rahmen des UN-Kongresses zur Verbrechensverhütung in Abu Dhabi diskutierten jüdische Organisationen über Strafverfolgung, digitale Beweismittel und den Schutz von Betroffenen

 01.10.2026

Der Lehrer einer Kunstschule in Mumbai ehrt Smit Machchhar mit einem Bild

Der unbekannte Held

Schwer verletzt half der indische Pilot Smit Machchhar auf dem verhängnisvollen Flydubai-Flug, die Menschen an Bord vor dem Absturz zu retten

von Sabine Brandes  01.10.2026

Krieg

»Verzerrt, irreführend und unredlich«

Das israelische Militär hat in einer ausführlichen Erklärung auf die anonym erhobenen Vorwürfe des Films »NAZA« reagiert

 01.10.2026

Nachrichten

Klaviere, Dichter, Dienstleistung

Kurzmeldungen aus Israel

von Sabine Brandes  01.10.2026

Westjordanland

Herzog: Politik tut nicht genug gegen Gewalt israelischer Siedler

Israels Staatspräsident Isaac Herzog hat die Regierung aufgefordert, das Problem entschlossener zu bekämpfen

 01.10.2026

Terror

Netanjahu würdigt angegriffenen Piloten: »Ein wahrer Held«

Die israelischen Fluggäste von Dubai nach Tel Aviv sind nur knapp einer Katastrophe entronnen. Israel spricht von einem versuchten Terroranschlag. Nun werden immer mehr Details darüber bekannt, was sich im Cockpit abspielte

 01.10.2026