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Terror

Der Kokain-Dschihad

Internationales Netzwerk von Hamas und Hisbollah

Während der Operation »Nördlicher Schutzschild« zerstörte die israelische Armee (IDF) zwischen Dezember 2018 und Mai 2019 sechs unterirdische Tunnel der vom Iran unterstützten libanesischen Terrormiliz Hisbollah, die bis in das israelische Staatsgebiet reichten. Ziel der Hisbollah-Miliz war es, bei Kriegsausbruch den jüdischen Staat mit Elitekämpfern zu infiltrieren, um Soldaten und Zivilisten zu töten sowie »Galiläa zu befreien«.

Tunnel Diese Tunnel sollten der Hisbollah aber auch bei ihren florierenden Drogengeschäften helfen. Zwar wird sie in ihrem Kampf gegen Israel vom Iran militärisch, logistisch und finanziell unterstützt, doch große Einnahmen stammen aus diversifizierten Quellen.

Die Hisbollah – als dominierende Macht im Libanon – ist schon seit den 80er-Jahren in den Drogenhandel verwickelt.

So ist die schiitische Terrororganisation in den letzten Jahren selbst zu einem gewaltigen Drogenkartell aufgestiegen und für den zunehmenden Schmuggel, insbesondere von Kokain, an der israelischen Nordgrenze verantwortlich, wo sie Millionengewinne verzeichnet. Der frühere peruanische Präsident Fernando Belaúnde Terry bezeichnete 1983 diese Art von Handel als »Drogenterrorismus« (englisch: Narcoterrorism).

»Einer der komplexesten Aspekte in der Terrorbekämpfung ist die Überwachung, Verfolgung und Verhinderung der Finanzierung terroristischer Organisationen«, erklärt Polizeikommissar L. von der israelischen Behörde für Drogenbekämpfung. »Ihre Infrastrukturen erstrecken sich über fünf Kontinente, Dutzende von Ländern und umfassen kriminelle Gruppen, Strohfirmen, bestimmte Banken sowie Kuriere.«

SYRIEN Die Hisbollah – als dominierende Macht im Libanon – ist schon seit den 80er-Jahren in den Drogenhandel verwickelt. Überhaupt floriert im Nahen Osten der »Drogenterrorismus«. Im vom Bürgerkrieg erschütterten Syrien finanzieren sich fast alle Dschihadistengruppen, die gegen das Assad-Regime kämpfen, unter anderem durch Drogenschmuggel, und durch ihren Handel mit kriminellen Banden aus Israel gelangen die Rauschmittel auch in den jüdischen Staat. Auch über das Tote Meer kommt aus Jordanien jede Menge Stoff ins Landesinnere. Beduinenstämme, die auf beiden Seiten der israelisch-ägyptischen Grenze leben, bringen den größten Teil an Marihuana und Haschisch ins Land. Einige dieser Ladungen werden auf Kamelen ohne Begleitung von Menschen nach Israel geschickt und nach dem Überqueren der Grenze abgeholt.

»Der Iran unterstützt die Hisbollah und die palästinensische Hamas mit jährlich über 700 Millionen beziehungsweise 60 Millionen Euro«, sagt L. »Die Hamas kommt durch die Kontrolle der Zivilbevölkerung, die es ihr ermöglicht, Steuern und Schutzgelder einzutreiben, auf einen Jahresumsatz von fast 400 Millionen Euro.« Die Summe beinhaltet auch Einnahmen aus Drogengeschäften, die aber nicht so hoch sind wie die Umsätze der libanesischen Hisbollah. Deren Aktivitäten beschränken sich nämlich nicht nur auf den Zedernstaat, sondern umfassen auch Europa, etwa Deutschland und den Balkan, sowie Südamerika (wie Venezuela), besonders aber die Dreiländerregion von Argentinien, Brasilien und Paraguay.

MEXIKO Am eifrigsten aber ist die Hisbollah in Mittelamerika tätig, besonders in Mexiko, wo es unter den knapp 400.000 libanesischstämmigen Einwohnern viele Unterstützer gibt. Aber vor allem durch ihre fruchtbare Allianz mit den dort mächtigen Drogenkartellen kann die Terrormiliz dort enorme Gewinne aus dem illegalen Drogenhandel erzielen und für die Bewaffnung, Ausrüstung und Ausbildung ihrer Mitglieder verwenden. Sie dient dort häufig als Kurierdienst für die Verteilung der von den Kartellen hergestellten Drogen sowie für die Erbringung von Geldwäschediensten.

Die von der IDF zerstörten Terrortunnel dienten auch dem Drogenschmuggel.

»Mittlerweile bedroht der Drogenterrorismus die nationale Sicherheit vieler Nationen«, sagte Rachel Ehrenfeld kürzlich im israelischen Fernsehen. Die 71-jährige Israelin ist Gründerin und Direktorin des in New York ansässigen »American Center for Democracy« und dessen »Economic Warfare Institute«. Sie sagt: »Der Zusammenhang zwischen transnationalen kriminellen Organisationen und terroristischen Gruppen endet nicht bei illegalem Drogenhandel. Ihre Partnerschaften sind komplex und verbinden Kriminalität mit Wirtschaft und Politik.

Auch wird ein Teil dieses Geldes verwendet, um politische Systeme zu untergraben.« Vor dem kanadischen Parlament erklärte Ehrenfeld schon 2005, dass »der Kokaindschihad auf eine iranische Fatwa zurückgeht«, und zitierte aus dieser Fatwa: »Wir stellen diese Drogen für den Satan Amerika und die Juden her. Wenn wir sie nicht mit Waffen töten können, dann mit Drogen.«

In ihrem viel beachteten Werk Funding Evil (Finanzierung des Bösen) schreibt Ehrenfeld, dass insbesondere der Iran und seine Verbündeten – Hisbollah und Hamas – zur Finanzierung ihrer Terroraktivitäten internationale Netzwerke nutze, um verschiedene Institute und Organisationen wie Banken, Wohltätigkeitsfirmen und Hilfsorganisationen für ihre Zwecke zu missbrauchen. Auch finanziere der Westen seine eigene Zerstörung, indem er seine Wirtschaft vom Öl abhängig macht und so einen Markt für illegale Dienste schafft.

Die schiitische Terrororganisation in den letzten Jahren selbst zu einem gewaltigen Drogenkartell aufgestiegen.

»Der Krieg gegen die Terrorfinanzierung ist ein komplexes Unterfangen«, sagt der ehemalige Geheimdienstmitarbeiter Oren Toledano (Name aus Sicherheitsgründen geändert). »Ein Großteil des Geldes wird bar bezahlt, somit unterliegt es keinen Kontrollen des Finanzsystems. Ein anderer Teil wird von einem Netzwerk legitimer Strohfirmen und Finanzorganisationen gewaschen.« Der Sicherheitsexperte sagt, dass die finanzielle Überwachung terroristischer Organisationen besonders schwierig sei, da diese auch von Staaten wie Iran, Saudi-Arabien und Katar finanziell unterstützt würden.

IRAN Um terroristische Geldnetzwerke aufzuspüren, war Toledano von 2007 bis 2015 Teil der »Operation Harpoon« unter Leitung des ehemaligen Mossad-Direktors Meir Dagan. In dieser erfolgreichen Aktion wurden Scheinfirmen gegründet, um besonders Hisbollah- und Hamasfunktionäre zu täuschen, die dort Gelder aus dem Drogenhandel anlegten – bis das Geld plötzlich verschwand. »Beim letzten Gaza-Krieg 2014 war unsere Strategie besonders erfolgreich«, sagt Toledano. »Nach einigen Wochen deckten wir illegale Barzahlungen an die Hamas auf, und die IDF zerstörte daraufhin die Übergabe mit einer gezielten Aktion.« Ohne das Geld konnte die Terrororganisation den Kampf nicht aufrechterhalten und bat 48 Stunden später um einen Waffenstillstand.

Seit den im vergangenen Jahr verhängten Sanktionen der USA gegen den Iran steht die Hisbollah vor ihrer bislang größten Wirtschaftskrise. Auch die Unterstützung des Assad-Regimes während des syrischen Bürgerkrieges hat Teheran viel Geld gekostet, und in diesem Jahr wurden die Mittel für ihre libanesischen Verbündeten bereits halbiert.

Die Probleme der Hisbollah resultieren aber nicht nur aus den wirtschaftlichen Nöten des Iran. Die Organisation selbst wird nun von den USA sanktioniert. Schon 2008 überwachte ihre Drogenvollzugsbehörde (DEA) mit dem »Projekt Cassandra« die Finanzierung der Terrormiliz aus illegalen Drogenquellen. Ein erst kürzlich verabschiedetes Gesetz soll ihre Einnahmen nun endgültig verhindern. Schon jetzt wurden weltweit Bankkonten der schiitischen »Gottesarmee« geschlossen. »Voraussichtlich wird die Hisbollah keine neue Offensive gegen Israel eröffnen«, zeigt sich Toledano optimistisch. »Momentan können sie es sich einfach nicht leisten.«

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