Medien

Der Aufpolierer

Jung und frech: Mit Beiträgen über Kunst, Mode und Business wendet sich »18« an kosmopolitische Leser. Foto: (M) Frank Albinus

David Laxer ist kein Mensch, dem Schweigen leicht fällt. Wenn er gerade nicht selbst spricht, spielen seine Hände nervös mit einem Feuerzeug. Sein Telefon klingelt ununterbrochen. Und es scheint Laxer auch einige Anstrengung zu kosten, das Ende einer Frage abzuwarten. Dann aber setzt er zu einer wortreichen Erläuterung der israelischen Gesellschaft einerseits und der verzerrten Wahrnehmung Israels in der westlichen Welt andererseits an. David Laxer mangelt es hörbar weder an Sendungsbewusstsein noch an Überzeugungskraft – wenn es ihm an etwas mangelt, dann an Geduld. Und damit bringt David Laxer wohl genau die Fähigkeiten und Eigenschaft mit, die man braucht, wenn man sich die Korrektur des Bildes Israels in der Welt zur Aufgabe gemacht hat.

Zahlenmythologie Das Medium, das diese schwierige Aufgabe bewältigen soll, heißt schlicht »18» – in der jüdischen Zahlenmythologie steht die Zahl für yx, das Leben, speziell das Leben des jüdischen Volkes. Die vierteljährlich erscheinende Zeitschrift ist Anfang des Jahres zum ersten Mal erschienen und 130 Seiten stark. Das Magazin mit dem Untertitel »Another Israel Review« ist ein ausgesprochen schickes Heft, mit klaren Strukturen und viel Platz für Fotografie und Freiflächen. Alle Beiträge in »18« sind englischsprachig und das aus Prinzip: Das Heft wendet sich nämlich einerseits an die traditionell international denkende Kreativelite Israels. Noch mehr aber zielt »18« auf die Neugier von Kosmopoliten in Berlin, New York und London, denn es will Brücken gen Westen bauen.

Die Inhalte sind deshalb auch weltlich: Da geht es etwa um den Relaunch der Biermarke »Maccabee«, ein Prozess, der nicht nur wegen des historisch aufgeladenen Namens interessant ist, sondern auch weil »18« anhand der Geschichte des Bieres die Veränderung Israels nachzeichnet – mit dem Land haben sich eben auch die Vorlieben gewandelt. Und so betrachtet »18« das Land über seine Produkte, Kulturgüter und Innovationen, immer die Frage im Hinterkopf: Was sagt das über das Leben in Israel?

Mode In ähnlicher Weise wird etwa die Galerie der Tochter von Ephraim Kishon besprochen ebenso wie Start‐ups aus dem Norden Israels, Modelabels aus dem Tel Aviver Stadtteil Florentin oder die Stadt Holon, die zur Designmetropole werden will. Die Rubriken heißen schlicht »Trends«, »Design«, »Kultur«, »Architektur«, »Mode« und »Business« – dazu gesellen sich jeweils zum Auftakt des Magazins die Abschnitte »Vorspeise« und zum Schluss der »Nachtisch«, was in freundlicher Ehrlichkeit offenbart: »18« präsentiert Israel als vielfältiges Menü und will den Lesern das Land schmackhaft machen.

Da sich die Zeitschrift ein Manifest gegeben hat, das damit beginnt, dass die Worte »Palästinenser«, »Krieg«, »Frieden«, »Kampf« und »Konflikt« nicht benutzt und stattdessen Ästhetik, Lifestyle und Wirtschaft in Israel Augenmerk geschenkt werden sollen, liegt der Verdacht nahe, »18« hege ein politisches Anliegen. Dass er an Marketing für sein Heimatland gedacht hat, bestreitet David Laxer nicht. Noch lieber wäre ihm, würde man »18« nicht bloß als Werbung für Israel und nicht bloß als neues Etikett auf einem alten Produkt lesen, sondern als Ausdruck eines neuen Selbstwertgefühls und einer neuen Verortung der israelischen Gesellschaft verstehen: »Wir Israelis«, sagt David Laxer, »können nur dann die Art und Weise, wie andere über uns denken, verändern, wenn wir selbst anders über uns denken. Die Generation der hart arbeitenden Sabra war für Israel sicher wichtig, aber sie repräsentieren das Land heute einfach nicht mehr. Die Welt hat sich verändert, Israel hat sich verändert.«

Lebensgeschichte Dieser Wille zum Bruch mit dem israelischen Mythos stammt bei Laxer auch daher, dass er sich bei aller Identifikation mit dem Land eine gewisse Außenperspektive bewahrt hat. Und das liegt ganz unmittelbar an seiner eigenen Lebensgeschichte: Der heute 35‐Jährige wurde in Toronto, Kanada, als Sohn rumänischstämmiger Juden geboren. Als 13‐jähriger Junge kam er mit seinen Eltern nach Israel und wuchs in Haifa auf. Sein Medizinstudium in Kanada brach er ab, um bei einer großen Werbeagentur zu arbeiten, ehe er sich mit seiner eigenen selbständig machte. Aber trotz des Erfolgs, erzählt Laxer, sei seine Sehnsucht nach Israel geblieben.

Mit professionellem Ehrgeiz begann Laxer dann das Projekt »18« Er suchte Mitstreiter, Sponsoren und schrieb mit einem fünf Mitarbeiter starken Team die erste Ausgabe fast im Alleingang voll. Mit Erfolg: Die Anzahl der Mitwirkenden hat sich bereits verdoppelt und das Interesse an »18« ist immens – gerade eben hat das israelische Außenministerium zugesagt, einen Teil der Auflage aufzukaufen, um sie in israelischen Botschaften auszulegen.

Für die Leser von »18« mag der Name des Magazins wenig mehr als ein Seitenhieb auf jüdische Tradition und den Mythos Israels sein. Für David Laxer aber ist »18« nicht einfach das Leben, sondern für die kommenden Jahre sein Leben.

www.18m.co.il

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