Israel

Das Rennen der Skandale

Skulpturen der israelischen Präsidenten im Garten des Amtssitzes von Schimon Peres Foto: Flash90

Das Amt des Präsidenten soll frei von Skandalen und Ungereimtheiten sein. Schimon Peres, amtierendes Staatsoberhaupt Israels, füllt diese Grundsätze seit sieben Jahren voller Würde aus. Doch Peres’ Zeit als Bürger Nummer eins endet im Juli.

Und die Wahl um einen Nachfolger wird seit Wochen von einem Eklat nach dem anderen bestimmt. Vorerst letzter Akt im Theater um die Suche nach einem neuen Präsidenten ist der Rücktritt des Kandidaten der Arbeitspartei, Benjamin Ben-Eliezer.

Am Sonntag hatte Knessetsprecher Juli Edelstein erklärt, der Urnengang werde wie vorgesehen am Dienstag stattfinden, nachdem er zunächst in Erwägung gezogen hatte, ihn um zwei Wochen zu verschieben.

Verzögerung Doch verschiedene Minister, darunter Finanzminister Yair Lapid und sein Kollege im Bauministerium, Uri Ariel, hatten sich vehement gegen eine Verzögerung ausgesprochen, wie bereits bei dem Vorhaben von Premier Benjamin Netanjahu, die Wahl um ein halbes Jahr nach hinten zu schieben oder das Präsidentenamt gleich ganz abzuschaffen.

»Die schwierige Atmosphäre, die das Präsidentschaftsrennen umgibt, ist nicht zufriedenstellend und wirft einen dunklen Schatten über Teilnehmer und Knesset«, so Edelstein. »Leider können wir nicht abstreiten, dass diese Wahl ohne festliche und respektvolle Stimmung, die sie eigentlich hätte haben sollen, vonstatten gehen wird.«

Der alteingesessene Politiker Ben-Eliezer, der unter seinem Spitznamen Fouad in der ganzen Welt bekannt ist, hatte am Samstag inmitten von Korruptionsvorwürfen verkündet, dass er nicht mehr als Präsidentschaftskandidat zur Verfügung stehe. Dem vorausgegangen war die Eröffnung einer Polizeiuntersuchung, ob der Parlamentarier eventuelle illegale Unterstützung beim Kauf seiner Wohnung in Jaffa erhalten hatte, nachdem er, wie alle Kandidaten, seine Besitztümer hatte offenlegen müssen.

Nobelpreis Die 120 Parlamentarier müssen sich in geheimer Wahl entscheiden zwischen Reuven Rivlin vom Likud, der ehemaligen Knessetpräsidentin Dalia Itzik, dem Parlamentarier Meir Schitrit (von Zipi Livnis Hatnua-Partei) sowie der einstigen Richterin am Obersten Gerichtshof, Dalia Dorner, und dem Nobelpreisgewinner in Chemie, Dan Schechtman.

Obwohl es es der Vorsitzende der Arbeitspartei, Yitzhak Herzog, seinen 15 Mitgenossen freigestellt hat, für wen sie ihre Stimme geben und Meretz wie arabische Parteien sich hinter Dorner stellen wollen, gilt der Likud-Mann Rivlin als aussichtsreichster Kandidat. Viele, darunter Ex-Awoda-Chefin Schelly Jachimowitsch, meinen, er sei der »einzig wahre Verfechter der Demokratie«.

Dennoch ist das Rennen in keiner Weise entschieden. Denn jüngst gaben Dutzende von Abgeordneten zu, dass sie Kandidaten ihre Unterstützung zugesichert hatten, obwohl sie gar nicht vorhaben, letztendlich für diese zu stimmen. Vor allem die zweite und letzte Runde, in der die beiden führenden Kandidaten sich der endgültigen Wahl stellen, ist gänzlich offen.

Während Rivlin, Itzik, Schitrit, Dorner und Schechtman zu Wochenbeginn noch einmal alles geben, um so viele Abgeordnete wie möglich auf ihre Seite zu ziehen, hat die Justizministerin Zipi Livni verkündet, dass beim nächsten Mal alles anders werde. Sie wolle Gesetze für klare Regeln bei der Präsidentschaftswahl einführen, vor allem in Sachen Transparenz. »Damit der Standard wieder eins wird«, machte sie klar, »moralisch«.

Diplomatie

Kolumbien erkennt Israels Souveränität über den Golan an

Die neue Regierung in Bogotá will auch die kolumbianische Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem verlegen. Unterdessen hat Israel Soforthilfe für die Opfer des schweren Erdbebens in Kolumbien zugesagt

 10.08.2026

Medien

Wo steckt die palästinensische Opposition?

Zwei taz-Essays erzählen eindringlich von palästinensischer und muslimischer Entfremdung in Deutschland. Sie lassen zugleich einen entscheidenden blinden Fleck im Nahostkonflikts unerwähnt

von Leeor Engländer  10.08.2026

Archäologie

Die Fingerabdrücke von Qumran

Wie Wissenschaftler mithilfe von Künstlicher Intelligenz den Schriftrollen vom Toten Meer ihre letzten Geheimnisse entlocken wollen

von Sabine Brandes  10.08.2026

Triest

Israelischer Physiker Haim Sompolinsky erhält renommierte Dirac-Medaille

Der in Dänemark geborene Wissenschaftler ist 76 Jahre alt und emeritierter Professor am Edmond and Lily Safra Center und der Hebräischen Universität Jerusalem

 10.08.2026

Umfrage

Weder Netanjahu-Lager noch Opposition erreicht Mehrheit

Eine neue Erhebung zeigt: Der Likud bleibt stärkste Kraft. Was würde das für eine Regierungsbildung bedeuten?

 10.08.2026

Nahost

Board of Peace: Gaza-Plan einzige Garantie für Verhinderung weiterer Hamas-Massaker

Der Sondergesandte Nikolai Mladenov sagt, entscheidend sei dabei nicht Vertrauen in die Hamas, sondern eine lückenlose Überprüfung konkreter Schritte zur Entwaffnung der Terrororganisation

 10.08.2026

Nahost

Israel erlaubt offenbar Wiederaufbau in von ihm kontrollierten Teilen des Gazastreifens

Nach einem Bericht des Radiosenders der Armee sollen Ministerpräsident Netanjahu und Verteidigungsminister Katz die Arbeiten bereits vor rund zwei Wochen gebilligt haben

 10.08.2026

Flüge

US-Airline nimmt Route Tel-Aviv-New York wieder auf

Pünktlich zu Rosch Haschana gibt es wieder Direktflüge zwischen New York und Tel Aviv von anderen Anbietern als El Al

 09.08.2026

Jerusalem

Likud attackiert Wahlgremium

Der Likud protestiert gegen neue Mitglieder im unabhängigen Wahlgremium. Experten sehen darin einen möglichen Auftakt dazu, die Wahlergebnisse im Oktober nicht anzuerkennen

 09.08.2026