Eilat

Das Leben geht weiter

Urlaubsparadies: Zehntausende Israelis reisen jetzt in der Hochsaison nach Eilat. Foto: Flash 90

Sagt man in Israel, »ich fahre nach Eilat«, bedeutet das nur eins: Erholung, Urlaub, Sonne und Strand. Der Name steht für eine Pause vom Alltagsstress, für Spaß und gute Laune. Seit vergangenem Donnerstag verbindet man mit der Stadt am Roten Meer allerdings auch blutigen Terror, Tote und Verletzte. In koordinierten Anschlägen sind rund um den Ferienort acht Israelis getötet worden, Dutzende wurden verletzt, manche von ihnen schwer. Es war der schlimmste Terroranschlag seit März 2008.

Der erste von vier Angriffen galt einem Bus auf der Schnellstraße 12, in dem hauptsächlich Soldaten fuhren. Einige Kilometer nördlich von Eilat nahmen Attentäter das Fahrzeug plötzlich mit Schnellfeuerwaffen unter Beschuss. Ein zu Hilfe eilender Armeejeep wurde von einer ferngesteuerten Bombe getroffen. Der schwerste der Anschläge traf einen weiteren Bus und einen privaten Pkw, auf die Extremisten eine Panzerabwehrrakete feuerten. Außerdem wurden Reisende in ihren Autos von Terroristen gezielt mit Kopfschüssen ermordet. Sieben Menschen starben, 31 trugen Verletzungen davon. Bei einer Verfolgungsjagd schließlich traf einer der Angreifer einen israelischen Polizisten tödlich.

Urlauber David Ilani war in Eilat, als der Terror zuschlug. »Wir saßen gerade beim Essen, als wir auf einmal die vielen Hubschrauber bemerkten und uns dachten, etwas stimmt nicht. Dann kamen schon die ersten Anrufe von besorgten Freunden.« Ilani wollte mit seiner Familie noch einige Tage entspannen, bevor die Routine am 1. September mit Schulbeginn wieder losgeht.

»Und dann das! Es war so grausam, die Menschen wurden ja regelrecht hingerichtet«, berichtet er sichtlich schockiert. Dennoch, so der Vater von drei Kindern, habe er sich im Anschluss an die schreckliche Nachricht nicht viel anmerken lassen. »Meine Frau und ich wollten unsere Kinder nicht verunsichern, so kurz, bevor die Schule beginnt. Wir haben also trotzdem an den nächsten zwei Tagen unsere Schnorchel und Schwimmflossen eingepackt und uns auf den Weg zum Strand gemacht.«

Das Personal im Hotel habe sich besondere Mühe gegeben, den Aufenthalt so unbeschwert wie möglich zu gestalten, lobt Ilani. »Nur von einem Ausflug in die nahe gelegene Wüste rieten sie uns ab, weil sich dort eventuell noch Terroristen versteckt hielten. Also sind wir stattdessen ins Aquarium gegangen. Es klingt so banal, doch das Leben geht ja wirklich weiter.«

Bewohner Auch für die 60.000 Einwohner. Obwohl noch immer Armeejeeps patrouillieren und Hubschrauber ihre gleißenden Flutlichter in die nächtliche Wüste strahlen, dreht sich dieser Tage alles um das, wofür die Stadt am Roten Meer gewöhnlich steht: Ausspannen und gutes Leben in den vielen Hotels, Restaurants, Bars und Cafés, wenn auch vielleicht etwas zurückhaltender als sonst.

»Unsere Einwohner gehen durch eine schwere Zeit, doch wir lassen es nicht zu, dass Terror unser Leben verändert«, erklärt Bürgermeister Meir Yitzchak-Halevi unmissverständlich. Bewohnerin Liora Ben bestätigt diese Haltung. »Von niemandem lassen wir uns etwas vorschreiben – schon gar nicht von Mördern.« Jetzt, in der Hauptsaison, würden Zehntausende Menschen ihren wohlverdienten Urlaub hier verbringen, darunter viele Schüler und Studenten, die vor Schulbeginn ein paar Tage Spaß haben wollen. »Und das lassen wir uns nicht kaputt machen.«

Politiker »Der beste Weg, mit fundamentalistischen Feinden umzugehen, ist es, so normal wie möglich weiterzumachen«, ist Yitzchak-Halevi sicher. »Das tun unsere Einwohner – und ich bin stolz auf sie.« Während der erste Mann der Stadt diese Worte spricht, ist im Krankenhaus Joseftal nichts wie gewöhnlich. 30 Verletzte, manche von ihnen noch in kritischem Zustand, sind nach den Anschlägen auf der Straße 12 hier eingeliefert worden. Präsident Schimon Peres lobte Sicherheitskräfte und medizinisches Personal, die alles taten, um weiteres Blutvergießen zu vermeiden und sich sogar selbst in Gefahr begaben, um andere zu retten.

Die israelische Regierung macht die Hamas im Gazastreifen für den koordinierten Terror verantwortlich. Sie nimmt an, dass die Terroristen durch den Sinai die Grenze nach Israel überquert haben. Das Machtvakuum im ägyptischen Nachbarland zeigt sich besonders deutlich auf der Halbinsel, wo Banden ihr Unwesen treiben, die mit palästinensischen Terroristen gemeinsame Sache machen. Unmittelbar nach den Anschlägen flog die israelische Luftwaffe einen Vergeltungsschlag in Gaza und tötete dabei nach Militärangaben unter anderem den Chef der extremistischen Vereinigung »Komitee des Volkswiderstandes« (PRC).

Trotz der Trauer über die Opfer will man auf das Feiern in Eilat nicht verzichten: In dieser Woche findet das alljährliche, weit über die Grenzen Israels hinaus bekannte Jazz-Festival statt. Die Stadt ist fest entschlossen, an dieser Tradition festzuhalten. »Ich lade alle Gäste aus Israel und der ganzen Welt in unsere Perle in der Wüste ein«, erklärte der Bürgermeister voll Überzeugung.

Die drei internationalen Künstler Eddie Palmieri, Jason Moran & The Bandwagon und Tuba Skinny hatten im Anschluss an die Attacken jedoch ihren Auftritt beim Festival abgesagt. Andere aber, die vorher nicht eingeplant waren, so der Konzertveranstalter, zeigten Solidarität und sagten prompt zu, darunter Roberto Rodriguez aus Havana und der neue israelische Superstar Asaf Avidan.

Shelly Meyer

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